Salzburg

Österreicher bewegen die Welt

In dieser Woche wurde der Nobelpreis für Physik, Chemie und Medizin vergeben. Österreich hatte schon einige Preisträger. Doch was hat das mit einer Katze zu tun?

Österreicher bewegen die Welt SN/APA/dpa
Diese Medaille ist das Ziel jedes Wissenschafters.

Ein Mal auf der Bühne stehen und die kleine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel in den Händen halten. Das ist der Traum eines jeden Wissenschafters. Das zu erreichen ist freilich nicht einfach: Die Entdeckung muss genial sein - und vor den Kollegen in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert werden. Zudem wird der Nobelpreis nur an Forscher vergeben, die noch am Leben sind.

In Österreich haben das schon manche geschafft. In den Bereichen Physik, Chemie und Medizin hat die Republik einige großartige Köpfe vorzuweisen. Von kosmischer Strahlung über Blutgruppen, Malaria bis zu Honigbienen: Hier kommen die Vorbilder der jungen Wissenschafterinnen und Wissenschafter.

Robert Bárány erhielt als erster Österreicher 1914 den Nobelpreis. Der Mediziner beschäftigte sich mit dem Innenohr. Er hatte an der Uni Wien studiert. Die Medaille musste Bárány jedoch nachgereicht werden: Der Wissenschafter war gerade in russischer Kriegsgefangenschaft, als er ausgezeichnet wurde. Während seiner Gefangenschaft hat er übrigens seine Studien über den Gehörgang ausgeweitet.

Fritz Pregl ist ebenfalls Mediziner. Er hat in Graz studiert und dort ein Labor eingerichtet: Pregl hat eine Möglichkeit gefunden, mit der selbst geringe Mengen einer Substanz analysiert werden konnten. Durch seine Methode war nur mehr ein Fünfzigstel der Stoffwechselprodukte für die Diagnose nötig. 1923 erhielt er dafür den Nobelpreis.

Richard Zsigmondy ist der erste Chemiker in der Runde der österreichischen Nobelpreisträger. Er studierte an der Technischen Hochschule in Wien. Zsigmondy machte winzige Teile sichtbar: Durch sein Ultramikroskop konnten Forscher Partikel mit einer Größe von einem Millionstel Millimeter erkennen. 1925 zeichnete ihn das Nobelkomitee aus.

Julius Wagner-Jauregg war Psychiater. 1927 erhielt er aber den Nobelpreis für Medizin: Der Forscher erkannte die Wirkung einer Malariatherapie bei Patienten, die aufgrund von Syphilis Lähmungserscheinungen hatten. Die Therapie wurde bis zum Aufkommen von Antibiotika praktiziert.

Karl Landsteiner entdeckte um 1900, dass das Blut zweier Menschen oft verklumpte, wenn man es vermischte. Der Mediziner setzte seine Forschung fort - und entdeckte die Blutgruppen. 1930 erhielt er dafür den Nobelpreis.

Erwin Schrödinger kennt man vermutlich noch vom 1000-Schilling-Schein. 1933 erhielt er den Nobelpreis für seine Arbeit in der Quantenmechanik. Zu verdanken hat er das einer Katze, die ihn zu einem Gedankenexperiment verleitete. Wenn man die Katze mit einer tödlichen Dosis Gift und einem radioaktiven Präparat in eine Kiste einsperrt, kann man bis zum Öffnen der Kiste nicht feststellen, ob das Tier lebt oder tot ist. Die Katze ist also gleichzeitig tot und lebendig.

Victor Franz Hess fuhr gern mit Heißluftballonen über die Landschaft. 1912 entdeckte er dabei die kosmische Strahlung: eine Teilchenstrahlung, die von der Sonne, der Milchstraße und fernen Galaxien kommt. 1936 erhielt Hess dafür den Nobelpreis.

Wolfgang Pauli war ein mathematisches Wunderkind. Bereits zur Matura veröffentlichte er seine erste Arbeit zur Relativitätstheorie. Bekannt ist er aber durch das Pauli-Prinzip. Der Wissenschafter erklärte dabei den quantentheoretischen Aufbau des Atoms. 1945 ehrte ihn das Nobelkomitee.

Max Ferdinand Perutz war Chemiker und studierte an der Uni Wien. Wegen seiner jüdischen Herkunft flüchtete Perutz vor den Nazis zuerst nach England, dann nach Kanada. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er am Projekt Habbakuk, das den Bau einer Flugzeugplattform im Atlantik zum Ziel hatte. Den Nobelpreis bekam er 1962 jedoch für die röntgenographischen Strukturuntersuchungen von Proteinen.

Konrad Lorenz und Karl von Frisch waren Zoologen. Während Lorenz gern Graugänsen zusah, beschäftigte sich von Frisch mit Honigbienen. 1973 wurden sie gemeinsam für ihre Forschungen zu individuellen und sozialen Verhaltensmustern mit dem Nobelpreis der Medizin ausgezeichnet.

Walter Kohn floh vor den Nationalsozialisten nach Kanada. 1998 erhielt Kohn den Nobelpreis für Chemie. Seine Dichtefunktionaltheorie hilft dabei, grundlegende Eigenschaften von Molekülen und Festkörpern zu berechnen.

Eric Kandel stocherte jahrelang in den Gehirnen von Wirbeltieren herum. Er suchte nach einer Möglichkeit, die elektrische Aktivität der Neuronen in den Gehirnen aufzuzeichnen. Seine Bemühungen waren erfolgreich: 2000 erhielt er den Nobelpreis für seine Entdeckungen im Bereich der Signalübertragung im Nervensystem.

Martin Karplus ist der jüngste Nobelpreisträger österreichischer Herkunft. Karplus lebt in den USA. Der geborene Wiener war passionierter Fotograf, Landschaft und Straßenszenen hielt er fest. 2013 erhielt er jedoch den Nobelpreis für Chemie für die Entwicklung von Multiskalenmodellen für komplexe chemische Systeme.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 04:43 auf https://www.sn.at/salzburg/oesterreicher-bewegen-die-welt-995413

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