Politik

Schwarzach lagert 400 Geburten aus: Krisenplan soll die Geburtshilfe im Land Salzburg absichern

Das Klinikum Schwarzach muss die Zahl der Geburten reduzieren. Auf andere Krankenhäuser kommt eine große Herausforderung zu.

Das Klinikum Schwarzach sucht dringend Gynäkologinnen.  SN/ksk
Das Klinikum Schwarzach sucht dringend Gynäkologinnen.

Die Personalkrise in der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Klinikum Schwarzach strahlt nun auf das ganze Land aus. Nach der Kündigung des Primars und dreier Fachärztinnen kann im Pongauer Krankenhaus das Leistungsangebot nicht aufrechterhalten werden. Zuletzt kamen auf der Geburtenstation jährlich rund 1200 Babys zur Welt. Ein Drittel der Geburten soll ausgelagert werden.

An einem Krisengespräch mit den Vertretern des Schwarzacher Klinikums nahm neben Gesundheitsreferent LH-Stv. Christian Stöckl auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer (beide ÖVP) persönlich teil. "Das sagt alles über die Brisanz des Themas", sagt Stöckl. Erarbeitet wurde ein Plan, der auf einer engen Zusammenarbeit aller Spitäler im Bundesland beruht. Außerdem habe man die Geschäftsleitung aufgerufen, die offenen Baustellen schnell zu schließen.

400 Entbindungen wollen die Schwarzacher abgeben. Den größten Teil wird Zell am See schultern, 200 Geburten mehr als bisher sollen die Pinzgauer stemmen. Der ärztliche Leiter Rudolph Pointner hatte bereits vor mehreren Wochen betont, dass sein Haus dazu in der Lage sei. Knapper bemessen sind die freien Kapazitäten in Hallein und im Uniklinikum Salzburg. Stöckl geht davon aus, dass die Mehrbelastung dennoch zu schaffen ist. "Aber wir stehen sicher vor einer harten Herausforderung." Um eine Überlastung zu vermeiden, werde das Leistungsangebot für Frauen, die nicht aus Salzburg kommen, zurückgefahren. "Das wird bis auf Weiteres nicht möglich sein." Es handle sich um eine ähnliche Zahl wie jene, die von Schwarzach noch abzunehmen sei - rund 200 Geburten. Eingebunden seien in die Gespräche auch die Spitäler in Schladming und in St. Johann in Tirol.

Bild: SN/robert ratzer
LH-Stv. Christian Stöckl (ÖVP): „Es wird nicht jede werdende Mutter ihr Spital wählen können.“

Neben einer hohen Auslastung auf den Salzburger Geburtenstationen müsse man in naher Zukunft auch mit eingeschränkter Wahlfreiheit rechnen, sagt Stöckl. "Ich kann in der aktuellen Situation nicht versprechen, dass jede werdende Mutter sich ihr Spital aussuchen kann." Statt in Salzburg in Hallein zu entbinden sei aber zumutbar. "Das ist das gleiche Haus mit demselben ärztlichen Leiter."

Früh- und Risikogeburten würden weiterhin ausschließlich in den Schwerpunktkrankenhäusern durchgeführt, sagt Stöckl. Die Uniklinik und Schwarzach verfügen über eine angeschlossene Neonatologie. Um die angespannte Phase möglichst kurz zu halten, müsse das Pongauer Klinikum schnellstmöglich nachbesetzen und zum alten Umfang an Geburten zurückfinden.

5,4 Fachärztestellen seien in Schwarzach besetzt, drei Medizinerinnen hätten gekündigt, sagt Primar Josef Riedler, der stellvertretende ärztliche Leiter. Er zeigt sich vorsichtig optimistisch, was die Nachfolgersuche betrifft. "Es laufen einige gute Gespräche und es schaut besser aus als vor einigen Wochen." Neben fixen Kräften versuche man auch Gynäkologen für einzelne Dienste oder für wochenweise Anstellungen zu gewinnen. Ein Facharzt habe seine Kündigung zurückgezogen.

Die Übernahme von rund einem Drittel der Normalgeburten bringe eine deutliche Entlastung des Ärzteteams in der Gynäkologie und Geburtshilfeabteilung, sagt Josef Riedler. "Patientinnen mit einem onkologischen Befund, die sich bereits in Behandlung befinden, können weiter betreut werden. Neue onkologische Patientinnen können aber vorübergehend nicht aufgenommen werden."

Bild: SN/ksk/schiel
Primar Josef Riedler: „Wir werden niemanden abweisen, weil die Postleitzahl nicht passt.“

Landeshauptmann Wilfried Haslauer begrüßt die erarbeiteten Lösungen. Für ihn sei es wichtig, den Frauen Sicherheit zu geben. "Die Zusammenarbeit der Krankenhäuser über das gesamte Bundesland funktioniert sehr gut, wie wir in den Krisenzeiten der letzten beiden Jahre gezeigt haben."

Primar Riedler sieht eine Betreuung aller Gebärenden mit Wohnsitz Pongau und Lungau gewährleistet. Die abzubauenden Geburten seien jene, die bisher von anderen Bezirken gekommen seien. Gesichert sei auch die Notfallbetreuung. "Wir werden niemanden abweisen, weil die Postleitzahl nicht passt. Es gilt, Fingerspitzengefühl zu wahren." Christian Stöckl weitet dieses Versprechen auf alle Häuser aus. "Wir werden jeder Frau die Versorgung bieten, die sie benötigt."

Aufgerufen am 27.06.2022 um 07:21 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/-121768018

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