Leben

Nur ein Drittel der Salzburger Schüler hält Mathe für wichtig

Lernen, wiedergeben, vergessen. Nach diesem Schema lernen laut dem Ergebnis einer Umfrage zwei Drittel der Schüler in Salzburg. Ein Nachhilfeinstitut ließ 390 Jugendliche befragen.

Symbolbild SN/marco riebler
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Den Lernstoff in kurzer Zeit hineinstopfen, bei der Prüfung oder der Schularbeit "auskotzen" und dann wieder vergessen. Dieses "Bulimie-Lernen" sei in Salzburg nach Einschätzung der Schüler besonders stark verbreitet, besonders in der Oberstufe, konstatiert der Geschäftsführer des österreichischen Nachhilfeinstituts LernQuadrat, Konrad Zimmermann. Er präsentierte heute das Ergebnis einer von ihm beauftragten Umfrage unter Salzburger Schülern zu den Themen Lernen und Schule. Befragt wurden 390 Schüler im Alter zwischen zehn und 18 Jahren. An der Umfrage hätten auch Schüler teilgenommen, die keine Nachhilfe bekommen, betont Zimmermann. Er hat früher als Chemiker gearbeitet und unterrichtete zehn Jahre lang Chemie an einer HTL.

66 Prozent gaben an, das Gelernte nach der Prüfung "oft" oder "sehr oft" gleich wieder zu vergessen. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern sei das ein sehr hoher Wert, sagt Zimmermann und verweist auf eine Befragung, die das Institut vor zwei Jahren in ganz Österreich durchführen ließ. Damals hatte knapp die Hälfte der befragten Schüler angegeben, das Gelernte gleich wieder zu vergessen. Mädchen würden deutlich stärker zum Bulimie-Lernen neigen als Burschen.

Mathematik schneidet besonders schlecht ab

Englisch ist das einzige Fach, das Salzburgs Schüler wirklich wichtig für ihr weiteres Leben erachten (83,6 Prozent). Weit abgeschlagen folgen Deutsch (37 Prozent), Mathematik (34 Prozent), Geschichte (16,9 Prozent), Biologie (15,3 Prozent) und Geografie (14,6 Prozent). "Zwei Drittel der Schüler haben also Mathematik abgewählt, das ist der schlechteste Wert in allen Bundesländern", sagt Zimmermann. In der österreichweiten Umfrage hätten 63 Prozent der befragten Schüler Mathematik als wichtig für ihr weiteres Leben erachtet. Zimmermann hält den Salzburger Wert für ein "Drama". Österreich brauche kreative Arbeitskräfte für die Industrie. "Da gehören Mathematik, Physik und Chemie unbedingt dazu."
Für am verzichtbarsten halten die Schüler Chemie, Physik, Sport, Mathematik, Bildnerische Erziehung, Latein, Geschichte und Geografie.

Als wünschenswerte zusätzliche Schulfächer nannten die Jugendlichen hingegen Haushalt und Kochen, Alltagskunde (Vorbereitung auf das wirkliche Leben), Politik, Wirtschaft und Recht. Zimmermann: "Viele Schüler können zwar Ovid zitieren, aber wie man einen Versicherungsvertrag ausfüllt, wissen sie nicht."

Gelernt wird kaum aus Interesse

Gelernt wird meist pragmatisch und der Noten wegen. Wie lange und ausführlich gelernt wird, hängt in erster Linie von der Anzahl der angesetzten Prüfungen ab. 40 Prozent orientieren sich insbesondere daran, wie viel nötig ist, um keine negative Benotung zu bekommen.

Nur 18,2 Prozent der Schüler lernen, weil ihnen der Lerninhalt wichtig erscheint. "Das ist schlechter als ein Nicht Genügend für die Schule. Mein Urteil lautet: "Thema verfehlt", sagt Zimmermann. Besonders großen Stress mache den Salzburger Schülern der Zeitdruck und Terminkollisionen.

Nach dem Leistungsdruck befragt, antworteten knapp 60 Prozent, sie würden sich selbst starken oder sehr starken Druck machen. 36 Prozent verspüren Druck von den Lehrern, 22 Prozent von den Eltern. Bleibt der Schulerfolg aus, rechnet jedoch ein Viertel der Befragten mit Konsequenzen durch die Eltern.

Durchschnittlich 66 Mal pro Schuljahr und damit etwa an jedem dritten Schultag werden die Leistungen der Schüler in Salzburg nach deren eigenen Angaben überprüft. "Bei diesem Prüfungs-Stakkato bleibt kaum Zeit für nachhaltiges Lernen", meint Zimmermann.

Durchschnittliches Zeugnis

Alles in allem vergeben die befragten Schüler dem Schulsystem ein Befriedigend (3,2). "Das ist der schlechteste Wert in Österreich", sagt Zimmermann. Für die Einteilung der Prüfungstermine vergaben die Schüler die Note 3,1. Auch die Räumlichkeiten der Schule (3,0) kommen in Salzburg schlechter weg als im Rest von Österreich. Etwas zufriedener sind die Schüler mit den Lehrinhalten (2,6), der Unterrichtsfrom (2,7) und mit den Lehrkräften (2,8).

Humor im Unterricht hilft

Nachhaltiger sei Unterricht wenn es gelinge, Perspektiven für die spätere Nutzung des Lernstoffes zu geben, meint Zimmermann. "Hier könnte sich Österreich ein Beispiel an Schulen im anglikanischen Raum nehmen." Es müsse gelingen, Interesse zu wecken und Lebensnähe zu vermitteln. "Es muss in die Köpf ehinein, dass Schule mit Leben zu tun hat." Außerdem gelte es Humor in den Unterricht einzubringen, in Kleingruppen zu unterrichten und wissenschaftlich erprobte Lerntechniken zu vermitteln. Ein Lehrer, der eine Klasse in Kleingruppen unterrichte, brauche allerdings zehn bis 15 Stunden Vorbereitung.

LernQuadrat betreibt 80 Institute in ganz Österreich und möchte auf 100 wachsen. Zwei Institute sind in der Stadt Salzburg, eines in St. Johann im Pongau. Der Jahresumsatz beträgt elf Millionen Euro.

Insgesamt geben Eltern pro Jahr für Nachhilfe 100 bis 140 Millionen Euro aus. Der Großteil der Nachhilfe wird "schwarz" erteilt.

Mit Abstand am häufigsten nehmen Schüler Nachhilfe in Mathematik, gefolgt von Englisch. Diese beiden Fächer machen rund 80 Prozent der erteilten Nachhilfestunden bei LernQuadrat aus. Mit der Einführung der Zentralmatura sei die Nachfrage nach Mathematik massiv gestiegen, sagt Zimmermann.

Der Grundstein dafür, was man später im Leben beruflich machen werde, werde übrigens nicht in der Schule gelegt, sondern zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr.

Quelle: SN

Aufgerufen am 28.10.2020 um 01:05 auf https://www.sn.at/salzburg/leben/nur-ein-drittel-der-salzburger-schueler-haelt-mathe-fuer-wichtig-68194834

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