Politik

Bad Hofgastein: Ein Kurort hat zu wenige Ärzte

Die größte Gemeinde im Gasteiner Tal ist wirtschaftlich sehr erfolgreich. Aber es gibt auch einiges nachzuholen, wie auch die Politiker zugeben.

Wahldiskussion mit den vier Kandidaten im Kursaal in Bad Hofgastein SN/gerhard wolkersdorfer
Wahldiskussion mit den vier Kandidaten im Kursaal in Bad Hofgastein

Ausgerechnet der Kurort Bad Hofgastein, der zu einem großen Teil - und recht gut - vom Gesundheitstourismus lebt, sieht sich mit einem Mangel an Ärzten für die eigene Bevölkerung konfrontiert. Die Situation droht sich noch zu verschärfen. Die 7000-Einwohner-Marktgemeinde mit ihren 8000 Gästebetten und mehr als 1,1 Millionen Übernachtungen im Jahr verspricht gegenzusteuern. Das sicherten Gemeindepolitiker am Montagabend der Bevölkerung in der Wahldiskussion der SN und der "Pongauer Nachrichten" zu. Mehr als 400 Bürgerinnen und Bürger waren in den Kursaal gekommen. Der Mangel an Fachärzten und die Überlastung der Hausärzte ist eines der heißesten Themen im Gasteiner Tal.

"Es wird wirklich schön langsam dramatisch im Tal", sagte die Bad Hofgasteiner Allgemeinmedizinerin Verena Steinlechner, eine von sechs praktischen Kassenärzten. Gerade angesichts der anhaltenden Zuwächse im Tourismus "sind wir an unseren Leistungsgrenzen - das geb ich zu". Dazu kämen von der Politik gewünschte verlängerte Öffnungszeiten in der Primärversorgung.

Vergleichsweise sei Bad Hofgastein "eigentlich noch in einer glücklichen Lage", sagte ÖVP-Bürgermeisterkandidat Markus Viehauser, "wir haben zwei Kassenstellen, die Nachfolger haben". Für die drei Gasteiner Gemeinden werde ein vernetztes System in der medizinischen Grundversorgung entstehen. Die Gemeinde möchte ein neues Ärztezentrum - im Zusammenwirken mit dem Kurzentrum. So will man versuchen, junge Ärzte in das Gasteiner Tal zu bringen. Die Gemeinde habe schon Ausgaben für die Planung sowie jährliche Rücklagen für das Projekt vorgesehen, sagte SPÖ-Kandidat Vizebgm. Hans Freiberger.

Die Frage sei: "Wie bekommen wir die Ärzte hier herein?", sagte Michaela Hütteneder-Estermann von der neuen Liste Gemeinsam für Bad Hofgastein (GfBH). Zuerst das Ärztezentrum zu schaffen, hieße das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen.

"Es laufen im Hintergrund intensive Verhandlungen mit der Gebietskrankenkasse", betonte FPÖ-Gemeindevertreter Peter Kaiser. Er regt außerdem an, in dem neuen medizinischen Zentrum die Kurmittel wie das Thermalwasser verstärkt zu nutzen.   Besonders krass ist der Mangel an Zahnärzten. Für das gesamte Tal bleibt nach Pensionierungen jetzt nur mehr ein einziger Zahnarzt (in Bad Hofgastein) übrig. Die Patienten müssen zum Beispiel nach Taxenbach, Schwarzach und St. Johann oder Mitterberghütten fahren, wobei auch im Salzachtal die Ordinationen zum Teil überlastet sind. "Wir brauchen dringend Zahnärzte", sind sich die Gemeindepolitiker einig.

Großen Nachholbedarf sehen viele Bürgerinnen und Bürger in der Kinderbetreuung. Alle vier Kandidaten sprachen sich für einen Ausbau der Kinderbetreuung aus. Der ÖVP-Kandidat sagte, dass man hauptsächlich mehr Flexibilisierung und eine Krabbelgruppe brauche. "Der Betrieb im Kindergarten ist absolut gut. Der Neubau oder die Generalsanierung samt Ausbau des Kindergartens werde ein großes Projekt. Das Gebäude sei am Ende seiner Lebensdauer. Das Angebot insgesamt sei nicht so schlecht wie dargestellt, scheinen sich der ÖVP- und der SPÖ-Kandidat einig. Freiberger betonte, dass alle Kinder untergekommen seien - dank Tagesmüttern. Ein Kindergartenneubau mit mindestens zwölf Gruppen in Holzbauweise sei seine Präferenz. "Für mich kommt eine Sanierung nicht infrage, das kostet zu viel Geld."

Michaela Hütteneder-Estermann kritisierte, dass seit Jahren nichts geschehen sei. "Die Politik hat das versäumt. Das Problem wurde vor sich hergeschoben." Der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen und die starren Öffnungszeiten seien ein Hauptgrund für ihr politisches Engagement. Ein Neubau des Kindergartens erscheine ihr als einzig sinnvolle Möglichkeit, aber es gebe noch nicht einmal ein Grundstück. Peter Kaiser betonte, dass die Gemeinde schon Rücklagen für das Vorhaben gebildet habe, "das wird kommen".

An die Adresse der regierenden ÖVP richteten Konkurrenten und Wähler Vorwürfe, sie habe in einigen Themen, wie beim Hochwasserschutz, seit Jahren nichts weitergebracht. Der scheidende Bürgermeister Fritz Zettinig konterte: "Es stimmt nicht, dass die ÖVP zehn Jahre nichts getan hat für den Hochwasserschutz. Man braucht dafür die Grundeigentümer, das Räumliche Entwicklungskonzept und einen rechtskräftigen Wasserrechtsbescheid. Das braucht Zeit."

Neos-Landesrätin Andrea Klambauer, die als Bad Hofgasteinerin im Publikum saß und deren Ehemann Florian übrigens auf der "Gemeinsam"-Liste kandidiert, meldete sich zu Wort: "Seit 13 Jahren wird das REK angekündigt. Die Gemeinde hat nicht einmal damit begonnen."

Aufgerufen am 23.10.2020 um 01:50 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/bad-hofgastein-ein-kurort-hat-zu-wenige-aerzte-65261677

Kommentare

Schlagzeilen