Kultur

Was bringt Kultur am Land?

Darüber diskutierten kulturaffine Menschen im Kammerlanderstall in Neukirchen.

V. l.: Susanna Vötter-Dankl, Johannes Schwaninger, Georgia Winkler-Pletzer, Waltraud Moser-Schmidl, Bgm. Andreas Schweinberger, Theresia Innerhofer, Christian Vötter, Karl Hartwig Kaltner.  SN/SW/Erwin Simonitsch
V. l.: Susanna Vötter-Dankl, Johannes Schwaninger, Georgia Winkler-Pletzer, Waltraud Moser-Schmidl, Bgm. Andreas Schweinberger, Theresia Innerhofer, Christian Vötter, Karl Hartwig Kaltner.

Der Verein Tauriska legt sich für Kultur ins Zeug. Seit mehr als 30 Jahren sorgen Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter für ein umfangreiches Programm. Sie wollen auch Vermittler und Netzwerker sein - und die Politik einbeziehen, "damit sie die Kultur in den Dörfern ernst nimmt", sagte Vötter und ergänzte: "Denn es ist klar, ohne Geld kann man nicht so viel tun, es braucht Unterstützer."

Vötter ließ durchaus Kritik anklingen: In Gemeinden würden Leute über das Kulturbudget mitentscheiden, die kaum Veranstaltungen besuchten. Neukirchens Bürgermeister Andreas Schweinberger (ÖVP) sagte dazu: "Ich kann die Kritik nachvollziehen, aber eine Gemeinde hat viele Aufgaben zu erfüllen." Und er betonte: "Kultur ist etwas Wichtiges für eine intakte Gesellschaft. Wir werden sie weiterhin fördern."

Johannes Schwaninger ist Mitglied im Landeskulturbeirat und "Kulturinnovator". Er geht mit Veranstaltungen "hinaus zu den Leuten, weil es in Zell am See kein Kulturzentrum gibt". Für ihn ist Kultur ein wesentlicher Teil seines Lebens, und weil er nicht jede Woche in die Stadt Salzburg fahren will, macht er selbst Kultur. Diesen Antrieb bemerke er auch bei anderen: "Die Menschen wollen den Raum, in dem sie leben, positiv verändern."

Hochaktiv ist Theresia Innerhofer. Ihre "Kuhbilder" wurden schon in New York und Miami ausgestellt. "Das war toll, aber abspielen tut es sich für mich hier in der Region." Und wenn sich nichts tue, dann müsse man das selbst in die Hand nehmen, sagte die Biobäuerin. Deshalb gründete sie vor Kurzem den Kulturverein "KuHoBa" (Hollersbacher Kultur - zwischen Holler und Bach) mit.

Waltraud Moser-Schmidl ist Kustodin im Museum Bramberg. Highlights sind dort die Mineralien, der Volkskundeteil und Bilder von Josef Stoitzner. Sie will nun auch aktuelle Themen ins Museum bringen: " Es ist ein Haus für alle, für alle Lebensbereiche. Nächstes Jahr wollen wir etwas in Richtung Klima tun."

Für den Tennengauer Künstler Karl Hartwig Kaltner ist "sich treffen, kommunizieren, sich in die Augen schauen, Teil unserer Kultur. Aus dem heraus kann alles andere entstehen." Zutiefst bedauere er, dass man Kultur eng mit Geld verbinde. Es gehe um Leidenschaft, gegen alle Vernunft hinweg. Doch für die Akzeptanz des Unvernünftigen sei der Raum eng geworden. Und oft werde Hochkultur gegen die ländliche Kultur ausgespielt - "Ein Blödsinn. Denn wo entsteht Kultur? Im unmittelbaren Umfeld. Nicht in Konzerthäusern. Dort wird sie vermarktet."

Christian Vötter merkte bedauernd an, dass es in der EU kein Ressort Kultur mehr gebe. "Man spricht von Kreativwirtschaft, das wird gefährlich. Hat Kultur nur eine Chance, wenn man sie mit Wirtschaft verbindet?" Schwaninger sagte, der Begriff habe auch sein Gutes. "Man will damit ausdrücken, dass Kultur nicht nur Privatvergnügen ist, sondern auch Wertschöpfung und Wohlstand erzeugt." Eine Gefahr sehe er in der Verkürzung der Kultur auf die Leidenschaft. "Sie ist die Basis, aber wenn man die Kultur auf Leidenschaft reduziert, dann nimmt man es in den privaten Bereich und dann zieht sich die öffentliche Hand bei Förderungen heraus."

Expertin für Förderungen ist Georgia Winkler-Pletzer von der Leader-Region Hohe Tauern. Sie sagte: "Wir können viel unterstützen. Am nachhaltigsten sind Kulturprojekte. Solche, die Seele und Herz berühren. Stolz bin ich auf das Projekt 'Volkskultur macht Schule'." Sie merkte auch an: "Wir haben tolle Leute in der Region, die zu wenig geschätzt werden, sie müssen wir unterstützen." Susanna Vötter-Dankl resümierte: "Vielleicht entstehen durch solche Treffen neue Kooperationen, neue Ideen." Einig waren sich in einem Punkt alle - die Kultur bringt was. Weitere Treffen sollen folgen.

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