Politik

Chinesischer Minister schnuppert Salzburger Stallluft

Vom Reich der Mitte in die Käserei der SalzburgMilch und dann auf einen Biobauernhof. Die prominenten Gäste aus China staunten.

Die Kühe im Stall des Joglbauern in Obertrum bringt der Wirbel am Bio-Hof nicht aus der Ruhe. Während draußen die Trachtenmusikkapelle und die Schützen für den Ehrensalut Aufstellung genommen haben, lassen sich die Tiere am Donnerstag eine Portion Heu schmecken.

Niemand geringerer als der chinesische Landwirtschaftsministers Han Changfu wird am Hof erwartet - samt Wirtschaftsdelegation und Bundesminister Andrä Rupprechter (ÖVP). Er hatte den Besuch in Österreich bei seiner Chinareise im vergangenen November eingefädelt. Beim Joglbauern soll sich Changfu ein Bild davon machen, wie hierzulande biologische Landwirtschaft betrieben und gelebt wird.

"So ein hoher Besuch, das ist schon etwas Besonderes", sagt Joglbäuerin Katharina Hofer, die trotz der Kälte ins Dirndl geschlüpft ist. Nervös sei sie aber kein bisschen, fügt Altbäuerin Maria Hofer an. "Für mich sind alle Leute gleich, jeder will gesund und glücklich sein, egal woher er kommt und wer er ist."

Die Familie hat schon viele Gäste aus aller Welt empfangen: Russen, Norweger, Bolivianer und zuletzt zahlreiche Inder. "Sie alle interessiert vor allem, wie eine biologische, klein strukturierte Landwirtschaft funktioniert", erklärt Bauer Robert Hofer. Der Höhepunkt sei stets der Besuch in Wohnhaus und in der privaten der Bauernstube der Familie.

Der Minister quittiert den festlichen Empfang lächelnd, schüttelt freundlich Hände und greift bei den Marschklängen selbst zum Taktstock - hundertfach fotografiert von den mitgereisten Chinesen.

China als Zukunftsmarkt für Salzburg

"China ist ein wichtiger Zukunftsmarkt für Know-how und Produkte aus Österreich", sagt Rupprechter. Besonders groß sei das Interesse an der Biolandwirtschaft. Tatsächlich sind österreichische Lebensmittel bei der stark wachsenden finanzkräftigen Mittelschicht in China ein Verkaufsschlager. Das gilt umso mehr seit mehrere Lebensmittelskandale das Land erschüttert haben.

Auch für die Salzburger Landwirtschaft sei das wachsende Interesse der chinesischen Bevölkerung an nachhaltiger Produktion eine Marktchance, meint Agrarlandesrat Josef Schwaiger (ÖVP). Es gelte, die Stärken Salzburgs im Biolandbau zu nutzen.

Besonders interessiert die Chinesen die Milchwirtschaft am Hof des Joglbauern. "Unsere Kühe bekommen im Sommer nur Gras, und Heu im Winter", sagt Robert Hofer. Nach einer Führung durch den Hofladen, die Brotbackstube und den Stall kredenzt Familie Hofer den Gästen Produkte aus eigener Produktion. Der Minister verkostet Speckbrote und Erdäpfelkas und stoßt mit Glühmost und einem Schnapserl auf die Gastgeber an.

Am Vormittag hatte Changfu die neue Käserei der SalzburgMilch in Lamprechtshausen besucht - sie gilt als eine der modernsten in Europa. "Wir sind stolz, dass wir als Vorzeigebetrieb ausgewählt worden sind", sagt der Geschäftsführer Christian Leeb. Die Fotos von der Werksführung würden Handelspartner in China gewiss beeindrucken.

Salzburgs Milch ist in China begehrt

Die SalzburgMilch liefert seit 2014 Bergbauern-Haltbarmilch in drei Fettstufen und Milchdrinks für Kinder nach China. "Wir sind auf den wichtigen Lebensmittelmessen vertreten und gelten dort als der Qualitätslieferant aus Österreich", sagt Leeb. Milch aus den Alpen sei in China heiß begehrt. Nur die Milch der Schweizer Marke Emmy sei in den chinesischen Supermärkten noch hochpreisiger positioniert. Ein Liter H-Milch aus Salzburg kostet im Supermarkt 3,20 Euro.

Als einzige Molkerei liefert die SalzburgMilch seit einem halben Jahr auch eine zertifizierte Haltbarmilch in Bio-Qualität nach Asien. Die speziell für den chinesischen Markt produzierte Salzburger Bergbauern-H-Milch ist in einer chinesischen Bioladenkette erhältlich.

Rund 70 Prozent der Milch würden in China jedoch übers Internet gekauft, sagt Leeb. Ein Film auf der Homepage macht den Chinesen Gusto auf Salzburg. "Mit jedem Liter verkaufen wir Österreich, die Alm, das Gebirge und das Bild von der heilen Welt mit."

Mittlerweile schickt die SalzburgMilch jede Woche einen Container mit je 22.000 Litern Milch auf die Reise. "Asien ist einer der wachsenden Märkte, wir sind auf dem Sprung nach Südkorea und Hongkong", sagt Leeb.

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