Leben

Schlanke Beine auf der Leinwand kann man in einem Salzburger Kino jetzt auch hören

Im"Das Kino" stehen erstmals in Salzburg Kinofilme am Programm, die mittels App das Geschehen für Blinde und Sehbehinderte beschreiben.

"Schlanke Beine treten ein", schildert die Stimme der Bildbeschreiberin, als sich hübsche Frauenbeine durch eine geöffnete Tür bewegen. Und dann, als das Bild auf der Leinwand auf die Noch-Freundin von Filmprotagonist Oliver schwenkt: "Es ist Cosima."

Für Markus Grünwald ist es das erste Mal seit 20, vielleicht sogar seit 25 Jahren, dass er ins Kino geht. Am Programm steht das deutsche Roadmovie "Die Goldfische" von Regisseur Alireza Golafshan. Markus Grünwald ist sehbehindert, sieht nur Umrisse, aber keine Details. So wie sein Sitznachbar Markus Feldbacher hat er sich vor Beginn des Films die kostenlose App "Greta" auf sein Smartphone heruntergeladen. Beim Filmstart drückt er auf "Start". Die App liefert die Audiodeskription und beschreibt damit alles, was abseits der Filmdialoge passiert. Der Ton läuft über die am Handy angeschlossenen Kopfhörer - auch die Filmdialoge werden über die App wiedergegeben.

Bringt die App Menschen mit Sehbeeinträchtigungen uneingeschränktes Kinoerlebnis? "Ein Kinobesuch wird damit nicht nur wieder möglich, das Angebot hat auch einen sozialen Effekt. Wenn jetzt mein Freundeskreis ins Kino geht, kann ich mitgehen - und danach auch mitreden", schildert Markus Feldbacher. Und: Angenehm sei auch, dass nicht in die Dialoge hineingesprochen werde. "Ich bin überrascht", ergänzt Markus Grünwald. Der Kinobesuch werde damit definitiv wieder zu einem Erlebnis. Während bei älteren Filmen mehr gesprochen worden sei, würden neue Filme mit weniger Dialogen auskommen. Das mache es für Sehbehinderte besonders schwierig, dem Inhalt zu folgen, erklärt Josef Schinwald. Er ist der Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbands Salzburg und hat "Das Kino"-Geschäftsführerin Renate Wurm den Anstoß für das inklusive Kinoangebot gegeben. In ihrem Kino wird Barrierefreiheit großgeschrieben. Eine Induktionsschleife und die App "Starks" ermöglichen auch Hörbehinderten den Kinobesuch. Mittlerweile sei auch die Filmauswahl gestiegen. Im Juni steht neben "Die Goldfische" auch Jim Jarmuschs neuer Film "The Dead don't die" mit Audiodeskription am Programm.

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