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248 Lehrer sind in Salzburg vor Schulbeginn noch ohne Stelle

Frust statt Euphorie: Fünf Tage vor dem Start ins neue Schuljahr wissen viele Volksschullehrer nicht, ob und wo sie künftig unterrichten werden.

Dominik Itzlinger ist so wie viele seiner Kollegen wenige Tage vor Schulbeginn noch ohne Anstellung. SN/andreas kolarik
Dominik Itzlinger ist so wie viele seiner Kollegen wenige Tage vor Schulbeginn noch ohne Anstellung.

So hat sich Dominik Itzlinger aus der Stadt Salzburg den Schulstart nicht vorgestellt. Im Sommer hat der 35-Jährige seine Ausbildung zum Volksschullehrer abgeschlossen und sich auf seine Arbeit mit Kindern gefreut, Pläne ausgeheckt, wie er sich auf seine Schützlinge vorbereiten will. Nun arbeitet er im Supermarkt seines Schwagers und hofft jeden Tag darauf, endlich eine positive Nachricht auf seine Bewerbungen zu bekommen. Er stehe derzeit auf Platz Nummer vier auf der Warteliste der Volksschullehrer, die sich für Jobs im Pongau oder Pinzgau beworben haben. "Nicht so schlecht. Nur ob ich zu Beginn des Schuljahres unterrichten werde oder nicht, das kann mir niemand sagen."

Insgesamt befanden sich am Dienstag 248 Volksschullehrer im sogenannten Bewerberpool des Landes für eine Stelle im Bundesland. Das sei zu Ferienende nicht ungewöhnlich, vor allem nicht im Bereich der Primärstufe, weiß Karl Premißl, Leiter des Referates der Öffentlichen Pflichtschulen. Seit Jahren sei die Zahl derer, die von der Pädagogischen Hochschule als ausgebildete Volksschullehrer abgehen, viel höher als die Zahl der offenen Stellen. In den nächsten Wochen und Monaten würden einige offene Stellen eintrudeln, durch Langzeitkrankenstände, Karenzver tretungen oder anstehende Pensionierungen etwa. Einige Volksschullehrer würden in den Neuen Mittelschulen aushelfen, doch ein Teil werde nicht so schnell eine Anstellung bekommen.

Für Dominik Itzlinger eine erschreckende Aussicht. Natürlich habe er gewusst, dass es viele Volksschullehrer für eine begrenzte Zahl offener Stellen gebe. "Aber mir wurde immer gesagt, dass ich als Quereinsteiger und Mann gute Chancen hätte." Er hofft, dass sich in den nächsten Tagen eine Stelle auftut. Im Notfall würde er auch eine an einer Neuen Mittelschule annehmen.

Denn dort sind die Wartelisten für Jobsuchende um vieles kürzer. 67 Lehrer befanden sich am Dienstag im NMS-Bewerberpool. Premißl: "Diese werden mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bald in einer Klasse unterrichten, denn hier ist der Bedarf groß." Da müsse im Laufe des Schuljahres auch auf Volksschullehrer zurückgegriffen werden, um den Bedarf zu decken. Groß ist der Bedarf auch in der Sonderpädagogik. "Hier haben wir es seit Jahren mit einem Mangel zu tun", so Premißl.

Insgesamt unterrichten an den 180 Volksschulen im Land rund 2500 Lehrer. Gut die Hälfte sind älter als 50. Pro Jahr verabschieden sich rund drei Prozent der Lehrer in den Ruhestand. Das sind rund 75.

Auch Elfriede Windischbauer, Rektorin der Pädagogischen Hochschule, kennt das Problem: "Wir können nichts anderes machen, als die Studenten auf die Situation hinzuweisen." Das zeige jedoch kaum Wirkung. Natürlich gebe es die Möglichkeit, nur nach Bedarf auszubilden, wie in Finnland etwa. Doch davon hält Windischbauer nichts. "Es macht schon Sinn, einen Beruf zu ergreifen, der einen interessiert."

Anton Polivka, Personalvertreter der Pflichtschullehrer, kritisiert die Bildungsabteilung des Landes: "Die Junglehrer werden viel zu spät darüber informiert, wie es für sie mit einem Job aussieht." Da gebe es Nachholbedarf. Für das Schuljahr 2018/19 erwartet er sich eine Besserung der Situation und rät den Lehrern ohne Stelle durchzuhalten. Dann werde es aufgrund der um ein Jahr verlängerten Ausbildung für Pflichtschullehrer keine Abgänger geben. "Da wird sich der Bewerberpool schnell leeren."

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Aufgerufen am 21.09.2018 um 11:28 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/248-lehrer-sind-in-salzburg-vor-schulbeginn-noch-ohne-stelle-17108152

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