Landtagswahl in Salzburg Zum Wahlschwerpunkt ...
Landtagswahl 2018

Niemand kennt das Land Salzburg so gut wie die Statistik

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast? Warum man diesen Spruch mit dem Chefstatistiker des Landes besprechen sollte.

Gernot Filipp leitet die Landesstatistik und wird das Wahlergebnis als einer der Ersten sehen. Mithilfe eines mathematischen Modells, der „quadratischen Optimierung“, werden dann auch die wahrscheinlichsten Wählerströme berechnet.  SN/Christian Sprenger
Gernot Filipp leitet die Landesstatistik und wird das Wahlergebnis als einer der Ersten sehen. Mithilfe eines mathematischen Modells, der „quadratischen Optimierung“, werden dann auch die wahrscheinlichsten Wählerströme berechnet.

Gernot Filipp sieht nicht aus wie der durchschnittliche Salzburger. Der Leiter der Landesstatistik stammt aus Oberösterreich, ist 52, Nichtraucher, normalgewichtig und hat mehr Kinder als der Schnitt. Und sie heißen nicht Anna oder Lukas - das sind nämlich die beliebtesten Vornamen für Babys.

Aus einem riesigen Pulk an Daten liefert die Landesstatistik mit elf Mitarbeitern nahezu alles, was man wissen will - vom durchschnittlichen Bierkonsum bis zur beliebtesten Automarke. Der Job sei "nicht mehr nur Erbsenzählen", sagt Filipp. "Es geht darum, aus Daten Informationen zu erzeugen, die einen Mehrwert liefern. Und damit auch eine Entscheidungsgrundlage für die Politik." Und so erstellt die Statistik anhand von Wahrscheinlichkeitsrechnungen auch Prognosen, zum Beispiel darüber, wie viele über 65-Jährige es im Jahr 2057 geben wird, nämlich vermutlich 164.632.

Zahlen lügen nie? "Das würde ich so sagen", meint Filipp, um nachzulegen: "Den Satz, ,Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast', höre ich am Tag drei bis fünf Mal." Und stimme so keineswegs. "Die Statistik ist die eine Sache, die Interpretation eine andere. Beim Thema Arbeitslosigkeit sieht der eine bei 5,4 Prozent den österreichweit niedrigsten Wert, der andere findet, wir waren schon mal besser. Die harte Zahl lautet aber 5,4 Prozent." Die Statistik weiß sogar, wie alt die Salzburger werden, die jetzt geboren werden. Männer haben im Schnitt eine Lebenserwartung von 80,2 Jahren, Frauen 84,6 Jahre. Raucher sterben statistisch gesehen früher. Filipp denkt sich immer, wenn er einen Raucher sieht: "Eigentlich müsste ich es ihm sagen."

Am 22. April wird die Landesstatistik als Erste wissen, wie die Wahl ausgegangen ist, wie viele Nichtwähler von 2013 jetzt die FPÖ gewählt haben oder wie viele Grün-Wähler zur SPÖ abgewandert sind. Dahinter steht ein mathematisches Modell, das in allen Sprengeln in 119 Gemeinden durchspielt, welche die wahrscheinlichste Variante ist, die zu diesem Wahlergebnis führte. Was es den Statistikern leichter macht, ist der Umstand, dass sich die Menschen in allen Gemeinden ähnlich verhalten. "Darum gibt's auch solche Analysen."

Der durchschnittliche Salzburger . . .

… Säugling wiegt 3310 Gramm und misst 51 Zentimeter, hat zu 57 Prozent verheiratete Eltern, die das auch zu 83 Prozent nach 18 Jahren noch sind, hat eine 57,6 Jahre alte Oma, kommt per Spontangeburt
(70 Prozent) und am liebsten im Juli und an einem Dienstag zur Welt.

Das durchschnittliche Salzburger Schulkind sitzt mit 17 anderen Kindern in einer Klasse. Der durchschnittliche Salzburger Student schließt mit 28 ein Studium der Geistes- oder Naturwissenschaften an einer öffentlichen Uni ab.

Der durchschnittliche Salzburger bekommt mit 29 das erste Kind, heiratet mit 31 das erste Mal, lässt sich zu 37 Prozent nach durchschnittlich zwölf Jahren scheiden, raucht zu 28 Prozent, ist zu 54 Prozent normalgewichtig, pendelt 24 Kilometer in die Arbeit, wohnt zu 60 Prozent im Eigentum, verfügt über 42,4 m2 Wohnraum, hat im Haushalt 1,3 Pkw, lebt in einer Gemeinde mit 1329 Euro Schulden pro Person und geht mit 62 in Pension.

Aufgerufen am 14.12.2018 um 02:26 auf https://www.sn.at/salzburg/landtagswahl-2018/niemand-kennt-das-land-salzburg-so-gut-wie-die-statistik-26638801

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