Kultur

Verein "Super" sucht für die Stadt Zwischennutzer für leere Räume

Ein Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Raumsuchende und Eigentümer von leerstehenden Flächen zusammenzubringen, und so meist kulturell motivierte Zwischennutzungen zu ermöglichen - mit ersten Erfolgen. Übermorgen, Donnerstag, 12. April, können sich Interessierte ab 14 Uhr bei einem "Leerstandsspaziergang" selbst ein Bild machen.

Beispiel 1: Seit rund drei Wochen nutzt die Geigerin Ruth Kemna einen alten, leerstehenden Keller in der Schanzlgasse 14, der dem Salzburger Sebastian Wirnsberger gehört. Dort übt Kemna für ihre Master-Präsentation Mitte April, die auch Schauspiel- und Tanz-Elemente umfasst. Beispiel 2: Die vorher leerstehende Trachtenfabrik in der Roittnerstraße in Salzburg-Schallmoos wird seit Monaten für in Summe zehn Jahre vom Land in Form von Künstler-Ateliers genutzt. "Und in einer Fabrik in Schallmoos, die mittlerweile umgebaut wird, haben wir einige Projekte als Zwischennutzung hineinvermittelt - wie etwa Performances, Vorträge, Videodrehs oder Fotoshootings", nennt Elisabeth Schmirl als drittes Beispiel. Organisiert hat alle diese kulturellen Zwischennutzungen Schmirls Verein "Super".

Plattform, um Raumsuchende und Raumgeber zusammenzubringen

Diese Initiative, die seit Ende 2015 besteht, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Eigentümer von leeren Geschäftslokalen und anderen Flächen ("Raumgeber") mit jungen Kulturschaffenden und anderen Initiativen, die günstige Flächen suchen ("Raumsuchende") zusammenzubringen - vor allem über Gespräche, Beratung und Service für beide Seiten. Schmirls Erfahrung: "Ganz viele Anfrage gehen in Richtung von Ateliers, Arbeits- und Proberäumen - für tageweise Nutzung oder auch für länger." Konkretes Beispiel dafür seien etwa Studierende oder Kunstschaffende, die nach Salzburg kämen: "Die wollen hier ein Projekt realisieren und haben dafür vielleicht einen Monat Zeit - und suchen einen Raum, wo sie ihr Stück oder ihre Präsentation vorbereiten können."

Online-Seite registriert rund 130 gewerbliche Leerstände

Außerdem aktualisiert der Verein die Internetseite www.leerstandsmelder.de/salzburg, auf der sich aktuell 130 leerstehende Objekte befinden. Schmirl: "Das geht vom kleinen Kammerl bis zur großen Industriehalle." Um beide Seiten optimal ansprechen zu können, hat der Verein nun eine Broschüre gestaltet, die von beiden Seiten lesbar ist - und Tipps und Services für Raumsuchende wie Raumgeber enthält. Und auf der Homepage des Vereins sind außerdem rechtliche Ratschläge sowie Musterverträge zum Download zu finden.

Arbeit des Vereins wird auch von Stadt und Land gefördert

Einen Fürsprecher hat die Initiative auch in Stadt und Land gefunden - die beide die zeitaufwändige Vermittlungsarbeit des Vereins mit 20.000 (Stadt) bzw. 12.000 Euro (Land) unterstützen. Der für die Kulturabteilung zuständige Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) betont etwa: "Uns allen ist klar, dass Raum in der Stadt eine beschränkt verfügbare Ressource darstellt. Genauso wissen wir auch, dass brachliegende Flächen, leer stehende Räume oder zugeklebte Schaufenster das Bild einer Straße, eines Viertels negativ verändern können." Daher bewege das Thema Leerstand speziell die Kulturszene - nicht nur in Salzburg - schon lange. Auinger: "Mit der Initiative 'Super' haben wir seit zwei Jahren ein hoch professionell arbeitendes Team, das räumliche Potentiale recherchiert, zwischen Raumgebern und Raumsuchenden vermittelt und beide Seiten mit essentiellen Informationen und Beratung versorgt."

Auch Ingrid Tröger-Gordon, die Leiterin der städtischen Kulturabteilung, ist von der Arbeit der Initiative Super sehr angetan: "Aber so ein Projekt braucht eine gewisse Entwicklungszeit. Und es braucht Menschen, die die Leerstände vermitteln. Das erfordert eine besondere Vertrauensbasis gegenüber den Vermietern und Eigentümern." Denn diese hätten oft Angst, Zwischennutzer oder -mieter aus ihren Räumlichkeiten hinauszubekommen, wenn eine dauerhafte Nutzung oder ein Umbautermin feststünde, heißt es.

Betriebskosten sind oft Verhandlungsbasis für das Nutzungsentgelt

Aber wie viel Geld können sich Nutzer leisten bzw. wie viel wollen Raumgeber, die ja oft nicht unbedingt auf Einnahmen angewiesen sind, als Minimum erzielen? Schmirl: "Das ist eine Frage, die in einem Gespräch geklärt werden muss." Als Richtwert gelte aber ihrer Erfahrung nach meist ein Entgelt zwischen fünf und sieben Euro pro Quadratmeter und Monat - das also zumeist die anfallenden Betriebskosten wie Heizung, Strom und/oder Wartung und Reparaturen abdecke. Schmirl ist aber vor allem eines wichtig zu betonen: "Es geht uns darum, die Idee zu transportieren, dass es eine Zwischennutzung für leerstehende Räume gibt - und dass das eine Aufwertung für diese Flächen für die Raumgeber ist. Denn sie verfallen nicht mehr, sie werden belebt und jemand kümmert sich um sie." Und auch potenzielle Dauermieter würden so auf diese Fläche aufmerksam, sagt Schmirl: "Es gab manche Objekte, die wir vermittelt haben, wo auch der spätere Käufer vorher als Zwischennutzer drin war." Alles in allem sei eine gut gemanagte (kulturelle) Zwischennutzung also "eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten", sagt die Vereins-Chefin.

Verein Leselampe sucht noch Location für Vereinsfest im Oktober

Auch die Stadt Salzburg selbst stellt ihre Leerstände dem Verein Super zur Vermittlung zur Verfügung - wie etwa das Gebäude in der Gstättengasse 2 unmittelbar beim Gstättentor, an dem am Dienstag der Pressetermin stattfand: Es besteht aus drei Räumen, die zusammen rund 55 Quadratmeter groß sind. Verwaltet werden sie von der GSWB-Tochterfirma KgL. Schmirl: "Bis vor einem Jahr war hier ein Antiquitätenhändler eingemietet." Auch Raumsuchende kamen bei der Vorstellung des Vereins zu Wort - wie Magdalena Stieb vom Verein Leselampe: Sie sucht für die 50-Jahre-Feier des Vereins am 19. Oktober, zu der bis zu 200 Gäste erwartet werden, noch eine geeignete Location: "Sie sollte mindestens 200 Quadratmeter groß sein. Wir würden die Betriebskosten übernehmen." Mehr Infos: www.super-initiative.at


Leerstandsspaziergang soll Potenzial aufzeigen

Beim Leerstandsspaziergang "Suchen und Finden" am Donnerstag, 12. April, können Interessierte verfügbare leere Räume besuchen und exemplarische Nutzungen/Bespielungen erleben.


Start 14:00 - 15:00 Uhr: Leerstand Gstättengasse 2
IM RAUM:
Raumsuche Produktionsstätte: Christine Hemetsberger (Designobjekte)
Raumsuche Vereinslokal: Felicitas Biller / Mosaik (Lesung)
Raumsuche Jubiläumsfeier: Magdalena Stieb (Literaturhaus)
Raumsuche Präsentationsort: Rudolf Gmeinbauer / Blurred Collective (Foto)
Raumsuche Praxisraum: Günter Schnaitl (Teckno Yoga)

15:30 - 16:30 Uhr: ehemaliges Barockmuseum
Leitfaden Präsentation, SUPER
Marius Birtea, Klarinette
Buffet

17:00 - 17:30 Uhr Leerstand Linzergasse 72a
Video Zwischennutzung Fabian Schober
Videoporträt Bernhard Prack
Doris Scharfetter, Papierobjekte

18:00 Uhr Schanzlgasse 14
Vom Suchen und Finden: Ruth Kemna und Sebastian Wirnsberger im Gespräch
Zwischennutzung: Generalprobe Ruth Kemna



Quelle: SN

Aufgerufen am 18.11.2018 um 11:54 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/verein-super-sucht-fuer-die-stadt-zwischennutzer-fuer-leere-raeume-26507293

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