Bürgermeister-Kandidaten vorgestellt

Christoph Ferch - der "Erbe" von Herbert Fux im Tweedjacket

Als Einzelkämpfer sitzt Christoph Ferch seit 2014 im Salzburger Gemeinderat. Er will erneut mit dem Thema Altstadtschutz punkten. Als Aufreger taugt der Rehrlplatz nicht mehr, doch Ferch kämpft weiter.

Den gepflegten Rasen muss ein Roboter getrimmt haben. "Nein, ich mähe selbst", sagt Kulturmanager und Gemeinderat Christoph Ferch und schwärmt: "Die Gartenarbeit ist meine Passion." Er habe sogar den Antrieb des Rasenmähers ausgebaut. "Ich schiebe, dadurch spare ich mir das Fitness-Studio." Auch die Rosen pflegt Ferch mit Leidenschaft. Aus den Quitten, Äpfeln und Birnen von den Obstbäumen kocht er Chutney.

Jetzt kocht Ferch erst einmal Kaffee und serviert ihn im Park des 1783 erbauten Altstadtpalais Neustein in der Salzburger Arenbergstraße. Das Palais ist im Besitz der Familie und wird zugleich als Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt. Den großen Garten vermietet Ferch für Hochzeiten, Empfänge und Banketts.

Hinter dem 58-Jährigen im Tweedsakko mit Hemd und perfekt gebundener Krawatte würde man jedenfalls keinen Hobbygärtner vermuten. Angesichts des 5600 Quadratmeter großen Grundstücks drängt sich eher die Vorstellung eines britischen Landadeligen auf, der gärtnern lässt. Der Park ist übrigens gewidmetes Bauland. Dass es noch immer unbebaut sei, zeige seinen sorgsamen Umgang, sagt Ferch.

Ein unerbitterter Kampf gegen die Verbauung des Rehrlplatzes

Er hat als einziger der sechs Bürgermeisterkandidaten zu sich nach Hause eingeladen. Unmittelbar hinter der Hecke neben dem Swimmingpool liegt der Dr.-Franz-Rehrl-Platz, gegen dessen Verbauung mit Wohnungen und Geschäften Ferch bis heute auch vor Gericht erbittert ankämpft. Der Protest gegen das mittlerweile mehrfach umgeplante und abgespeckte Projekt von Bauträger Cassco hatte Ferch und seiner Liste "Bürger für Salzburg" vor drei Jahren 3,4 Prozent der Stimmen und einen Sitz im Gemeinderat eingebracht.

Mittlerweile regt das Bauvorhaben kaum noch jemanden auf. Projektbetreiber Reinhard Mozigemba will 2018 zu bauen beginnen - sieben Jahre später als ursprünglich geplant. Die Verzögerung hat Cassco bereits drei Mill. Euro gekostet. Ferch gibt sich unter Berufung auf eine Entscheidung der UNESCO im Juli kämpferisch: "Der Baubeginn ist weiter entfernt denn je."

Als zentrales Wahlkampfthema taugt der Rehrlplatz diesmal aber nicht. Der Welterbeschutz bleibe jedoch der "Anker", kündigt Ferch an. Die Bürgerliste habe den Altstadtschutz verraten. Er sehe sich als Mahner in der Stadtpolitik und als Erbe von Herbert Fux: "Ich trete aber nicht so polternd auf, wie er es getan hat, ich bin ein überlegterer Typ." Oft sei er als Student mit Fux im Tomaselli gesessen. "Ich habe bewundernd zu ihm aufgeschaut."

Christoph Ferch anlässlich der Diskussion zur Bürgermeisterwahl 2017 im SN-Saal. SN/Robert Ratzer
Christoph Ferch anlässlich der Diskussion zur Bürgermeisterwahl 2017 im SN-Saal.

Mikrowohnungen seien ein kommendes Thema

Für eine "Sünde" hält Ferch den Abriss des Paracelsusbads: "Das war ein Baujuwel und ein Stück Architektur des Wiederaufbaus." Für den Bau des Bildungscampus Gnigl habe das prachtvolle Schulgebäude aus den 1920er-Jahren weichen müssen: "Immer wieder wird in Salzburg wertvoller Bestand teuer zerstört, um etwas Schlechteres zu bauen."

Die Verbauung der Riedenburgkaserne sei ein trauriges Kapitel. Auch die geplante Pflasterung des Residenzplatzes sei nicht optimal. Er habe der Neugestaltung zwar zugestimmt, weil der Entwurf passabel sei. "Man könnte das aber viel besser machen. Es kann nicht sein, dass der Wendekreis eines 40-Tonners das Maß für die Umgestaltung des Weltkulturerbes ist. " Und sobald man in Wohnsiedlungen "hauptamtliche Befrieder" brauche, stimme das Konzept nicht.

Selbst hat Ferch nie in einer Salzburger Wohnsiedlung gelebt - nach dem Jusstudium wohnte er jedoch im chinesischen Viertel in Hongkong im 20. Stock auf 21 Quadratmetern: "Ich habe in einer Kanzlei Tee gekocht und Akten getragen." Mikrowohnen sei übrigens ein kommendes Thema.

Ferch wurde in der Nähe seiner Villa im alten Diakonissenkrankenhaus geboren. "Es ist eine Gnade, hier aufgewachsen zu sein." 1888 hatte der Großonkel seiner Mutter das Palais gekauft, in dem einst eine Lederfabrik untergebracht war. Heute hat das Palais vier Eigentümer. Ferch hält 25 Prozent an der Neustein Ferch KG, die auch die Geschäftszeile am Äußeren Stein vermietet.

Ein Faible für die Habsburgermonarchie

Auch Zwillingsbruder Michael, er ist Architekt, gehört ein Teil des Hauses. Als Kinder sahen sich die beiden laut Ferch zum Verwechseln ähnlich. "Bevor wir richtig sprechen konnten, haben wir uns in einer eigenen Sprache verständigt." Nach der Volksschule in Parsch und der Unterstufe im Privatgymnasium der Herz Jesu Missionare trennten sich die Wege. Christoph blieb in Liefering, Michael wechselte ins damalige Musischpädagogische Bundesrealgymnasium. Gelegentlich habe er sich an der Stelle seines Bruders dort eingeschlichen, sagt Ferch. "In seiner Klasse saßen auch Mädchen, in meiner nur Burschen."

Seine Frau Alexandra kennt Ferch seit seiner Kindheit. Sie wohnte in der Rennbahnstraße. 1985 wurde geheiratet. Die Kinder Ferdinand, Leopold, Benedikt und Elisabeth sind bereits erwachsen. Ja, er habe ein Faible für die Habsburgermonarchie, räumt Ferch ein: "Aber ich bin durch und durch Demokrat." Im Palais bewohnen die Ferchs 160 Quadratmeter. Im Schloss Mirabell "residiert" Ferch im Zimmer Nummer 108 direkt neben dem Standesamt. Weshalb sich immer wieder Brautpaare in sein Büro verirren. Ferch hat für solche Fälle einen Spruch parat: "Ich gebe euch meinen Segen, wenn ihr mir eure Stimme schenkt."

Er selbst hat zuletzt bei der Nationalratswahl für die ÖVP und Sebastian Kurz gestimmt. "Ich war einer der Ersten auf seiner Unterstützungsplattform." Er habe jedoch nie ein Parteibuch besessen. In Salzburg sieht sich Ferch als objektiver Ratgeber und als neutrale Kraft mit dem Ziel, den besten Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. "Ich muss nicht ständig mit der Parteibrille auf der Nase etwas ablehnen, obwohl es gut ist." Das Amt des Bürgermeisters würde ihm großen Spaß machen, sagt Ferch, der mit ein bis drei Prozent der Stimmen rechnen kann. Emmanuel Macron habe in der ersten Umfrage auch mit 1,8 Prozent begonnen, meint Ferch. "Und ein Jahr später war er französischer Präsident."


Aufgerufen am 21.10.2018 um 08:55 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/christoph-ferch-der-erbe-von-herbert-fux-im-tweedjacket-20405017

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