Kultur

"Stille Nacht" politisch instrumentalisiert - auch von Adolf Hitler

NS-Diktator ersetzt in der Umdichtung von 1934 das "hochheilige Paar".

Hier ein Autograph von Joseph Mohr um 1820 vom berühmten Weihnachtslied „Stille Nacht“. Jetzt wird bekannt, dass die Nazis das Lied umtexteten – und für sich instrumentalisieren wollten. SN/apa-salzburg museum/museumsverein
Hier ein Autograph von Joseph Mohr um 1820 vom berühmten Weihnachtslied „Stille Nacht“. Jetzt wird bekannt, dass die Nazis das Lied umtexteten – und für sich instrumentalisieren wollten.

Die Textzeilen sind verstörend. "Alles schläft, einsam wacht/unser Führer für deutsches Land", heißt es in der dritten Strophe einer Umdichtung von "Stille Nacht" aus der NS-Zeit. Michael Neureiter, Präsident der Stille-Nacht-Gesellschaft, hat das Machwerk eines gewissen Friedrich von Rabenau im Mittwoch im Internet entdeckt. "Es ist ein besonders drastisches Beispiel für den politischen Missbrauch des Liedes", sagt Neureiter.

Bereits im Buch "Stille Nacht - Das Buch zum Lied", erschienen im Anton Pustet Verlag, werden zwei Strophen dieser Textfassung zitiert. Unter anderem ersetzt Adolf Hitler das "traute hochheilige Paar", wenn es heißt: "Alles schläft, einsam wacht/ Adolf Hitler für Deutschlands Geschick, Führt uns zur Größe, zum Ruhm und zum Glück, Gibt uns Deutschen die Macht."

Im 20. Jahrhundert sind mehrere Fälle von politischer Einflussnahme auf das bekannteste Weihnachtslied der Welt bekannt. "Stille Nacht, traurige Nacht, Arbeitsvolk aufgewacht!", heißt es etwa in einer sozialdemokratischen Arbeiter-Version. Hunger, Not und Elend werden hier klar thematisiert.

Auch in der NS-Zeit gab es zahlreiche Umdeutungen des Liedes, wie die Autorin Esther Gajek aufzeigt. Der christliche Text von "Stille Nacht" sei mit der braunen Ideologie nicht kompatibel gewesen. Neue Weihnachtslieder wie "Hohe Nacht der klaren Sterne" sollten fortan die NS-Propaganda in die Haushalte des Deutschen Reichs tragen.

So deutlich wie Fritz von Rabenau hat aber kein Textdichter Adolf Hitler selbst in den bekannten Text eingefügt. Durchgesetzt habe sich diese Version nicht, sagt Neureiter: "Ob das Lied in deutschsprachigen Haushalten gebräuchlich war, ist zu bezweifeln."

Bei Fritz von Rabenau stellte sich ein Gesinnungswandel ein. Der Offizier aus einem preußischen Adelsgeschlecht, der zum Zeitpunkt der Umdichtung 1934 in Diensten der NS stand, war später im Widerstand aktiv. Er starb 1945 im KZ Flossenbürg.

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