Nationalpark ohne Menschen? Er wäre absurd

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Nachrichten aus Salzburg Heinz Bayer

"Auf dich sind wir stolz!"
So lautet die zentrale Botschaft. Und zwar jene, die für den Nationalpark Hohe Tauern gilt.

Es gibt auch allen Grund, stolz auf ihn zu sein. Mit
1856 Quadratkilometern ist er eines der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete Europas. Verteilt auf Kärnten (440 km2), Tirol (611 km2) und Salzburg (805 km2).

Damals, in den 1970er- und 1980er-Jahren, als diese Schutzzone Form annahm, war die Gier der Energiewirtschaft unersättlich. Ganze Talschaften sollten trockengelegt, Wasserfälle in Rohre gezwängt und unberührte Natur zubetoniert werden. Es war eine große Leistung, dass dieser Nationalpark zustande kam. Ein Gemeinschaftswerk vieler engagierter Bürger - und der Politik. Nie war es Intention, eine alpine Arena reiner Wildnis entstehen zu lassen. Die Region, die den Nationalpark ausmacht, wurde ja auch über Generationen von Menschen mitgeformt.

In so einem Nationalpark wachsen freilich nicht nur Schwammerl, Tannen und das schöne Edelweiß. Auch Konflikte finden prächtigen Humus.
Im Spannungsfeld zwischen "schützen und nützen".

So ein Konflikt brach im Salzburger Anteil auf. Am Fuße des Großvenedigers. Dort soll ein "Wildnisgebiet" entstehen. Mit sehr strengen Auflagen. "Vom Verbot ausgenommen sind lediglich die herkömmlichen Formen des Wanderns und Bergsteigens auf den hierfür bestehenden, markierten bzw. ausgewiesenen Wegen und Steigen sowie die Ausübung des Tourenskilaufs", steht in einem Vorentwurf. Alpinisten und Mineraliensammler fürchten um die Freiheit des Wegerechts.

Die Behörde kontert, daran sei nicht gedacht. Was hilft? Reden und nachjustieren, denn der Nationalpark Hohe Tauern steht nicht nur für die Natur und ihren Schutz. Er steht auch für einen Ausgleich der Interessen. Der darf sich nicht hinter kryptischen Verordnungen verstecken. Oder von Emotionen gesteuert sein.

Er steht für ein Miteinander. Er steht vor allem auch dafür, dass hier Platz für Menschen ist, um Natur in ihrer allerschönsten Form zu erleben.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 11:04 auf https://www.sn.at/salzburg/nationalpark-ohne-menschen-er-waere-absurd-360610

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