Vom Web auf die Bühne: Die Gebrüder Moped

Am sechsten Tag des 37. MotzArt-Festivals in der Salzburger ARGEkultur präsentierte das vielseitige Kabarett- und Multimediaduo Gebrüder Moped ihr neues Buch "Heute gehört uns Österreich und morgen die Ganze Scheibe" - ein Welterklärungsversuch aus austrozentrischer Perspektive, bei dem weder auf politische Seitenhiebe noch auf Einblicke in die tiefsten Abgründe der österreichischen Seele verzichtet wird.

SN/gebrüder moped/christof wagner
Gebrüder Moped.

Wer die Gebrüder Moped kennt, wurde höchstwahrscheinlich von ihrer Spielwiese, den Internetplattformen Facebook und Twitter auf sie aufmerksam. Als Hoflieferant von multimedialen Gags und satirischen Bildmanipulationen für die Fernsehshow "Willkommen Österreich" und einigen Auftritten beim Privatsender PULS 4 sorgen sie auch immer öfter außerhalb von Social Media für lachende Gesichter. Der große Erfolg im Web und auf den TV-Screens mündete im Herbst vergangenen Jahres in ihrem zweiten Buch "Heute gehört uns Österreich und morgen die Ganze Scheibe".

Die Show zum Buch entpuppt sich als stilistischer Spagat zwischen Lesung, Multimedia-Präsentation, Musikkabarett und politischer Late-Night-Show, bei dem auch ein aktueller Lagebericht aus der österreichischen Parteienlandschaft nicht fehlen darf. Mit Anekdoten über den für Satiriker schwer hinzunehmenden Abgang vom NEOS-Klubobmann mit der "Rakete im Arsch", über das Comeback von Johannes Voggenhuber - dem "Frank Stronach der Grünen" - oder der Frage, was mit untauglichen, jedoch schon dem Beamtenstand angehörigen Polizeipferden passieren soll, weben die Gebrüder Moped auch einiges an aktuellem Zeitgeschehen in die Buchpräsentation ein.

Bei der in Buchform sehr intensiv stattfindenden Auseinandersetzung mit der österreichischen Identität sticht eine Statistik besonders ins Auge: Auf 853 Ausländer kommt nur ein einziger Österreicher! Wäre man also gezwungen, diese alle ins "heilige Land" Strömenden bei sich aufzunehmen, müsste man seinen Haushalt gleich mit 1915 Ausländern teilen. Aufgrund dieser ernstzunehmenden Bedrohungslage stimmen die Gebrüder Moped zur "Rettung des Abendlandes" an.

Die vielen statistischen Blitzlichter und humoristischen Sozialstudien, die aus dem Buch folgen, bilden zwar keinen roten Faden, stehen aber jeweils für sich. Mit Broschüren der öffentlichen Hand, die für einen gemäßigten Alkoholkonsum in der Schwangerschaft plädieren oder Parteiinstituten, die jeglichen anthropogenen Anteil an der Klimaerwärmung abstreiten, beleuchten die Gebrüder Moped auch Themen, bei denen so mancher Lacher im Hals stecken bleibt.

Als Schlussfolgerung wirft sich die Frage auf, wer eigentlich Schuld daran hat, dass das Volk Österreich alle Last der Welt stemmen muss. Für die Gebrüder Moped ist es eindeutig: "Österreich war an der Schöpfung nicht beteiligt. Wir waren das erste Opfer."

Quelle: SN
Outbrain