Politik

Der Bürgermeister wird's schon richten

Die Frösche quaken zu laut? Die Stadt Salzburg ist zu heiß? Ein Fall für den Bürgermeister, findet so mancher Bürger. Was alles auf Harald Preuners Schreibtisch landet.

 Rächer der Enterbten, Beschützer von Witwen und Waisen: Was alles in ein Bürgermeister-Amt (im Bild der amtierende Harry Preuner) hineininterpretiert wird, zeigen seine Geschäftsfälle.  SW/
Rächer der Enterbten, Beschützer von Witwen und Waisen: Was alles in ein Bürgermeister-Amt (im Bild der amtierende Harry Preuner) hineininterpretiert wird, zeigen seine Geschäftsfälle. 

Nach § 41 des Salzburger Stadtrechts 1966 leitet der Bürgermeister bzw. beaufsichtigt er die Führung der Geschäfte der Stadt und vertritt diese nach außen. Er ist unmittelbarer Vorgesetzter aller Bediensteten im Magistrat. Wie sich das mitunter konkret äußert, verdeutlicht eine Übersicht über einige "Geschäftsfälle":

 1. Hitze in der Stadt:
Während einer der letzten Hitzewellen ein entnervter Anruf im Bürgermeister-Büro: "In Lehen ist es so heiß." - "Und was sollen wir machen?" - Vorschlag: "Ja vielleicht könnt ihr mal einen Spritzenwagen schicken."

 2. Frösche in Nachbars
Garten:
"… haben sich einige Teichfrösche angesiedelt, die Tag und Nacht - besonders nachts - unzumutbaren Lärm verursachen; bis > 70 dB (!) … Mein Vorschlag …, die Frösche mit Kescher zu fangen …"

 3. Düngen eines Bauern
in Morzg:
Anruf mit ultimativer Aufforderung: "Der Bürgermeister soll das sofort abstellen, sonst wähle ich ihn nicht mehr."

 4. Mähen des Gartenamtes:
"Das Gartenamt mäht zu viel, die Böschung kann sich nicht entwickeln!"

 5. Dreckige Stadt am Bei-
spiel der frisch renovier-
ten Getreidegasse,
wobei nicht verabsäumt wird, die eigene Weltgewandtheit zu betonen: "Ich war schon überall auf der Welt, aber die Stadt und ihre Straßen sind so dermaßen dreckig, das ist nicht zu ertragen." Nachfrage: "Wo denn konkret?" "Zum Beispiel die Getreidegasse."

 6. Beschwerde über
Parkstrafe:
Herr W. fasste eine Parkstrafe aus, wollte zunächst nicht bezahlen, musste dann aber feststellen, dass Strafen auch in Deutschland exekutierbar sind. Er bezahlte einen Teil, ein Teil blieb offen. Bevor Herr W. wieder nach Österreich reiste, erging im April 2018 die Anfrage, ob die Sache noch aktuell sei. Die Antwort: "Da nur noch ein geringer Restbetrag der zu zahlenden Strafe offen war, wurde das Exekutionsverfahren bereits im April 2017 eingestellt. Ein Vollstreckungshilfeersuchen ist in Deutschland nicht möglich, wenn die einzubringende Geldstrafe unter dem Mindestbetrag von 25 Euro liegt." Er konnte also beruhigt nach Salzburg reisen.

 7. Schneeräumung:
Der eine regt sich auf, dass bereits um 5 Uhr mit der Schneeräumung begonnen wird, die andere, dass eine Nebenstraße um 10 Uhr immer noch nicht geräumt ist.

 8. Der Bürgermeister
soll die Polizei rufen:
Ein x-beliebiger, gerade beobachteter Missstand wird dem Bürgermeister-Büro mitgeteilt, mit der Aufforderung, das der Polizei mitzuteilen. Die Feststellung, dass es klüger und besser sei, das selbst zu tun, wird regelmäßig mit Unverständnis quittiert.

 9. Schmutz auf
Nachbarflächen:
Regelmäßig wiederkehrend: Der Bürgermeister soll kommen, sich das ansehen und wegräumen.

10. Wohnungsansuchen:
Lauten etwa so: Bin ihr Wähler, tut's was für mich!

11. Weltraumkongress:
Jemand wollte einen Weltraumkongress in Salzburg veranstalten. Der Bürgermeister sollte das Geld, den Veranstaltungsort und die Unterstützung bereitstellen. Im Büro war man überrascht, dass das nichts geworden ist.

12. Verkehr:
Es wird so gerast vs. alles steht im Stau.

13. Hunde gegen Enten:
Tierschutz kann mühsam sein, vor allem, wenn Hunde Enten aufschrecken. Der Bürgermeister soll das verhindern.

14. Salzburger Herzen:
E-Mail eines Salzburger Juweliers: "Hallo! Am 18. und 19. September sind die Regierungschefs von Europa in Salzburg. Würde gerne jedem als Gastgeschenk ein Tauernherz mit Bergkristall schenken. Hab' heuer das 40-jährige Jubiläum. Würde mich freuen. Vielleicht kommst einmal, um sie anzuschauen. Bin der Erfinder der original Salzburger Herzen."

15. Böllerschützen:
S. g. Herr Bürgermeister!
Ich lebe in der Birkensiedlung in Gneis und wir werden neben dem Fluglärm fast jedes Wochenende von Böllerschützen gepeinigt. Diese schießen ab 6 Uhr früh und es wird m. M. nach immer mehr "en vogue". Es ist aber nicht einzusehen, dass wenige Menschen das Recht haben, über vieler Menschen Schlafbedürfnis zu bestimmen. Weil jemand der Schützen heiratet oder den 20., 30., 40., 70. Geburtstag hat, kann es nicht angehen, dass ich zum Opfer werde und meiner Erholung beraubt werde, oder? ...
Darf ich privat auch um 6 Uhr meinen Geburtstag mit Böllern feiern? Bzw. mit gutem Jazz, was meine Leidenschaft wäre …

16. Bettelerlaubnis erbeten:
Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich bin Polizeibeamter und erhalte laut beiliegendem Bescheid keine Gehaltszahlungen von der LPD Niederösterreich. Da meine finanzielle Situation äußerst angespannt ist und ich weiters keine Sozialleistungen erhalte und mein Einkommen 0 Euro beträgt, beabsichtige ich, in Salzburg zu betteln. Bitte teilen Sie mir mit, welche Genehmigungen usw. ich dafür benötige und wo das erlaubt ist.

17. Schreiben an Obama:
Eine Bürgerin machte sich Gedanken über die Kriegsereignisse in Syrien. Der Bürgermeister (damals noch Stv.) sollte das drohende Einschreiten der USA abwenden. Dieser Brief sollte wir ans Weiße Haus übermittelt werden:
"Dear Mr. Obama! Please no war in Syria."

18. Tango Argentino:
Ein Bürger informiert den Bürgermeister über ein Mordkomplott gegen sich, das er deshalb annimmt, weil in seinem Haushalt ohne offensichtlichen Grund immer wieder elektrische Geräte ausfallen. Daher wolle ihn die Hausverwaltung vermutlich ermorden. Der Bürgermeister möge dringend mit ihm in Kontakt treten - nicht schriftlich, nicht telefonisch, sondern direkt unter Verwendung eines Fahrschulautos. An der Haustür soll er an der Gegensprechanlage das Codewort "Tango Argentino" sagen, dann wird ihm geöffnet. Ein Besuch unterblieb in diesem Fall.

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Aufgerufen am 07.12.2021 um 09:06 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/der-buergermeister-wird-s-schon-richten-36815872

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