Politik

Aschermittwoch, Weißbier und Salzburgs SPÖ-Chef

Steidl sprach in Bayern davon, dass er wisse, wie sich eine Regierung ohne Sozialdemokraten anfühle. Es gebe "Wohnbauförderung für Millionäre."

Salzburgs SPÖ-Chef Walter Steidl ist stets in Kanzlernähe zu finden.  SN/APA/dpa/Angelika Warmuth
Salzburgs SPÖ-Chef Walter Steidl ist stets in Kanzlernähe zu finden.
Walter Steidl mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz.  SN/spö/arne müseler
Walter Steidl mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz.
Walter Steidl bei seiner Rede.  SN/arne müseler/spö
Walter Steidl bei seiner Rede.
Walter Steidl bei seiner Rede.  SN/arne müseler/spö
Walter Steidl bei seiner Rede.
Walter Steidl bei seiner Rede.  SN/arne müseler/spö
Walter Steidl bei seiner Rede.
Walter Steidl bei seiner Rede.  SN/arne müseler/spö
Walter Steidl bei seiner Rede.
 SN/spö/arne müseler
Walter Steidl mit Bundeskanzler Christian Kern.  SN/spö/arne müseler
Walter Steidl mit Bundeskanzler Christian Kern.

Die deutschen Sozialdemokraten stimmten sich am politischen Aschermittwoch in Vilshofen auf die Bundestagswahlen im Herbst 2017 ein. Mit dabei war auch SPÖ-Chef Walter Steidl. Er richtete am Vormittag erstmals die Grußworte an die Genossen. "Ich weiß, was es heißt, wenn die Sozialdemokratie in der Regierungsverantwortung fehlt, so wie das bei uns in Salzburg aktuell der Fall ist. Da werden in der Wohnbauförderung Millionäre gefördert, Spitäler finanziell ausgeblutet und der öffentliche Personennahverkehr zu Tode gespart, die Kinderbetreuung verteuert und die Arbeitslosigkeit erreicht nie dagewesene Rekordwerte. Wir wollen das nächstes Jahr bei der Landtagswahl ändern", sagte Steidl in Vilshofen. Es sei an der Zeit, dass man der Finanzwirtschaft gute Manieren und Anstand beibringe, meinte Steidl. "Wer, wenn nicht wir, soll den Spekulanten das Handwerk legen?" Steidl sieht einen sozialdemokratischen Aufbruch in Europa, der vor knapp einem Jahr mit dem neuen Bundeskanzler Christian Kern in Österreich begonnen habe. Mit Kanzlerkandidat Martin Schulz in Deutschland sei eine neue sozialdemokratische Achse im Entstehen.

Steidls besondere Beziehung zu Kern

Walter Steidl hat eine besondere Beziehung zu SPÖ-Kanzler Christian Kern. Der Pinzgauer - Steidl stammt aus Saalfelden - hatte in mehreren Gesprächen den damaligen SPÖ-Kanzler Werner Faymann zum Rücktritt bewegen wollen. So ist jene Unterredung bekannt, die just vor der SN-Sportgala in einem Glaskubus am Salzburger Flughafen stattgefunden hat. Als Faymann nicht einlenkte, schmiedete Steidl mit vier weiteren SPÖ-Länderchefs eine Achse, um diesen zu stürzen. Faymann kam seiner Demontage zuvor und trat überraschend, aber freiwillig ab. Bereits vorher hatte Steidl mit dem damaligen ÖBB-Chef Christian Kern am Kitzsteinhorn in Kaprun darüber beraten, ob Kern nicht doch als Kanzler zur Verfügung stünde.

Die Wurzeln des politischen Aschermittwochs

Der "politische Aschermittwoch" hat seine Wurzeln in Bayern. Die Tradition des bayerischen Bauernbundes wurde zunächst von der CSU übernommen, mittlerweile nutzen alle Parteien in Deutschland die Gelegenheit, zu Beginn der Fastenzeit mit dem politischen Gegner abzurechnen. Nach Österreich hat die Tradition des jährlichen verbalen Rundumschlags die FPÖ importiert.

Die anderen Parteien hierzulande haben sich dem Brauch nur zögernd angenähert. Seit einigen Jahren hat es sich allerdings auch Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zur Tradition gemacht, launige Aschermittwochs-Reden zu halten. Dieses Jahr tritt er beim Tiroler Wirtschaftsbund in Telfs auf. Neu ist, dass Spitzenpolitiker aus Österreichs wie heuer in großer Zahl zu Aschermittwochs-Veranstaltungen ihrer Schwesterparteien nach Bayern reisen.

Brauch geht auf Viehmarkt zurück

"Aschermittwoch" ist politisch gesehen kein Fasttag. Im Gegenteil bemühen sich die Proponenten der Parteien darum, mit üppigen, bemüht humorigen Bierzelt-Reden das Parteivolk zum Schenkelklopfen zu bringen. Der Brauch geht auf einen Viehmarkt im 19. Jahrhundert im bayerischen Vilshofen zurück. Ab 1919 folgten dort Kundgebungen des Bauernbundes. Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte er freilich erst, als ihn der legendäre bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß mit seiner CSU 1953 die Tradition übernahm. Der CSU-Patriarch Strauß trat zunächst viele Jahre in einem kleinen Wirtshaus auf, 1975 ließ er die Kundgebung in die Passauer Nibelungenhalle verlegen.

Im Laufe der Jahre kopierten alle Parteien das Format. Vilshofen ist mittlerweile zu Beginn der Fastenzeit in SPD-Hand. Auch in anderen deutschen Bundesländern wurde es übernommen, erlangte dort aber nie eine solche Bedeutung wie in Bayern. Im vergangene Jahr fiel der politische Aschermittwoch zum ersten Mal in seiner Geschichte vollständig aus. Grund war ein Zugsunglück im deutschen Bad Aibling am Vortag, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen und rund 80 verletzt wurden.

Nach Österreich exportiert wurde der "politische Aschermittwoch" 1992 durch die Freiheitlichen. Dieses Jahr veranstaltet die FPÖ bereits zum 26. Mal ihren Aschermittwoch in der Jahn-Turnhalle in Ried im Innkreis. Bei dem jährlichen Treffen kommentieren Redner in Bierzelt-Atmosphäre in deftigen Worten die politische Lage.

Drei legendäre Haider-Ausrutscher

Berühmtheit erhielt die Veranstaltung vor allem durch drei Ausrutscher Haiders, einer davon führte sogar zu internationalen Verstimmungen, nämlich als der FPÖ den damaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac 2000 als "Westentaschen-Napoleon" abkanzelte.

Über den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzicant meinte Haider 2001: "Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann." Ein Jahr später legte er nicht minder derb in Richtung des damaligen VfGH-Präsidenten Ludwig Adamovich nach: "Wenn man schon Adamovich heißt, muss man zuerst einmal fragen, ob er eine aufrechte Aufenthaltsberechtigung hat."

(SN)

Aufgerufen am 25.11.2017 um 04:21 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/aschermittwoch-weissbier-und-salzburgs-spoe-chef-41323

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