Politik

93,5 Prozent für Svazek: FPÖ-Parteichefin redet Funktionären ins Gewissen

Marlene Svazek zog Bilanz über ihre Zeit als freiheitliche Parteichefin in Salzburg. SN/stefanie schenker
Marlene Svazek zog Bilanz über ihre Zeit als freiheitliche Parteichefin in Salzburg.

Im Kultur- und Kongresshaus am Dom in St. Johann hat die Salzburger FPÖ am Freitagabend ihren Landesparteitag abgehalten. Einige Tische blieben leer: Von den 214 Delegierten waren 154 gekommen.

Marlene Svazek zog Bilanz über ihre drei Jahre, zwei Monate, drei Wochen und sechs Tage als freiheitliche Parteichefin in Salzburg. Heute wisse sie, dass sie im Juni 2016 "überhaupt keine Ahnung gehabt habe, worauf sie sich da einlasse", gestand die 27-Jährige. Die blaue Frontfrau gab sich durchwegs nachdenklich. "Ich habe sicher nicht alles richtig gemacht, aber auch nicht alles falsch." Nach einem turbulenten Sommer in Folge des Ibiza-Videos und dem Vorfall in Bergheim, bei dem ein Funktionär der Partei mit einer Waffe 29 Mal vom Balkon geschossen hatte, versuchte Svazek, den Funktionären ins Gewissen zu reden. "Wir alle müssen Verantwortung übernehmen. Ich muss Verantwortung übernehmen für jedes Parteimitglied, das inakzeptable Handlungen setzt, sei es vom Balkon zu schießen. Ich muss Verantwortung übernehmen für jedes depperte Facebook-Posting, das getätigt wird. Es ist aber nicht notwendig, dass wir uns ständig mit uns selbst beschäftigen". Vor allem wolle sie, dass die FPÖ nicht permanent Elfmeter für andere auflege - auch nicht mit peinlichen Postings voller Rechtschreibfehler, wenn man gleichzeitig Deutschkurse für andere fordere. Der "blaue Zug", meinte Svazek, stoppe sich nur selbst. "Beschäftigen wir uns lieber mit dem politischen Gegner". Von den Funktionären forderte sie mehrfach, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. "In aller Deutlichkeit: Keiner ist Privatperson, wenn er eine Funktion in der Partei übernimmt. Wir sind kein Kegelverein."

Die FPÖ verpasste sich am Parteitag neue Statuten. Damit sollen unter anderem Parteiausschlüsse klarer gehandhabt werden können. Die Statuten seien eine Pflichtlektüre für jeden Funktionär, betonte Svazek. Sie forderte von sich selbst und von allen anderen "ein Mindestmaß an Vernunft, Verantwortung und Anstand", bevor sie sich der Wiederwahl als Landesparteiobfrau stellte. Die Großgmainerin wurde mit 93,5 Prozent (143 Delegierten) für weitere drei Jahre als freiheitliche Parteichefin bestätigt.

"Ich bin fest entschlossen, die Partei dorthin zu bringen, wo sie hingehört: In Verantwortung." Es sei nicht ihr Anspruch, ewig in Opposition zu sein in Salzburg. In ihrer Pension sehe sie sich bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele sitzen "und einem freiheitlichen Landeshauptmann lauschen zu dürfen".

Abseits vom Landesparteitag ist die Salzburger FPÖ nun voll im Wahlkampf für die Nationalratswahl. Das Ziel ist klar: Der blaue Balken soll am 29. September mindestens auf 20 Prozent in Salzburg klettern. Bei der Nationalratswahl 2017 waren es noch 24,4 Prozent für die Freiheitlichen im Bundesland - freilich ohne Ibiza-Turbulenzen.

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