Kultur

Tobi-Reiser-Adventsingen: Lippei,steh' auf!

Zurück zum Ursprung. So könnte man es nennen. Denn auch hier geht's irgendwie ums Essen. Serviert wird gschmackige Nahrung fürs Gmiat.

Geschüttelt und gerührt. So kommt man sich in diesen Tagen mitunter vor. Denn vieles, was passiert, was Menschen zueinander oder über andere im Zorn sagen, verstört. Da nützt auch kein zweiter Glühwein. Da sind, im Sinne des Wortes, Zimt und Gewürznelken verloren! Und dann geschieht das, gänzlich ohne Glühwein: Unversehens begegnet man sich gewissermaßen selbst. Also vielmehr der eigenen Vergangenheit. Der Kindheit, den Erinnerungen. Liedern, die man selbst beim Adventsingen in der Schule oder daheim gesungen hat.

Musiker und Sänger von "ent und herent"

Davon sind ganz viele zu hören beim Tobi Reiser Adventsingen in der Großen Aula der Universität Salzburg. Vorgetragen unter anderem durch den Salzburger Dreigesang mit Elisabeth Radauer, Helene Widauer und der wunderbaren Sopranistin Christl Klappacher. Der Jodler nach "Halt still, Hiatabuama" - eine Sternstunde. Und da stehen auch (und hoffentlich noch lange!) die Walchschmied Sänger aus Oberwössen in Bayern am musikalischen Weg "zum Kindl" parat.

Die Walchschmied Sänger, das sind die Nachbarn, die so guat singen können. Der Salchegger Gerald, der Fischer Sepp, der Meier Matthias und der Meier Franz, mit ihrer wunderbaren "Patina", die das Leben auf ihre Stimmbänder gelegt hat. Da wird einem ganz anders, wenn man diesem Quartett zuhört.

Nichts ist gestelzt, nichts übertrieben

Sepp Radauer, künstlerischer Gesamtleiter und organisatorisch ein bisserl vom Schlage "höchst liebenswerter Chaot", zeichnet sich neben seiner musikalischen Qualität durch einen Wesenszug besonders aus: Er versteht es die Mitwirkenden zu beseelen. Aus dem tiefsten Innersten heraus. Denn, was da auf der Bühne passiert, ist Radauer ein großes persönliches Anliegen. Auch wenn es kitschig klingen mag, aber ein Erbe, jenes von Tobi Reiser junior weiterzutragen, ist ihm eine Art Lebensaufgabe. Das Ergebnis: Nichts ist gestelzt, nichts übertrieben. Nichts wirkt aufgesetzt. Im Gegenteil. Mit relativ bescheidenen Mitteln wird große Wirkung erzielt. Und kleine Hoppalas, die sind der sympathische Zuckerguss. Weil, merke: Kein Hirte ist perfekt.

Eine Parade echter Typen

Typen sind es vor allem auch, auf die man bei diesem Adventsingen trifft. Der knorrige Sepp Staber etwa. Sein Vater war einer der legendären Riederinger Sänger. Und jetzt, selbst frische 67 Jahre jung, gehört er zur Nachfolgegeneration der Legenden. Er gesteht in Bezug auf das Adventsingen: "Immer schon wollte ich da mitmachen. Aber ich hab mich nie getraut."

Jetzt traut er sich, der Sepp, das Greenhorn mit seinen Siebenundsechzig. Als Erzähler führt er durch das Stück. Und hat dabei einen Premieren-Kollegen. Der heißt Sebastian Reith, ist fünf Jahre alt und, als kleiner "Hiatabua", den manches Mal ganz arg die Müdigkeit plagt, der jüngste Mitwirkende des Stücks.

Ja, und da wäre noch die in Tegernsee geborene Walburg Roth als Wirtin. Geplagt vom eigenen Schicksal, redet sie jenes von Maria und Josef klein, um nur ja nicht helfen zu müssen und sich auf diese Weise selbst ein Alibi zu geben. Oder Alfred Kröll. Auch er spielt einen Wirt. Einen, der es ganz auf Karriere anlegt und deshalb keine armen Störenfriede will bei sich will. Weil die anderen Gäste, die noblen, die reichen, die könnten sich belästigt fühlen durch das Geschrei eines Neugeborenen.

"Typen" sind auch all die Herren der Alpinia, die als Perchten bzw. Tresterer gleich am Anfang dem Stück diese mystische Note geben. Begleitet vom Tobi Reiser Ensemble und den, vom "alten Reiser" arrangierten "Pinzgauer Perchtentanz."

"In einer kalten Winternacht" lautet der Titel des Tobi Reiser Adventsingens 2016. Und es schließt manche Kreise. Josef Radauer, heute der "Chef", spielte 1975 den "Lippei von entan Tauern." Diesmal ist sein Sohn Florian in dieser Rolle an der Reihe.

Und, ganz und gar nicht zuletzt, sind da die Hirtenkinder. Von überall her praktisch, aus allen Ecken "des Gais", aus allen Bezirken. Sogar ein Haggl (Hagmoar) vom Hundstein mischt sich sich unter die lustige Kinderschar. Und Sepp, der Erzähler gibt Hirten und Zuhörern eine Weisheit von Karl Heinz-Waggerl mit auf den Weg: "Der Herr kam nicht auf die Welt, damit die Menschen klüger, sondern damit sie gütiger werden."

Alle Infos und Termine unter:
www.tobi-reiser.at

Aufgerufen am 17.11.2018 um 12:26 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/tobi-reiser-adventsingen-lippei-steh-auf-831964

Schlagzeilen