Warum soll Salzburg Kulturhauptstadt werden?

2024 stellt Österreich eine der beiden Kulturhauptstädte Europas. St. Pölten wird sich bewerben. Und Salzburg?

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Standpunkt Manfred Perterer

Den erfahrenen Leserinnen und Lesern sagt der Name Melina Mercouri etwas. Die einen erinnern sich an sie als Schlagersängerin ("Ein Schiff wird kommen"), die anderen als Schauspielerin ("Top kapi"). Ihre größte bleibende Leistung hat die 1994 verstorbene Griechin als Kulturministerin ihres Landes erbracht: Auf ihren Antrag hin wurde 1985 das Projekt Europas Kulturstadt beschlossen.

Anfangs handelte es sich dabei um eine Kunst-Leistungsschau, die jedes Jahr in einem anderen
EU-Land abgehalten wurde. Aus der Zeit stammt
das längst überholte, sich aber nach wie vor hart näckig haltende Image, auch das heutige Projekt
Europäische Kulturhauptstadt sei Prasserei im
Namen der Kunst, verbunden mit Luxusneubauten, für die es auf Dauer keine Verwendung gebe.

In Österreich waren Graz (2003) und Linz (2009) schon einmal Europas Kulturhauptstädte. Vor allem Graz stand noch im Zeichen von teuren Neubauten und Einrichtungen, die später dann von der Stadt verkauft oder nicht mehr richtig genutzt wurden. Linz ging die Sache vorsichtiger an und ersparte sich damit den Vorwurf, ein kulturpolitisches Millionengrab zu sein.

Im Jahr 2024 ist Österreich zum dritten Mal dran. Aussichtsreich ist die Bewerbung von St. Pölten. Die ÖVP-Landeshauptfrau und der SPÖ-Bürgermeister haben sich zum Ziel gesetzt, die biedere Landeshauptstadt ins europäische Rampenlicht zu stellen.

In Salzburg herrscht zu dem Thema Uneinigkeit. Viele freie Kulturvereinigungen würden eine Bewerbung begrüßen, etablierte Kulturanbieter sowie der Großteil der Politik wollen nicht viel davon wissen. Motto: Wir sind mit den Festspielen ohnehin eine Kulturhauptstadt und müssen dazu nicht erst
ernannt werden. Außerdem kostet das extrem viel.

An den Kritikern ist vorübergegangen, dass sich seit Graz viel geändert hat. Heute sind nicht mehr teure Neubauten gefragt, die nach dem Festival keiner mehr braucht, sondern Ideen. Es geht um die Belebung einer Stadt mit neuem Geist, es geht um die gemeinsame Entwicklung der Zukunft, es geht um Architektur, Migration, gesellschaftlichen Zu sammenhalt, neue, junge, spannende, kontrover sielle, offene Kulturprojekte.

Von alldem könnte Salzburg eine ordentliche Portion brauchen. Eine Bewerbung wäre nach langer Zeit wieder einmal eine Investition in die geistige Zukunft der Stadt. Sie lebt schon viel zu lang von
der Substanz. Sie braucht neuen Schwung.

Aufgerufen am 11.12.2017 um 10:56 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/warum-soll-salzburg-kulturhauptstadt-werden-20857996

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