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Verschleierungsverbot: Meiden arabische Touristinnen bald Salzburg?

Das geplante Verschleierungs- beziehungsweise Burkaverbot sorgt im Tourismusland Salzburg für Verunsicherung.

 SN/EPA

Touristiker gaben sich noch wortkarg. Es fehlten Details zu diesem Verbot, man wolle sich noch einen Überblick verschaffen und könne erst dann eine Stellungnahme abgeben, erklärte der Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus GmbH, Leo Bauernberger, auf APA-Anfrage.

Für viele Touristiker ist das Verschleierungsverbot ein heikles Thema. In der Urlaubsregion Zell am See - Kaprun, die bei Arabern sehr beliebt ist und im Jahr 2016 rund 300.000 Nächtigungen von Urlaubern aus dem arabischen Raum verbuchte, waren die Reaktionen zurückhaltend. Hoteliers und der Bürgermeister von Zell am See verwiesen auf den Tourismusverband, aber auch von dort gab es inhaltlich keine Auskunft: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich Vertreter der Zell am See-Kaprun Tourismus GmbH nicht zu Themen wie Religion, Politik und gesellschaftspolitischen Aspekten rund um die Herkunftsländer unserer Gäste im Allgemeinen sowie zu verfassungsrechtlich so hochkomplexen Fragen wie einem Verschleierungsverbot im Besonderen äußern. Über die Auswirkungen eines Vollverschleierungsverbots lässt sich zurzeit noch keine Aussage treffen", hieß es am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme.

Verbot könnte Reiseentscheidungen beeinflussen

Etwas konkreter wurde der Geschäftsführer der Tourismus Salzburg GmbH, zuständig für die Stadt Salzburg, die im Vorjahr 67.000 Nächtigungen von Gästen aus dem arabischen Raum verzeichnete. Es sei nicht auszuschließen, dass aufgrund eines Burkaverbotes Urlauber aus diesen Ländern nicht mehr nach Österreich reisen. Inwieweit das Verschleierungsverbot die Reiseentscheidung beeinflusst, "ist nicht vorhersehbar", sagte Brugger. Urlauber aus dem arabischen Raum könnten auch andere europäische Länder bereisen, in denen das Tragen einer Burka erlaubt sei. Auch sei die Frage der Durchsetzung und Bestrafung bei einem Verstoß gegen das Verbot nicht geklärt. Die denkbare Palette reiche von einem Wegschauen über einen charmanten Hinweis bis zur Bestrafung.

Was gilt als "öffentlicher Raum"?

Verunsicherung herrschte auch noch darüber, welche Bereiche unter die Definition "öffentlicher Raum" fallen. Eine Gastronomin aus Zell am See meinte, im Hotelbereich dürften die Gäste sehr wohl eine Burka tragen, auf der Straße nicht. Ihre Einstellung zu dem geplanten Burkaverbot wollte sie aber im APA-Gespräch nicht preisgeben. Die Region Zell am See - Kaprun ist schon seit Jahren bei zahlungskräftigen Familien aus wohlhabenden arabischen Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien und Oman eine begehrte Urlaubsdestination. In der Sommersaison 2015 machten sie knapp ein Drittel der 800.000 Nächtigungen aus. Im ganzen Land Salzburg wurden rund 500.000 Nächtigungen von arabischen Urlaubern verzeichnet.

Quelle: APA

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