Politik

Abstimmung über den Hofwirt spaltet Seekirchen

Donnerstagabend wurde über die Zukunft des Seekirchner Hofwirts diskutiert. Die von der Gemeinde geladenen Experten bezogen klar Position.

So vollbesetzt war der Saal des Seekirchner Hofwirts schon lange nicht mehr gewesen: Denn seit 5. Juli 2015 steht das Wirtshaus leer, wenig später hat es die Gemeinde um 550.000 Euro gekauft.

Am Donnerstagabend waren aber rund 250 Bürger gekommen, um zunächst den Argumenten von vier Experten zu lauschen, die Bgm. Monika Schwaiger (ÖVP) zu einer Podiumsdiskussino geladen hatte. Denn am 25. September gibt es eine von der grünnahen LeSe-Fraktion initiierte Abstimmung, zu der alle Bürger aufgerufen sind: Zur Wahl steht, ob das Haus abgerissen wird und dort ein "Platz der Begegnung" entsteht - wie die LeSe will. Oder, ob das Wirtshaus revitalisiert werden soll - was ÖVP, SPÖ, FPÖ und Freie Wähler (FWS) wollen.

Als erster argumentierte am Donnerstagabend der emeritierte Architekturprofessor der TU Graz, Franz Riepl, für den Erhalt des Hauses: "Der Ort verliert einen wesentlichen Baustein, wenn man dieses Wirtshaus abreißt." Der Hofwirt habe eine kulturell hohe Bedeutung für die Stadt. "Und es gibt fast keinen Saal, der so wie hier von drei Seiten Licht hat - und trotzdem den Charakter einer Stube." Mit einem guten Architekten müsse es möglich sein, dass das Haus wieder zu einem Zentrum des Ortes werde, meint Riepl, schränkt aber ein: "Die Frage ist, ob man dem Haus nicht etwas mehr Platz gibt - denn es hat derzeit kein Vorfeld und wird von der Straße beengt." Eine Möglichkeit sei hier die Verlegung des Gehsteigs.

Auch Landeskonservatorin Eva Hody betonte den historischen Wert des Hauses, dessen älteste Mauern aus dem Jahr 1437 stammen: "Der Hofwirt ist ein Kristallisationspunkt für die Geschichte des Ortes." Für die Erhaltung des Hauses, das formell nicht unter Denkmalschutz stehe, sei aber nicht so sehr die Bausubstanz ausschlaggebend, meint sie: "Es ist ein Erinnerungsdenkmal. Hier geht es um ein Geschichtsgut. Das darf man nicht mit kurzfristigen Argumenten beiseiteschieben." Salzburgs oberste Denkmalschützerin verlangte aber auch eine Nachdenkpause, um, wenn das Haus stehen bleiben sollte, ein wirklich gutes Projekt zu entwickeln: "Seekirchen hat keine Visionen, wie das Ortszentrum aussehen soll."

Stefan Lettner, der als Vertreter der Citymarketing-Agentur (CIMA) auf dem Podium saß, betonte, dass Ortszentren wie in Seekirchen nur dann langfristig belebt werden könnten, wenn fünf Punkte erfüllt seien: Ein guter Angebots-Mix aus Handel, Dienstleistung, Gewerbe und öffentlichen Einrichtungen; eine gute Erreichbarkeit ("das wird nicht ohne Parkplätze gehen"); eine gute Aufenthaltsqualität durch Plätze, Sitzmöbel und Grünräume. Weiters sollte das Zentrum durch Veranstaltungen Frequenz erhalten und auch gut vermarktet werden. Bezogen auf den Hofwirt forderte auch Lettner dessen Revitalisierung: "In diesem Fall ist es sinnvoll, dass die Gemeinde lenkend eingreift." Das habe auch bereits bei einigen anderen Projekten wie dem Lohninghof in Zell am See oder beim Gasthof Örtlwirt in Taxenbach funktioniert. Lettner betont aber, dass es gut sei, zuvor offen und tabulos auch über einen möglichen Abriss zu diskutieren.

Robert Krasser vom Salzburger Institut für Raumordnung (SIR) sprach sich klar gegen einen Abriss des Hauses aus: "Seekirchen hat mit dem Stadt- und dem Rupertusplatz schon zwei große Plätze, die schwer zu beleben sind. " Aus seiner Sicht brauche Seekirchen mehr Bewohner direkt im Ortszentrum, eine Reduktion des Verkehrsflusses - was durch die im Vorjahr eröffnete Begegnungszone bereits teilweise passiert sei - und eine bessere Aufenthaltsqualität im Ortskern. Krasser: "Da gelten die vier Bs aus der Schweiz: Bänkli, Bäumli, Blümli und Brünnli."

Dem Argument von LeSe-Vertretern in der anschließenden Publikumsdiskussion, dass die Begegnungszone nicht funktioniere und ein Problem für die Verkehrssicherheit sei, widersprach Krasser: "Der Hofwirt führt zu einer ,guten' Engstelle, die zum Langsamfahren zwingt." Für die Vereine pochte Kameradschaftsbundobmann Hans Hillerzeder "auf das Versprechen der Bürgermeisterin, dass wir eine Heimstätte bekommen, wenn der Hofwirt stehen bleibt."

Helmut Romaner, der als langjähriger Ortsplaner die Sanierung des Hofwirts vor 25 Jahren mitbetreut hat, betonte: "Die Bausubstanz des Hauses ist sehr gut." Tina Tscherteu, gebürtige Seekirchnerin und Architektin, gratulierte der LeSe, mit ihrem Bürgerbegehren eine offene Diskussion über den Hofwirt angestoßen zu haben. Sie ergriff aber auch klar Partei: "Mit dem Abriss des Hofwirts ist nichts gewonnen, außer, dass man Seekirchen sein Gesicht genommen hat."

Gegen Ende der Debatte, bei der es immer wieder Wortgefechte zwischen Vertretern der LeSe und der ÖVP gab, betonte Bgm. Schwaiger, dass es im Fall der Revitalisierung bei der fixierten Obergrenze von zwei Millionen Euro bleibe: "Seekirchen steht finanziell gut da. Es wird kein Bürger auf etwas verzichten müssen, wenn wir den Hofwirt sanieren."

Aufgerufen am 23.09.2018 um 08:11 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/abstimmung-ueber-den-hofwirt-spaltet-seekirchen-1082542

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