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Bis 2030 fehlen in Salzburg rund 1200 Pflegekräfte

2020 sollen in Salzburg 600 Pflegekräfte fehlen, bis 2030 sogar 1200. Dennoch muss die Fachhochschule auch weiterhin Bewerber abweisen.

Bis 2030 fehlen in Salzburg rund 1200 Pflegekräfte SN/fotolia/91625049
In Salzburg herrscht ein Pflegemangel. Dennoch werden an einer Ausbildung Interessierte abgewiesen.

Eigentlich sei Salzburg Vorreiter gewesen, was die neue Ausbildung zur Pflege betrifft. Das sagt Babette Grabner, Studiengangsleiterin für Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule (FH) in Puch-Urstein. Seit 2008 gibt es in Österreich die gesetzliche Möglichkeit, dass Pflegerinnen und Pfleger ihre Ausbildung mit einem Bachelor-Abschluss beenden. Seit dem Jahr 2009 bietet die FH Salzburg diese sechssemestrige Ausbildung an. "Wir waren damals das erste Bundesland in Österreich."

Seither bildet die FH jährlich 40 Pflegekräfte aus. Und es könnten noch viel mehr sein. Rund 3,4 Bewerber gibt es für jeden Studienplatz. Dieser Andrang steht im Widerspruch zum Pflegekräftemangel, der sich auch in Salzburg von Jahr zu Jahr verschärft. Konkrete Zahlen dazu gibt es seit 2013. Damals veröffentlichte das Gesundheitsressort des Landes eine Vollerhebung zur Pflegesituation. Demnach werden bis 2020 in Salzburg 600 Pflegekräfte fehlen. Die Studienautoren prognostizierten ein Personalangebot von 3869 und einen Bedarf von 4468 Pflegekräften. Für 2030 sah man einen Mangel von 1200 Pflegerinnen und Pflegern. Ab 2017 soll die Situation durch eine Pensionierungswelle akut werden.

Wie lässt sich diese Entwicklung mit dem großen Andrang an der Fachhochschule in Einklang bringen? Die Antwort liegt in der derzeit noch zweigleisigen Ausbildung. Der Zustrom zur neuen akademische Ausbildung geht zu Lasten der alten Ausbildung zum/zur Diplompfleger/in an der Krankenpflegeschule in Salzburg-Mülln. Beide Ausbildungen sind dreijährig, aber nur an der FH bekommen Absolventen den Bachelor-Titel verliehen.

Das Interesse am Diplomlehrgang der Pflegeschule sinkt daher zunehmend. Im vergangenen Jahr musste man wegen fehlendem Interesse die Zahl der Klassen für die Diplomkrankenpflege von drei auf zwei reduzieren. Für dieses Jahr gab es nur mehr 58 Bewerber "Leider kommen die bei der Fachhochschule abgewiesenen Bewerber nicht zu uns", sagt Maria Andrasi-Humer, Direktorin der Krankenpflegeschule. Diese würden sich eher für andere Ausbildungsformen entscheiden. "Die Eltern drängen die Kinder oft dazu, ein Studium anzustreben. Viele machen deshalb statt der Diplompflegeausbildung an unserer Schule eine andere FH-Ausbildung im Gesundheits- oder Sozialbereich."

In Konkurrenz stehen die beiden Ausbildungsinstitutionen nicht. Ganz im Gegenteil: Seit der Einführung der Bachelor-Ausbildung an der Fachhochschule arbeiten diese zusammen. Und auch jetzt hat man einen gemeinsamem Wunsch: Die Aufstockung der Klassen an der Fachhochschule. "Es geht hier nicht um Revierdenken, sondern um die Gesundheitsversorgung", sagt FH-Studiengangsleiterin Babette Grabner. Und sie fügt noch an: "Worauf warten wir noch?"

Der zuständige Gesundheits- und Finanzlandesrat Christian Stöckl (ÖVP) schließt eine sofortige Aufstockung aber aus. Erst müsse man einen genauen Plan für den Bedarf an Pflegekräften im Land Salzburg erstellen, dann könne man entsprechende Maßnahmen bei der Ausbildung ergreifen. "Wir können nicht einfach am Markt vorbei ausbilden", sagt Stöckl. Maximal ein Jahr solle es noch dauern, bis dieser Plan erstellt sei, dann werde es einen Fahrplan zur kompletten Umstellung auf die neue Bachelor-Ausbildung zur Pflegekraft geben.

Theoretisch hat das Land für die Umstellung bei der Ausbildung bis zum Jahr 2024 Zeit. Ab dann darf es laut Gesetz keine neuen Diplom-Pflegekräfte nach der alten Ausbildungsform mehr geben. Die Diplomkräfte sollen dann nur noch an der Fachhochschule mit Bachelor-Abschluss ausgebildet werden. An der Krankenpflegeschule werden nach der Umstellung nur noch die neuen Berufe Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz angeboten.

Das sei auch für die Krankenpflegeschule eine gute Entwicklung, sagt Maria Andrasi-Humer. "Viele, die jetzt bei uns die Diplompflegeausbildung machen, eignen sich perfekt für eine der neuen Ausbildungsformen." Andrasi-Humer plädiert für eine rasche Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen. "Vor allem die Eltern unserer Schülerinnen und Schüler sind wegen der jetzigen komplizierten Situation verunsichert und raten im schlimmsten Fall von einer Ausbildung ab." Auch Christian Stöckl kündigt an, sich nicht bis 2024 Zeit lassen zu wollen. "Das lässt sich auch früher machen."

Mehr Geld für die Pflegeausbildung gibt es im kommenden Jahr aber dennoch. Da die niederschwelligen Ausbildungsformen ab sofort umgestellt werden mussten, schüttet das Land für 2017 zusätzliche 160.000 Euro für die Ausbildung aus. 2018 sind es zusätzliche 300.000 Euro. Denn da kommt zu den neuen Ausbildungsformen auch ein neuer Kurs für Berufsumsteiger am BFI. Dort kann man sich in allen drei Stufen der Pflegeberufe ausbilden lassen.

Daten & Fakten: Die Krankenschwester gibt es nicht mehr

Seit dem 7. Juli ist ein neues Gesetz zur Pflegeausbildung in Kraft. Dieses sieht vor, dass die Krankenschwester der Vergangenheit angehört. Ab sofort gibt es nur noch Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger. Bis zum Jahr 2024 soll die Ausbildung nur noch an Fachhochschulen angeboten werden.

Die jetzigen Krankenpflegeschulen wird es aber weiterhin geben. Sie kümmern sich nach wie vor um die Ausbildung der Pflegehelferinnen, die ebenfalls umbenannt werden: Ab jetzt heißt die Berufsgruppe Pflegeassistenz. Mit dem neuen Namen kommt auch eine Ausweitung der Kompetenzen.

Da auch die Diplomkräfte zusätzliche Kompetenzen bekommen, hat sich der Gesetzgeber dazu entschieden, eine zusätzliche Berufsgruppe einzuführen. Die Pflegefachassistenten werden künftig eine zweijährige Ausbildung absolvieren. Diese soll praxisorientiert und ideal für einen beruflichen Neubeginn sein.

Für die Umstellung der Ausbildung zur Diplomkraft auf die Fachhochschule sieht das Gesetz eine Übergangsfrist vor. Die Ausbildung zur Pflegeassistenz war sofort umzustellen.

SN-Info: Eine Informationsveranstaltung zur neuen Pflegeausbildung gibt es am 30. November um 17 Uhr im SN-Saal.

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