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Arbeiterkammer: Anteil der Frauen in Chefetagen sinkt

Mehr Teilzeit statt Vollzeit, eine nach wie vor große Gehaltskluft zwischen den Geschlechtern und überwiegend weibliche Armut. Der aktuelle Bericht der Arbeiterkammer zur Lage der Frauen in Salzburg ist da.

Arbeiterkammer: Anteil der Frauen in Chefetagen sinkt SN/www.picturedesk.com
Frauen dominieren nach wie vor als Beschäftigte im Handel.

"Was Frauen beruflich und in der Gesellschaft leisten, steht in starkem Widerspruch zu dem was sie dafür bekommen", betonte am Freitag AK-Vizepräsidentin Gabi Proschofski. Einerseits seien immer mehr Frauen berufstätig. Ihre Erwerbstätigenquote nähere sich jener der Männer an. 2015 gingen demnach 69,8 Prozent der Frauen in Salzburg zwischen 15 und 60 Jahren einem Erwerb nach. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als zwei Jahre zuvor - und noch 5,4 Prozentpunkte weniger als bei den Männern (2013: 6,7 Prozentpunkte). Am höchsten ist die Quote zwischen 25 und 29 Jahren. Hier sind quasi alle mit ihrer Ausbildung fertig, haben oftmals aber noch keine Kinder. Jedoch liegen Frauen In der Altersgruppe zwischen 35 und 39 Jahren schon fast zehn Prozentpunkte hinter den Männern, weil viele nach der Karenz den Wiedereinstieg nicht schaffen oder freiwillig aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

"Das ist nur eines von vielen Problemen, mit denen Frauen im Erwerbsleben konfrontiert sind", sagt Ines Grössenberger, die neue Frauenreferentin der AK Salzburg. Das grundlegende Problem seien nach wie vor massive Einkommensunterschiede. Der Equal Pay Day, der Tag ab dem die Frauen quasi "gratis" arbeiten, falle heuer in Salzburg auf Sonntag, den zweiten Oktober.

Frauen arbeiten laut AK trotz mehr Beschäftigung immer seltener Vollzeit - Teilzeitarbeit und Formen prekärer Beschäftigung seien auf dem Vormarsch. Dadurch falle zwar die Arbeitslosenquote mitunter besser aus. Aber auf Kosten der Qualität der Arbeit und ihrer Entlohnung. Seit 2012 sank die Vollzeitbeschäftigung von Frauen um 2,1 Prozentpunkte. Im Endeffekt hatten 2014 nur 50,7 Prozent der angestellten Salzburgerinnen einen Vollzeit-Job. Der Österreich-Schnitt liegt bei knapp 53 Prozent. 37,8 Prozent der Frauen wählen auf Grund von Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene Teilzeit-Arbeit. Bei Männern sind es nur 4,8 Prozent.

Jobs mit schlechtem Einkommen

Auch in den Bereichen, in denen Frauen überwiegend arbeiten, gibt es starke Unterschiede. Sie wählen mehrheitlich Jobs im Dienstleistungsbereich (89,2 Prozent). Diese sind meist schlechter entlohnt und bieten mittlerweile überwiegend Teilzeitstellen an. Platz eins nimmt dabei mit rund 21 Prozent der Handel ein. An zweiter Stelle steht mir etwas über 19 Prozent die öffentliche Verwaltung. Dann folgt mit 13 Prozent der Tourismus. Diese Verteilung hat sich über die Jahre hinweg kaum verändert.

Frauen leisten zwei Drittel der unbezahlten Arbeit

Fast nur Frauen haben Betreuungsknicke in der Laufbahn. Die Erwerbstätigenquote von Frauen wird durch die Geburt von Kindern gesenkt. In der wichtigsten Erwerbszeit um das 30. Lebensjahr herum ist sie am niedrigsten und nähert sich erst später wieder leicht aber nie vollständig an. Dazu kommt dann noch die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Für Haushalt, Kinderbetreuung, Kranken- und Angehörigenpflege bekommt man kein Geld, obwohl es in der Familie und darüber hinaus sehr wichtige Tätigkeiten sind. Entsprechend wertgeschätzt wird diese unbezahlte Arbeit aber nicht - sie wird zu 66 Prozent von Frauen verrichtet.

Zum Teil weniger Frauen in Führungsfunktionen als 2014

Auch in Führungspositionen kommen Frauen selten. Es sei ein Treppenwitz der Geschichte, dass gerade im von Frauen dominierten Handel bundesweit besonders wenige Geschäftsführungen weiblich besetzt seien, sagt Grössinger. Salzburg bekleckere sich bei der Präsenz von Frauen in Führungspositionen jedenfalls nicht mit Ruhm. Statt 7,4 Prozent weibliche Vorstände 2014 waren es 2015 nur noch 3,7 Prozent. Der Anteil von Geschäftsführerinnen stagniert im Bundesland mit 5,7 Prozent auf niedrigem Niveau. Lediglich die Zahl der Aufsichtsräte steigt kontinuierlich (2015: 20,9 Prozent; 2014: 19 Prozent). Licht und Schatten gibt es bei den Landesunternehmen: Einerseits sind 2015 immerhin in 23 Prozent der Geschäftsführungen Frauen vertreten, ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zu 2014. Gleichzeitig sank aber die Zahl weiblicher Aufsichtsratsmitglieder von 24 auf 22,6 Prozent. "Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass in Ländern, wo es eine gesetzliche Quote mit Sanktionen gibt, mehr Frauen in Leitungsfunktion vertreten sind. Österreich hat hier trotz Diskussionen um Quotenregelungen Nachholbedarf. In Deutschland wurde eine solche in diesem Jahr eingeführt. Und Österreich liegt weiterhin unter dem EU-Schnitt von 21 Prozent", kritisiert Grössenberger.

Niederes Einkommen - Große Armutsgefährdung

Das Ergebnis: Drei von vier unselbständig beschäftigten Frauen verdienen unter 1500 Euro netto im Monat (73 Prozent). Salzburg liegt mit einem Netto-Medianeinkommen der Frauen von 1115 Euro pro Monat an vorletzter Stelle in Österreich und das, obwohl die Lebenshaltungskosten in Salzburg überdurchschnittlich hoch sind. Männer verdienen 577 Euro mehr (Differenz von 34,1 Prozent). Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung, also teilzeitbereinigt, verdienen Frauen immer noch 24,3 Prozent weniger als Männer. Am höchsten fällt dieser Gender Pay Gap im Flachgau aus, am niedrigsten in der Stadt Salzburg. Frauen sind in den unteren Einkommensstufen auch wegen Teilzeit-Arbeit deutlich mehr vertreten. In den oberen Einkommensstufen wird die Luft dagegen dünn. Kein Wunder, dass Österreich bei der Lohnschere zwischen Männern und Frauen in der EU den vorletzten Platz belegt - nur Estland steht schlechter da.

Insgesamt führen die vielen Faktoren der Ungerechtigkeit, mit denen Frauen zu kämpfen haben zu mehr Armut und Armutsgefährdung. Einerseits sind Frauen seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Aber wenn sie ohne Job sind, beträgt ihr monatliches Arbeitslosengeld im Schnitt nur 811 Euro (Männer: 973 Euro). In der Notstandshilfe erhalten sie wegen der Anrechnung von Partnereinkommen sogar oft noch weniger: Im Schnitt 657 Euro (Männer 774 Euro). Tipp der AK: Man sollte sich auch, wenn durch das Partnereinkommen keine Notstandshilfe zusteht trotzdem beim AMS arbeitssuchend melden. Dann ist man zumindest kostenlos kranken- und pensionsversichert.

Pensionskonto wird Altersarmut verschärfen

Diese Armutsgefährdung zieht sich bis in die Pension durch. "Weil sie häufig die Normalarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche nicht erreichen und keiner kontinuierlichen Erwerbstätigkeit nachgehen ist die Existenzsicherung von Frauen im Alter oft nicht gewährleistet. Armut ist weiblich. Altersarmut auch", sagt Grössenberger.

Quelle: SN

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