Leben

Erfolgs-Regisseur Adrian Goiginger verfilmt Schicksal seines Pinzgauer Urgroßvaters

Der Salzburger Filmemacher Adrian Goiginger arbeitet auf Hochtouren an dem Film über seinen Saalfeldner Urgroßvater.

In "Die beste aller Welten" verarbeitete der junge Salzburger Regisseur Adrian Goiginger seine Kindheit im Drogenmilieu der Stadt und feierte damit einen riesigen Erfolg. Auch sein zweiter Film hat eine autobiografische Grundlage. In dem Film mit dem Arbeitstitel "Der Fuchs" geht es um das Leben von Goigingers Saalfeldner Urgroßvater Franz Streitberger in der Zwischenkriegszeit.

Seit über einem Jahr arbeitet Goiginger an dem Film. Zunächst ging es vor allem darum, sieben Millionen Euro Budget aufzustellen. "Es gibt einen Förderplan, der acht oder neun Förderstellen in drei Ländern enthält", sagt Goiginger. "Bis jetzt haben wir alle Förderungen erhalten. Es sieht sehr gut aus und wir gehen davon aus, dass wir im Frühling 2020 mit den Dreharbeiten beginnen." Weil Teile der Handlung in Nordrhein-Westfalen, Belgien und Frankreich spielten, gibt es neben österreichischen auch deutsche und belgische Fördergelder.

Der Titel hat mit einem Erlebnis von Franz Streitberger im Zweiten Weltkrieg zu tun. Der Pinzgauer hat den Krieg ganz mitgemacht und war unter anderem in Frankreich, Italien, Griechenland, Russland und Nordafrika. "In Jugoslawien ist ihm ein Fuchswelpe zugelaufen", erzählt Goiginger. "Franz war Kraftfahrer und hat das Tier durch halb Europa mitgenommen, im Beiwagerl der Maschine und im Auto. In Frankreich hat dann ein anderer Soldat das Tier erschossen." Das habe ihm das Herz gebrochen, so der Regisseur. "Noch 70 Jahre später hat er geweint, wenn er davon erzählt hat."

Streitberger hat Goiginger viel erzählt. Der Urenkel fuhr ab dem Alter von zwölf regelmäßig zu ihm nach Saalfelden, wo dieser im Seniorenhaus Farmach lebte und 2017 mit 99 Jahren starb. Goiginger ließ sich erzählen, nahm alles auf und sagte zu Franz, er werde einen Film daraus machen.

Neben den Erzählungen seines Urgroßvaters stützt sich Goiginger auf Quellen über das Leben in der Zwischenkriegszeit. "Ich habe die Salzburger Altersheime angeschrieben, um Zeitzeugen zu finden, und dann unter anderem in Farmach, Rauris und Salzburg Interviews geführt. Der älteste Zeitzeuge war 102." Die Kustodin des Saalfeldner Heimatmuseums, Andrea Dillinger, zeigte Goiginger viele Unterlagen, darunter Fotos und die alten Gemeinderatsprotokolle von Saalfelden. Daraus könne man sehr viel herauslesen. Es herrschte bittere Armut, auch in der Familie von Franz, der acht Geschwister hatte. Mit sechs oder sieben Jahren gaben seine Eltern ihn zu einem Bauern, weil sie die Kinder nicht ernähren konnten.

Das Drehbuch hat Goiginger fast fertig. Erzählt wird die Zeit von 1927 bis 1941 mit einem kurzen Ausblick auf die Nachkriegszeit. Die Salzburgerin Verena Altenberger, die in "Die beste aller Welten" Adrians heroinsüchtige Mutter gespielt hat, wird in "Der Fuchs" die Mutter von Franz spielen. Karl Markovics spielt ihren Mann und die Hauptrolle Simon Morzé, der 2018 Hauptdarsteller in "Der Trafikant" war und dabei auf Bruno Ganz traf.

Dass erst 2020 gedreht wird, hat auch den Grund, dass die Schauspieler erst den alten Pinzgauer Dialekt lernen müssen, der aber kaum noch gesprochen wird. Goiginger wurde auf einem abgelegenen Hof in Taxenbach fündig, wo sich eine Frau (60) und ihre Mutter (85) den Dialekt bewahrt haben. Morzé soll dort bei Kost und Logis drei Monate leben, sich den Dialekt aneignen und die Arbeiten auf dem Hof kennenlernen. Die Dreharbeiten beginnen wohl in Nordrhein-Westfalen oder Frankreich. Wo er die Saalfeldner Szenen dreht, weiß Goiginger noch nicht. "Infrage kommen Orte in Ost- und Südtirol, aber auch Salzburg. "Es wäre schön, an Originalschauplätzen zu drehen. Aber Saalfelden hat sich stark verändert."

Aufgerufen am 30.10.2020 um 05:40 auf https://www.sn.at/salzburg/leben/erfolgs-regisseur-adrian-goiginger-verfilmt-schicksal-seines-pinzgauer-urgrossvaters-68796004

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