Politik

Aufreger, die niemanden mehr aufregen

Manche Debatten in der Stadt laufen über Jahrzehnte. Und sind heute fast nicht mehr der Rede wert.

 SN/robert ratzer

Alles braucht seine Zeit. In der Stadtpolitik dauert diese Zeitspanne mitunter Jahrzehnte. Etwa, wenn es um den Bau eines neuen Hallenbades geht. Ganze Zeitungsarchive widmen sich dem Thema "Spaßbad" in Salzburg. Immer wieder ging es in dem Konflikt um Standort, Ausstattung und Kosten eines "Spaßbades". Das verwunschene Bad, von dem manche sprachen, ist nach 30 Jahren Debatte im Vorjahr endlich in Bau gegangen. Das Paracelsusbad neu an der Auers pergstraße soll 2019 aufsperren. Was lange währt, wird endlich gut. Das gilt auch für die Poller. Salzburgs Metallpflöcke wurden 2010 in Betrieb genommen, um die Altstadt autofrei zu gestalten. Mit einher ging eine (politische) Welle der Empörung. Zu teuer, zu ineffizient, zu fehleranfällig sei das System. Nach einem Einführungsjahr mit etlichen Unfällen haben sich die Salzburger und ihre Politiker aber an die versenkbaren Poller gewöhnt. In der ganzen Stadt wurden seither immer neue Poller in Betrieb genommen. Gestört hat das kaum noch jemanden. Im Gegenteil: Just jene, die sich 2010 vehement gewehrt haben, nutzen sie selbst - und haben als Wirt etwa vor ihrem Innenhof einen Poller installieren lassen.

Gut 20 Jahre hat auch die Debatte auf dem Buckel, warum kein öffentliches Verkehrsmittel zum größten Freibad der Stadt (dem Lepi) fährt. Das Problem wurde im Sommer 2017 gelöst. Der Bus fährt, weil es sich ein Ex-Bürgermeister plötzlich doch anders überlegt hat und die Stadt den Betrieb des Busses finanziert.

Eingefleischte Salzburger können sich aber auch noch an den Residenzplatz erinnern. Jahrelang wurden hier Probeflächen für eine neue Pflasterung getestet. Wie der Platz dann aussehen sollte, darüber waren sich die Stadtpolitiker (und Techniker) aber nie einig. Nach jahrelangen Debatten wird im kommenden Jahr gepflastert.

Freilich, es wäre nicht die Stadtpolitik, wenn es nicht noch genug Themen gäbe, über die seit Jahren gestritten wird. Schon in den 1990er-Jahren wurde um die Stadtregionalbahn gerungen. Ob Salzburg eine Straßenbahn oder U-Bahn braucht, dieses Thema ist auch 2018 noch nicht ad acta gelegt. Genauso wie die Frage der Mitbestimmung der Bürger. Das Modell der direkten Demokratie ist kurz vor der Bürgermeisterwahl wieder aktuell.

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