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"Auch in Tirol war die Stadtbahn ein heißes Eisen"

15-Minuten-Takte bei der S-Bahn. 27 Prozent Öffi-Nutzer. Nun werden auch die Tickets billiger. Tirol hat Salzburg bei den Öffis viel voraus.

"Auch in Tirol war die Stadtbahn ein heißes Eisen" SN/land tirol
Ingrid Felipe ist in Tirol für den öffentlichen Verkehr zuständig – und gibt ordentlich Gas.

Die Grün-Politikerin Ingrid Felipe (38) ist seit Mai 2013 LH-Stellvertreterin und Verkehrsreferentin in Tirol in einer Koalition mit der ÖVP. Bei den Salzburger Verkehrstagen ist sie heute, Montag, Diskutantin auf dem Podium.

SN: Tirol hat, je nach Statistik, einen Anteil der Öffi-Nutzer von 23 bis 27 Prozent. Salzburg dümpelt bei zwölf Prozent dahin. Wie viel der 27 Prozent gehen auf Ihre Kappe?
Felipe: Ich durfte bereits ein im Bundesländervergleich sensationelles Angebot übernehmen, das teils auch von den Tourismusverbänden und Seilbahnen in Tirol getragen und finanziert ist. Allerdings haben wir bis Anfang 2017 noch relativ hohe Ticketpreise für die Nutzer im Vergleich zu Wien oder Vorarlberg. Deswegen werden wir Anfang nächsten Jahres eine Tarifreform machen.

SN: Was haben Sie da vor?
Mit Frühjahr 2017 werden wir ein Regionalticket für 400 Euro und ein landesweites Öffi-Ticket für 500 Euro umsetzen, mit dem man ein Jahr lang alle Verkehrsmittel nutzen kann.

SN: Wie viel mehr Fahrgäste wollen Sie damit gewinnen?
Wir wollen zuerst viele Pendler, die jetzt schon Öffis nutzen, finanziell entlasten. Und wir erwarten eine Verdoppelung bei der Steigerung der Fahrgastzahlen von fünf auf zehn Prozent im Jahr als einmaligen Schub. Wir hatten schon in der Vergangenheit sensationelle Fahrgastzahl-Steigerungen, gerade durch den Viertelstundentakt auf der S-Bahn im Unterinntal zwischen Jenbach und Innsbruck.

In Summe haben wir derzeit 97.000 Jahresstreckenkartenbesitzer, kommen wollen wir auf über 100.000. Denn das Jahresticket von Landeck nach Innsbruck kostet derzeit rund 1500 Euro, künftig aber nur 500.

SN: Wie wollen Sie das finanzieren? Oder rechnen Sie mit sehr viel höheren Einnahmen, weil Sie dann mehr Jahreskarten verkaufen?
Einen Teil der Mehrkosten werden wir durch die zusätzlichen Einnahmen abdecken. Aber es wird auch frisches Geld brauchen. Da bin ich gerade in den finalen Verhandlungen mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP, Anm.). Der Kostenrahmen für diese Tarifstützung sind rund zehn Millionen Euro jährlich. Da ist die Angebotserweiterung aber noch nicht dabei.

SN: Welche Erweiterungen sind geplant?
Wir wollen in den Bezirken Lienz und Reutte auch Mindeststandards bei der Öffi-Anbindung einführen, eine Verbesserung in der Morgen- und Abendspitze schaffen und neues Fahrzeugmaterial auf der Schiene ankaufen. Die Kosten hängen von den Vergabeverfahren und den Verhandlungen mit den ÖBB ab. 2017 werden wir vielleicht mit weniger als zehn Millionen Euro auskommen. 2018 wäre aber ein höherer Betrag wünschenswert.

SN: Weiters wird das Land Tirol mit den ÖBB 308 Mill. Euro investieren, um das S-Bahn-Netz rund um Innsbruck auszubauen. Was erwarten Sie sich davon?
Es gibt schon seit fünf Jahren das Programm Mobil 21 der Stadt Innsbruck und ihrer Umlandgemeinden. Mit den 308 Millionen werden in Innsbruck innerhalb des städtischen Schienennetzes zwei neue Haltepunkte geschaffen, beim Wifi und beim Messezentrum. Ein dritter neuer Halt kommt bis 2018 in Hall-Thaur im dortigen Gewerbegebiet. Weiters kommt ein Umbau des Westbahnhofs in Innsbruck. Wir wollen das Bewusstsein schaffen, dass man sich Geld erspart, wenn man kein Auto braucht.

SN: Welche Rolle spielt die Höhe der Parkgebühren für Pendler - bzw. die Frage, ob sie überhaupt noch einen Parkplatz finden in der Landeshauptstadt, um sie sanft zum Umsteigen zu zwingen?
Darum hat sich die grüne Innsbrucker Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider schon vor zwei Jahren durch eine Parkraumbewirtschaftung gekümmert. Das war keine populäre Maßnahme. Mittlerweile sind ihr aber die Bürger dankbar, weil es eine Entlastung für die Anrainer bringt und tatsächlich den Effekt hat, dass sich die Einpendler um andere Lösungen bemühen müssen. Konkret gab es eine Ausweitung der Vergebührung der Parkplätze auf die äußeren Bezirke. Und man muss nun bis 21 Uhr zahlen.

SN: Sie sind heute Gastrednerin in Salzburg. Glauben Sie, dass die Stadt langfristig ohne Stadtregionalbahn auskommen kann, weil sie der Politik zu teuer ist?
Es kommt gern das Argument, dass etwas zu teuer ist, wenn man es eigentlich nicht will. Tirol und Innsbruck haben schon vor Jahren beschlossen, sich so eine Stadtregionalbahn zu leisten. Das ist eine Investition in die Zukunft, ressourcenschonend und sehr bequem. 2018 werden wir die ersten großen Routen eröffnen. Bis 2020 und 2022 werden auch die Umlandgemeinden Völs und Rum angeschlossen sein - mit Garnituren der normalen Straßenbahn, eine richtige Stadtregionalbahn eben. Das Thema war auch in Innsbruck und Tirol ein heißes Eisen. Denn es geht auch mit großen Baustellen einher; manche Parkplätze sind weggefallen. Und es gab auch Routenveränderungen bei den Bussen. Das ist eine Herausforderung. Aber das braucht es manchmal.

Die 14. Internationalen Salzburger Verkehrstage beginnen heute, Montag, im WIFI Salzburg: 18 Uhr: Ausstellungseröffnung,
19 Uhr: Satire von Werner Friedl,

20 Uhr: Podiumsdiskussion mit Martin Schreiner, München, Ingrid Felipe, Tirol, Bernhard Auinger, SPÖ-Klubobmann, Hans Mayr, Verkehrslandesrat, Günther Penetzdorfer, Projektleiter FUMObil.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 10:25 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/auch-in-tirol-war-die-stadtbahn-ein-heisses-eisen-969919

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