Kultur

Video: "Aufgeigt wird" beim SN-Volksmusikpreis

Volkskulturexperte Bertl Göttl präsentierte den 14. SN-Volksmusikpreis unter dem Motto "Aufgeigt wird". Von den fünf Finalisten konnte sich schließlich die Kreuzsaiten-Musi durchsetzen.

Okay. Dann einmal ganz scharf nachdenken: Sollte man Musikanten zuerst spielen und dann auf ein Tor schießen lassen? Oder sollten sie mit Ski einen Riesentorlauf fahren? Weil sich ganz im Stil der Reporterlegende Edi Finger dann am Ende sagen ließe: "I wer' narrisch!" Denn am Ende würden einfach die geschossenen Tore zählen. Oder, wer schneller im Ziel angekommen ist. Aber in diesem Fall, da liegt die Sache ganz anders.

Da geht es nicht um Sekundenbruchteile, sondern um die Bewertung von Musik. Schwierig. Haarig. Und trotzdem muss es am Ende eines Volksmusikwettbewerbs Sieger geben. Das war heuer nicht anders. Zum 14. Mal fand der Wettbewerb der "Salzburger Nachrichten" statt. Alles lief nach dem bewährten Muster. Fünf Gruppen qualifizieren sich nach einer qualitativ hoch stehenden Vorausscheidung für das Finale. Dieses fand am Donnerstagabend im vollen Saal der SN statt.

Die Geige gehört zu den bedrohten Arten "Aufgeigt wird" lautete heuer die Vorgabe. Der Geige sollte damit eine Brücke gebaut werden. Früher war sie fixer Teil im Fundus der volksmusikalischen Instrumente. Jetzt zählt sie im Biotop der Volksmusik zu den bedrohten Gattungen. Deshalb wurde die Geige heuer ins Spiel gebracht. Akzente zu setzen ist ja eine Facette des Wettbewerbs und ganz im Sinne seines Erfinders Bernhard Strobl.

Zwei Stücke freier Wahl waren zu spielen. Eine fünfköpfige Jury entschied nach einem Bewertungskatalog. Sieben Punkte waren die Höchstnote. Geachtet wurde auf Stil (musikantisch, rassig), Vermittlung (Emotionalität), Zusammenspiel und Intonation. Am Ende und nach eingehender Beratung gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Schwarz Dirndln aus dem Mühlviertel (Geige, Harfe, steirische Harmonika) und der Kreuzsaiten-Musi, einer "klassischen" Bradlmusi aus Grundlsee (zwei Geigen, Ziehharmonika, Harfe, Kontrabass). Ein einziger Punkt entschied zugunsten der Kreuzsaiten-Musi.

"Am liebsten würde ich euch ja adoptieren"Schon vorweg als Sieger durfte sich die Formation z'Viert fühlen. Hinter dem Namen stehen die Kinder der Familie Quehenberger aus Berndorf. Rudi Pietsch, Vorsitzender der Jury, wurde durchaus sentimental, als er die Vorzüge der jungen Musikanten pries: "Am liebsten würde ich euch ja adoptieren. Jeden Einzelnen. Denn da sitzt meine eigene musikalische Jugend vor mir."

Ganz hervorragend war die Klangfülle, die von der Krauthügler Aufstreich aus Salzburg aus den Instrumenten gezaubert wurde (zwei Geigen, Bassgeige, Akkordeon). Da sind Profis am Werk, durchwegs Angehörige des Mozarteumorchesters, die Volksmusik als Ventil für sonst akademisch gebremste Spielfreude einsetzen.

Denkbar knapper Sieg Sehr emotional waren der "Tagwerker Boarische" und der "Ostermiethinger" der Schwarz Dirndln. Ungewöhnliche Töne brachte das Trio Unisonus aus Salzburg mit (zwei Geigen, ein Dudelsack, Gesang). Am Ende rauchten die Geigenbögen, aber auch die Köpfe der Juroren. Der Sieg für die Kreuzsaiten-Musi aus Grundlsee fiel denkbar knapp aus. Aber ihre Musik, begründete die Jury, sei am allermeisten "in d' Fiaß gfoahn", habe am stärksten dem tänzerischen Element entsprochen.

In der Vössing Stiftung und dem Salzburger VolksLiedWerk hatten die SN bei der Ausrichtung des Wettbewerbs einmal mehr bewährte Partner. Und mit Bertl Göttl einen Moderator, den es mit diesem Witz, mit dieser Sachkenntnis und diesem Charme kein zweites Mal in Salzburg gibt. Danke dafür!

Aufgerufen am 22.10.2018 um 05:18 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/video-aufgeigt-wird-beim-sn-volksmusikpreis-3571033

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