Kultur

Vereinsleben liegt brach,Obleute bangen um Mitglieder

Die durch Corona erzwungene Pause dauert inzwischen über ein Jahr. Die Vereine sehen Mitglieder und Know-how schwinden. Sie wollen mit der Politik über die "neue Normalität" im Sommer reden.

Die Vereine lähmt die Corona-Pause. Im Sommer 2021 wollen sie zumindest ein abgespecktes Programm fahren. SN/sw/kabö
Die Vereine lähmt die Corona-Pause. Im Sommer 2021 wollen sie zumindest ein abgespecktes Programm fahren.

In jedem anderen Jahr wären die nächsten Wochen sehr geschäftig für Hans Einberger. Der langjährige Kapellmeister der Trachtenmusikkapelle Maxglan hätte seine 48 Aktiven bis zu drei Mal die Woche zum Proben angespornt, um beim jährlichen Frühlingskonzert kurz nach Ostern zu glänzen. Dieses Jahr findet es nicht statt.

Corona macht vielen Vereinen einen dicken Strich durch die Rechnung. Und viele Obleute sorgen sich, dass ihnen über kurz oder lang ihre Mitglieder davonlaufen. "Es gibt in jedem Verein Leute, die sich mit dem Gedanken tragen auszusteigen. Corona wird da für den einen oder anderen sicher den Ausschlag geben", schätzt Einberger die Situation ein. Wenn Musiker so lange nicht proben dürfen, komme ihnen irgendwo der Vereinszweck abhanden.Einberger fürchtet außerdem ein Absinken des Niveaus. Denn auch für die 60 jungen Musiker in Ausbildung fallen die Proben derzeit flach. Einberger: "Die Bläserklasse hat sich verflüchtigt."

Vereine erarbeiten gemeinsames Papier

Ausgehend vom Blasmusikverband, erarbeiten die Vereine deshalb ein Positionspapier. Es soll als Grundlage dienen, um sich mit der Politik auf die Spielregeln für den Sommer zu einigen.

Die Uhr tickt. Auch in den Chören sind seit einem Jahr keine Proben mehr möglich. Der Lieferinger Roland Kohlbacher ist Chorleiter seit 30 Jahren, aber so etwas hat er noch nicht erlebt. Ihn beschäftigt vor allem der soziale Aspekt, auch das gemeinsame Erfolgsgefühl nach Auftritten falle durch den Corona-Stopp komplett weg. "Das ist ein Riesenproblem, denn Sänger und Musikanten sind Herdentiere", sagt Kohlbacher.

Landeschorleiter Helmut Zeilner (kleines Bild) unterrichtet am Musikum und leitet den Kammerchor KlangsCala (Bild) sowie die Salzburger Chorknaben und -mädchen SN/sw/chorverband/albert moser
Landeschorleiter Helmut Zeilner (kleines Bild) unterrichtet am Musikum und leitet den Kammerchor KlangsCala (Bild) sowie die Salzburger Chorknaben und -mädchen

In der kleineren Formation seines Salzburger Männerquintetts sei es leichter, den Kontakt zu halten. Man sei privat befreundet und gehe gemeinsam wandern. Im größeren Chor habe man eine WhatsApp-Gruppe, der aber nicht alle folgen. Wie viele der knapp 40 Mitglieder nach Corona noch zur Verfügung stehen, kann Kohlbacher noch gar nicht abschätzen. Die Befürchtung ist aber da, dass wichtige Stimmen wegfallen und der Chor damit "komplett neu aufgebaut" werden muss.

Dazu kommt: Keine Auftritte bedeuten keine Präsenz in der Öffentlichkeit. Das wirkt sich doppelt negativ aus. Auf der einen Seite bleiben die Einnahmen aus, was Chöre, die irgendwo eingemietet sind oder einen professionellen Chorleiter bestellt haben, finanziell stark belastet. Und das führt auf der anderen Seite zum Stau bei Rekrutierungen. Potenzielle neue Mitglieder sind kaum aufzutreiben.

Mitgliederzahl der Chöre in den vergangenen 20 Jahren gestiegen

Diese Lücke sieht auch Landeschorleiter Helmut Zeilner. Insgesamt überwiegt bei ihm aber der Optimismus. Der Chorverband hält seine Mitglieder mit dem "Lied der Woche" bei der Stange. Man kann sich die Noten ausdrucken und das Lied im Familienverbund lernen, um die Zeit zu überbrücken. Den Rückmeldungen nach zu schließen, sind viele froh über das Angebot. Seinen Kinderchor betreut Zeilner aktuell "im Einzelmodus" - es habe sich aber die ganze Zeit über nie jemand abgemeldet, was der Landeschorleiter als guten Indikator für die Chorszene insgesamt wertet: "Ich glaube, dass die Leute nach dieser Zeit des Chorfastens umso mehr Freude und Begeisterung an den Tag legen werden. Corona erteilt uns einen Dämpfer, aber der Trend zum Singen wird sich nicht aufhalten lassen."

Die Zahlen scheinen das zu belegen. In den vergangenen 20 Jahren (seit Bestehen des Chorverbandes) ist die Anzahl der Chöre stark gestiegen - auf mittlerweile über 400 im gesamten Bundesland, rund 80 davon in der Stadt. Zeilner: "Es gibt in Salzburg mehr Chöre als Fußballvereine und Blasmusiken."

Kein Maibaum, vielleicht aber ein Feuer

Oder Schützen. Den knapp 500 Schützen in den elf städtischen Schützenvereinen fehlen derzeit die Anlässe zum Schießen. Kontakt halten sie nur über soziale Medien. Trotzdem schätzt ihr Bezirkskommandant Gottfried Grömer die Gefahr eines Mitgliederschwunds geringer ein als etwa für die Tanzvereine und Musikkapellen.

Gelassen nimmt es auch Gertrude Wintersteller, Obfrau der Brauchtumstanzgruppe "Die lustigen Salzburger". Obwohl auch hier seit 11. März 2020 de facto "Stillstand" herrscht, hat die Frau nicht das Gefühl, dass ihr die Leute abspenstig werden. Es sei im Gegenteil sogar eher so, dass alle rausdrängen und nachfragen, wann sie endlich wieder tanzen dürfen. Das Maibaumaufstellen vor dem Heimathaus Maxglan wird nicht die erste Ausrückung sein, aber mit der Sonnwendfeier Mitte Juni könnte es etwas werden.

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