Politik

Das Land Salzburg macht Ernst mit der Ortskernstärkung

Nun sind die ersten Gemeinden fix, die mit Hilfe des Landes Häuser im Ortszentrum kaufen wollen, um es zu beleben. Aber das ist erst der Anfang.

Die schwarz-grüne Landesregierung hat sich mit ihrem Nein zum Europark-Ausbau sowie zu weiteren Supermarkt-Bauten auf der grünen Wiese Kritik eingehandelt. Als Folge ging die Koalition in die Gegenoffensive: Im Frühjahr 2016 wurde angekündigt, die Gemeinden bei der Belebung ihrer Zentren finanziell zu unterstützen. Zum einen stellte Wohnbaulandesrat Hans Mayr (SBG) fünf Millionen Euro aus der Wohnbauförderung bereit, um den Kauf von leer stehenden Häusern in Ortszentren zu fördern - um dort sowohl Gewerbe als auch Wohnbau unterzubringen. Zum anderen sagte LH-Stv. Astrid Rössler (Grüne) 80.000 Euro pro Jahr zu, um mit Mitteln der Raumordnung Ortskerne vor dem Aussterben zu bewahren.

Nun gibt es die ersten Projekte, bei denen größere Geldbeträge fließen werden. In puncto Immobilien hat Neumarkt die Nase vorn: Dort will die Land-Invest im Auftrag der Stadtgemeinde das Rinnerthaler-Haus in der Hauptstraße kaufen, sagt Bgm. Adi Rieger (ÖVP). Land-Invest-Chef Wolfgang Huber spricht von einem Schätzwert von etwas über zwei Millionen Euro: "Wir haben den Eigentümern bereits ein Kaufangebot gemacht. Seit Ende 2017 wissen wir, dass wir mit 25 Prozent Landesförderung rechnen können." Geplant sei, nach dem Kauf der Salzburg Wohnbau ein Baurecht einzuräumen, sagt Rieger. Die bestehenden Wohnungen in den oberen Geschoßen sollen bleiben: "Im rückwärtigen Bereich, wo die Gemeinde selbst eine Parkfläche hat, wollen wir in Verbindung mit dem Haus ein Parkdeck mit drei Ebenen errichten - mit 150 Parkplätzen." Denn Rieger betont, dass er in puncto Verkehr keine Beruhigung, sondern eine Belebung des Zentrums wolle. Weiters wurde für das noch dem Bund gehörende Bezirksgericht, das nach der Übersiedlung nach Seekirchen 2020 frei wird, eine Nachnutzungsstudie beschlossen: "Fix ist, dass die Polizeidienststelle einziehen soll." Weiters seien Räume für Stadtbücherei, Musikkapelle und andere Vereine geplant. Außerdem wolle man wieder ein funktionierendes Wirtshaus im Zentrum: "Denn der Gasthof Krone ist seit letztem Herbst zu."

Im benachbarten Köstendorf will die Gemeinde mit Hilfe des Landes selbst ein Gebäude mit 650 m22 Nutzfläche ankaufen, sagt Bgm. Wolfgang Wagner (ÖVP): "Das derzeit im Haus eingemietete Geschäft soll dadurch noch gestärkt werden. Und im Obergeschoß wären vier bis fünf Wohnungen möglich. Die Gespräche will der Grundbesitzer aber erst vertiefen, wenn wir vom Land die Zusage für eine Förderung von einem Drittel des Kaufpreises haben."

Im Ortsteil Thumersbach in Zell am See ist hingegen die Bürgerinitiative PRO Thumersbach der große Treiber in puncto Ortskernstärkung: Vor 20 Jahren wurde auf ihren Druck der denkmalgeschützte Lohninghof von der Gemeinde angekauft und zu einem Gasthaus mit Veranstaltungssaal umgebaut. Auf Anfrage der SN berichtet Initiativen-Mitglied Peter Wittner über weitere Pläne mit dem Haus Strasser am Thumersbacher Dorfplatz: "Dort war früher ein Café drin, das aber seit Jahren zu ist. Wir haben als Bürgerinitiative jetzt einen Arzt aus Oberösterreich hergebracht, der in Deutschland arbeitet und das Haus gekauft hat. Er möchte da in ein paar Jahren ein medizinisches Zentrum etablieren und ist bereit, das Café wieder zu reaktivieren." Auch Landesrat Mayr habe sich das Projekt angesehen. "Eine Förderung ist mangels Wohnungen im Haus nicht möglich", sei aber in dem Fall auch nicht nötig, meint Wittner.

In Radstadt gibt es Überlegungen, das Haus, in dem die Pizzeria Picasso eingemietet ist, mit Landesmitteln zu kaufen, sagt Bgm. Josef Tagwercher (ÖVP): "Dort müsste man investieren. Die Wohnungen darüber sind nicht mehr bewohnt. Wirtschaftlich wäre so ein Projekt aber nur mit einem An- oder Aufbau." Noch sei man aber mit dem Eigentümer nicht einig. Weiters arbeite die Gemeinde an einem Wohnforschungsprojekt namens "Neustadt Radstadt": Ziel sei, jene Flächen, die hinter der Lärmschutzwand an der Umfahrung liegen, mit der Altstadt, die von der historischen Stadtmauer umgeben ist, zu verbinden und zu entwickeln, erklärt Tagwercher.

Weitere Ortskernstärkungspläne gibt es in Obertrum - das einen Architekten beauftragt hat, ein Freiraum-Konzept für den Ort zu entwickeln. Und in St. Michael im Lungau gab es Workshops mit einem Gastronomieexperten, um die örtlichen Wirte mit neuen Ideen zu versorgen.

LH-Stv. Rössler betont, dass sie aus ihrem Ressort aufgrund der Nachfrage sogar in Summe 416.000 Euro für 2016/17 für Belebungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt habe. Ihre Politik sieht sie bestätigt: "Seit wir bei der Standort-Verordnung sehr restriktiv sind, erfolgt auch ein Umdenken bei den Handelsketten." Bei der Ortskernstärkung sei man aber erst am Anfang: "Wir sollten mehrere Jahre Erfahrung sammeln und sie vielleicht mit einer Wirtschaftsförderung kombinieren. Aber darin, dass sie sinnvoll ist, sind sich alle einig."

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