Bürgermeister-Kandidaten vorgestellt

Barbara Unterkofler: Pinke Lady aus schwarzer Familie

Die Baustadträtin rittert als einzige Frau um den Salzburger Bürgermeistersessel. Die Neos-Chefin plädiert für eine neue Sachpolitik im Schloss Mirabell.

In luftiger Höhe lässt Neos-Stadträtin Barbara Unterkofler den Blick über die Salzburger Altstadt schweifen und schaut hinüber zur Festung. "Hier heroben ist ein spezieller Ort, Salzburg zeigt sich aus einer ganz anderen Perspektive."

Soeben hat Unterkofler die steile Treppe mit 70 Holzstufen hinauf zum Glockenturm des Rathauses erklommen und ist durch die Luke hinaus ins Freie getreten. Die 43-Jährige hat sich diesen Ort über den Dächern der Stadt als Treffpunkt ausgesucht.

Unterkofler deutet hinunter auf die neu gepflasterte Getreidegasse. "Von meinem ersten Tag an als Baustadträtin hat mich diese Gasse begleitet." Das umgesetzte Modell der Bürgerbeteiligung bezeichnet sie als Errungenschaft, welche die Handschrift der Pinken trage.

Als Symbol für ihre Ambitionen bei der vorgezogenen Bürgermeisterwahl will die Juristin die Spitze des Rathauses nicht verstanden wissen. Sie weiß, dass der Kampf um Platz eins und zwei wohl zwischen Rot und Schwarz ausgetragen wird.

Eine Frau, die Mut beweisen will

Ein zweistelliges Ergebnis wäre für sie ein großer Erfolg, sagt Unterkofler. Als politischer Neuling war sie bereits bei der Bürgermeisterwahl im März 2014 für die Neos am Start. Damals gaben der Quereinsteigerin 8,8 Prozent der Salzburger ihre Stimme. Diesmal will Unterkofler zumindest zehn Prozent schaffen und vor allem der Bürgerliste und der ÖVP Stimmen wegnehmen. Im Gegensatz zu Stadtrat Johann Padutsch und Vizebgm. Harald Preuner habe sie Visionen und den Mut, die Strukturen im Magistrat aufzubrechen, sagt Unterkofler.

"Im Magistrat herrschen viele politische Abhängigkeiten, die nicht zu den objektiv richtigen Entscheidungen führen. Oft geht es den Parteien nur darum, die eigenen Interessen zu bedienen." Die Aufteilung der Ressorts in der Stadtregierung werde seit Jahren nicht angetastet. Die Spitzenpolitiker säßen schon viel zu lange in der Regierung. "Nach zwei Legislaturperioden sollte eigentlich Schluss sein."

Sie selbst würde am meisten das Kulturressort reizen.

Schwierigkeiten, die Unterkofler erstarken lassen

Es sei höchste Zeit, dass im Magistrat ein neuer Arbeits- und Kommunikationsstil Einzug halte. Als größtes Übel sieht Unterkofler die Proporzregierung: "Der Proporz gehört abgeschafft." Dass die Neos in diesem Fall nicht in der Regierung sitzen würden, sieht Unterkofler nicht als Problem: "Dann könnten wir eine klare Oppositionspolitik machen." Derzeit werde sie oft wie eine Bittstellerin behandelt, obwohl sie Regierungsaufgaben zu erledigen habe. Viele Dinge würden sich die großen Parteien im Vorhinein ausmachen. "Bevor wir überhaupt den Amtsbericht zu Gesicht bekommen, lesen wir in den Medien, was drinnensteht."

Die Lust auf die Politik sei ihr trotzdem nicht vergangen. Im Gegenteil: "Das alles bestärkt mich, für eine neue Art der Politik zu kämpfen. Ich bin auf viel Widerstand gestoßen und ecke oft an, aber ich bin meiner Linie treu geblieben, das zeichnet mich aus."

Barbara Unterkofler anlässlich einer Pressekonferenz der NEOS Anfang November 2017. SN/Copyright by: FRANZ NEUMAYR Pres
Barbara Unterkofler anlässlich einer Pressekonferenz der NEOS Anfang November 2017.

Mit viel Elan zog die neu gegründete Partei 2014 in den Gemeinderat ein. Die Neos hatten aus dem Stand fünf Mandate geschafft. "Um 21 Uhr stand am Wahltag plötzlich das Fernsehen vor der Tür des Wahlbüros und hat uns mitgeteilt, dass wird die FPÖ um sechs Stimmen überholt haben und einen Sitz in der Regierung bekommen." Im ersten Moment sei diese Nachricht für sie als dreifache Mutter ein Schock gewesen, sagt Unterkofler. Sohn Philipp war erst zwei Jahre alt. "Dann habe ich mir gedacht, den Luxus dieser Erfahrung gönne ich mir."

Groß geworden im schwarzen Elternhaus

Als Unterkofler damals als frisch angelobte Stadträtin ankündigte, die Abende und Wochenenden trotzdem zu Hause bei den Kindern zu verbringen, wurde sie insgeheim belächelt. "Naiv", meinte man im Schloss hinter vorgehaltener Hand. Sie habe diese Ankündigung wahr gemacht, sagt Unterkofler. Es sei nicht nötig, überall dabei zu sein.

Groß geworden ist die Frontfrau der Pinken in einem schwarzen Elternhaus. Ihre Mutter, die Salzburger Gynäkologin Maria Haidinger, saß von 1999 bis 2004 für die ÖVP als Gesundheitslandesrätin in der Regierung. Auch ihr Mann Peter Unterkofler ist als Pharmagroßhandelsunternehmer, Präsident der Salzburger Industriellenvereinigung und Spartenobmann in der Wirtschaftskammer in der ÖVP verankert.

Zu Hause diskutiere sie mit ihrem Mann oft über Politik, sagt Unterkofler. "Wir sind meistens auf einer Linie." Und was sagt ihr Mann zur Forderung der Neos, die Zwangsmitgliedschaft in den Kammern abzuschaffen? "Hier sind wir unterschiedlicher Meinung, ich bin aber nicht gegen die Kammern an sich." Ihr Mann sei offen und liberal und habe sie stets in ihrem politischen Engagement unterstützt, sagt Unterkofler. Anfangs habe er sich in der ÖVP einiges anhören müssen. "Da gab es Leute, die gemeint haben: ,Ja hast du denn deine Frau nicht im Griff?'"

Warum Unterkofler nicht bei der ÖVP landete

Warum sie eigentlich nicht bei der ÖVP gelandet sei, erklärt Unterkofler so: "Ich habe viele ÖVP-Veranstaltungen miterlebt, aber da saßen immer nur alte Männer." Die konservative Grundhaltung der Partei habe sie nicht angesprochen. Ihre Lust auf politisches Engagement erwachte, als 2012 die Neos die politische Bühne betraten. "Die Kombination aus wirtschaftspolitischem Fokus und modernem Gesellschaftsbild entspricht mir."

Die Mühen des politischen Alltags im Magistrat hat Unterkofler rasch zu spüren bekommen. Rund ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt entzog ihr der damalige Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) die Agenden für das Paracelsusbad. Unterkofler hatte es gewagt, die Höhe der Baukosten für das neu gekürte Siegerprojekt zu kritisieren, und forderte einen "Neustart". Mit dem Bad war die Zuständigkeit für die ganze Stadt Salzburg Immobilien GmbH (SIG) dahin. Daran hat sich auch nach dem Rücktritt von Schaden nichts geändert.

Schaden habe jeglichen Kontakt mit ihr abgebrochen, sagt Unterkofler. "Ich habe an seine Bürotüre geklopft, er hat nicht einmal aufgemacht." Dieses Verhalten wertet Unterkofler als Sinnbild der Verhältnisse im Schloss Mirabell, die es zu ändern gelte. Unterkofler zollt Schaden aber auch Lob: "Er war der einzige Politiker mit Visionen, und er war ein Stratege, da kann man sich was abschauen."

Hätte sie das Sagen in der Regierung, würde Unterkofler sich die Ressortverteilung vorknöpfen und die Förderungen durchleuchten, einen neuen Stil im Schloss pflegen und mit dem Land eine Kommunikation anstreben, die von Respekt geprägt ist. "Wenn ich eines kann, dann ist es Reden."

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