Politik

"Beim Personalstand ist der Boden erreicht"

Der neue ORF-Landesdirektor Christoph Takacs über den Ausbau der täglichen TV-Sendezeit und den journalistischen Wert von Kochshows.

"Beim Personalstand ist der Boden erreicht" SN/robert ratzer
Der neue ORF-Landesdirektor Christoph Takacs.

SN: Sie sind Chefredakteur von ORF III, eines Kanals mit 24 Stunden Programm täglich. Mit 1. 1. 2017 werden Sie Chef eines Landesstudios mit gerade einmal 20 Minuten täglicher TV-Sendezeit. Ist das nicht ein Abstieg?
Takacs: (lacht). Heute ist die TV-Sendezeit 20 Minuten. Aber bei einem Landesstudio geht es um die gesamte Programmpalette - also neben Fernsehen auch Radio und Online sowie die vielen Zulieferungen ins nationale Programm in allen drei Bereichen. SN: Sie wollen also die tägliche TV-Sendezeit ausbauen?
Das Landesstudio hat erstklassige Mitarbeiter, die den Zug zum Tor haben. Ich möchte dieses Landesstudio in einen "best place to work" verwandeln. Wir werden im Team gemeinsam durchdenken, was wir genau machen. Eine von vielen Optionen ist, die TV-Sendezeit auszubauen.
SN: "Best place to work": Ist das Ihrem Vorgänger Roland Brunhofer geschuldet, wegen dessen oft ruppiger Art das Klima im Landesstudio oft sehr schlecht war?
Ich habe da eine andere Wahrnehmung. Ich halte Brunhofer für eine ausgezeichnete Führungskraft. Er hat dieses Landesstudio top aufgestellt - mithilfe der Kollegen dort. Und er hat bei vielen die Verträge verbessert. Ich kann da keine Kritik anbringen. Im Gegenteil: Ich will ihm Rosen streuen.
SN: Brunhofer musste gehen, weil er ein deklarierter Roter ist, aber jetzt in Salzburg die ÖVP den Landeshauptmann stellt. Sind sie also ein Schwarzer?
Das ist ein völlig untauglicher Versuch einer Punzierung. Ich wurde vom Generaldirektor vorgeschlagen und vom Stiftungsrat bestellt - mit 30 Stimmen. Insofern kann das gar nicht so sein.
SN: Eigentlich war Waltraud Langer beim Stiftungsrat wie beim Landeshauptmann Favoritin für den Job als Landesdirektorin. Erst als sie absagte, kamen Sie ins Spiel. Stört es Sie, dass Sie nur zweite Wahl waren?
(lacht). Ich sehe mich nicht als zweite Wahl. Waltraud Langer ist eine ausgezeichnete Kollegin und hat genauso wie ich journalistische Meriten, hat aber aus privaten Gründen abgesagt. Es ging also letztlich um die Frage: Wer steht zur Verfügung?SN: Laut Ihrem Konzept wollen Sie auf VJs bzw. MoJos setzen - also mobile Journalisten, die sowohl Videobilder als auch Radio- und Onlinebeiträge machen.
Das ist ein Missverständnis. Was ich meine, ist: Wenn man als Journalist zu einem Ereignis kommt und sich dort ein authentisches Bild ergibt, sollte man nicht zuerst den Kameramann anrufen, sondern auf den Auslöser der Handykamera drücken. Das Wort VJ, also Videojournalist, kann ich nicht mehr hören! Das ist genauso ein Unwort wie "Vollzeitäquivalent" für einen Mitarbeiter! Aber warum kann man, wenn man als Journalist in einem Gespräch ist und kein Aufnahmegerät dabeihat, nicht das Smartphone hinlegen, das Gesagte aufnehmen und dann per E-Mail in die Redaktion schicken?
SN: Es gibt aber viele Widerstände gegen das Konzept des Redakteurs als "eierlegende Wollmilchsau".
Diesen Redakteurstyp gibt es ja nicht und den soll es auch nicht geben! Aber wenn ein Kollege gern einmal in der Onlineredaktion arbeiten will, was spricht dagegen? Mir geht es darum, da Durchlässigkeit zu ermöglichen. Es wird aber keinen Zwang dazu geben. Aber letztlich geht es bei dieser Diskussion um Pfründen.

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