Kultur

Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik

Das Salzburger Winterfest setzt wieder den Kontrapunkt zum alpenländischen Advent.



Ja, es ist wieder da, das Winterfest im Salzburger Volksgarten. Die bunten Lichtergirlanden weisen den Weg wie eh und je. Die Zeltstadt ist wieder aufgebaut, mit einem großen, mit kleineren und auch wieder dem nostalgischen Spiegelzelt. Bis 6. Jänner ist der "neue Circus" wieder in der Stadt, wie er seit 13 Jahren den Kontrapunkt zum heimisch-alpenländischen Advent-Event setzt: artistisch, poetisch, zauberhaft und nachdenklich.

Nur er ist nicht mehr da, der Motor, das Herz, die Seele "seines" Unternehmens. Georg Daxner, der Erfinder, der Visionär, wie er in allen Reden zur Eröffnung am Dienstag gern genannt wurde, der "Narr" (im Sinne des Shakespeare'schen "Fool"), verunglückte vor wenigen Wochen tödlich. Den Schock darüber hat man beiseitegeschoben. Seine Frau arbeitet mit vollem Einsatz, die interimistische Geschäftsführerin greift tatkräftig ein, das Team weiß: Dieses Winterfest wird leben - im Sinne seines Erfinders, anmutig, heiter, mit jener Art von Grandezza und bezwingender Persönlichkeit, wie sie das Unternehmen seit 2001 auszeichnet.

Die Helfer sind da, die Sponsoren und Freunde, die Politik von Stadt und Land, die am Premierenabend neuerlich geschlossen ein Bekenntnis zur Zukunft ablegte - sichtbar mit der posthumen (aber noch zu Lebzeiten des Trägers beschlossenen) Verleihung des Salzburgpreises des Kulturfonds der Stadt. Georg Daxner hätte, sagte seine Frau zum Dank, wohl gesagt: Sie kommen zwar etwas spät drauf, aber jetzt haben sie es begriffen - was dieses Winterfest wert ist.

Vorläufig ist die Zukunft einmal lebhafte Gegenwart. Das Programm dieses Jahres trägt die Handschrift des Impresarios. Es wird mit vier Produktionen und einem bunten Veranstaltungsreigen im Spiegelzelt so stattfinden wie erdacht. Und deswegen konnte es auch nach Kräften heiter und gelassen so losgehen, wie es losgegangen ist.

Die Compagnie Akoreacro war schon vor vier Jahren in Salzburg zu Gast. Jetzt hat sie ihre neue Produktion mitgebracht, "Klaxon" heißt sie, was so viel wie "Hupe" bedeutet, auch wenn man nicht genau begreifen muss, warum das für die hinreißend abwechslungsreichen 75 Minuten von Bedeutung ist.

Im ganz klassischen Manegenrund kann sich das Publikum fallen lassen in eine gleichzeitig rasante und eigensinnig poetische Welt aus Spiel, Artistik und Musik. Man kann diese Bereiche nicht aufdröseln. Sie spielen auf wunderbare Art zusammen vom anarchisch-chaotischen Beginn an, wo sich die sechs Artisten und fünf Musiker improvisatorisch warmspielen.

Dann formieren sie sich, unter einem sich aufspielenden "Zirkusdirektor", der Russe ist und Kontrabass und Cello spielt, sehr oft "dawai, dawai" ruft und mit diesem "Los! Los!" auch Anweisungen gibt, die ein kleiner Spanier dann noch weitaus ausschmückender ins Spanische übersetzt. Der kauzige Wort-Spaß hat Methode: Gracias.

Aus dem Gequassel und Gewusel kristallisieren sich klassische Nummern heraus: Hand- und Schleuderakrobatik, Trapezakte, frappierende Kunststücke mit dem Cyr-Rad, Jonglagen. Jedem dieser Geräte und seinen Artisten ist ein mitspielendes Instrument zugeordnet: Saxofon, Geige, Akkordeon, Cello oder ein Klavier, das auf Gummirädern erstaunliche Turngerät-Beweglichkeit erhält. Dass der Pianist darauf auch noch in High-Speed-Kreiseln wirklich Musik macht - bis hin zu Bach - ist nicht nur verblüffend, sondern gehört zum dramaturgischen Konzept.

Dieses ist darauf bedacht, Grenzen auszuhebeln. Als die flotte, mit viel Humor und augenzwinkerndem Slapstick unterfütterte, immer wieder aber auch zu stilleren Momenten findende Performance schließlich in einem lebenden Bild endet: mit einem Musiker meterhoch schwebend über dem Boden und dem gekippten Klavier, auf dem der Pianist immer noch und in misslichster Lage Klänge produziert, weiß man nicht recht, was da akrobatischer, was musikalischer gewesen ist. Die Akrobaten folgen einer choreografisch ertüftelten Bewegungssprache, betten darin ihre Kunststücke ein, und die Musiker spielen jederzeit so, dass sie auch als Akrobaten gelten können.

Herrlich ist, wie leicht das alles wirkt, wie locker geschleudert, gehüpft, gesprungen, gedreht und doch straff und fest gefügt. Jeder der multinationalen Spieler - von der federleichten Claire Aldaya bis zum baumlang-bärenstarken Initiator der Truppe, Basile Narcy - ist eine ganz eigene Type, besser: ein unverwechselbarer Charakter.

Und alle zusammen machen einfach sehr gute, sehr wirksame, sehr sympathische, aber nie oberflächliche Unterhaltung. So etwas hat Georg Daxner gefallen. So etwas gefällt dem Publikum, das jubelte. So sollte es, wenn möglich, weitergehen.

Nächste Premiere am Freitag: Cirque Trottola: Matamore.

Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/andreas kolarik
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Evelyn Daxner mit den Artisten.
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Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Soziallandesrat Heinrich Schellhorn.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Martha und Karl Merkatz.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/Andreas Kolarik
Martha Merkatz, SN-Gesellschafterin Trude Kaindl-Hönig, Evelyn Daxner und Karl Merkatz.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Große Premiere für das Winterfest 2014.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.
Winterfest 2014: Diese Artisten stecken voller Musik SN/wildbild
Auf dem Programm stand Cie Akoreacro mit „Klaxon“.

Aufgerufen am 19.02.2018 um 08:53 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/winterfest-2014-diese-artisten-stecken-voller-musik-2969434

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