Politik

Der Nockstein soll die 380-kV-Leitung stoppen

Seltene Vögel könnten den Bau der umstrittenen 380-kV-Freileitung verhindern. Gefordert wird ein Naturschutzgebiet. Jetzt liegt der Fall bei der EU in Brüssel.

Mit einer Beschwerde bei der EU-Kommission hoffen Gegner der geplanten 380-kV-Freileitung, das Projekt doch noch zu Fall zu bringen.

28 Vogelarten mit besonderem Schutzbedarf hat der Innsbrucker Biologe Armin Landmann im Gebiet Osterhorngruppe - Salzburger Kalkvoralpen ausfindig gemacht: davon neun Arten mit national bedeutenden Beständen: Birkhuhn, Auerhuhn, Schwarzstorch, Wanderfalke, Uhu, Sperlingskauz, Grauspecht, Weißrückenspecht und Zwergschnäpper. Als "Diamant" in diesem 519 Quadratkilometer großen Gebiet bezeichnet der Naturkundler das elf Quadratkilometer große Nockstein-Gaisberg-Areal. Vor allem der Wanderfalke fühlt sich im Brutgebiet Nockstein besonders wohl. Das gesamte Gebiet sei ein faktisches Vogelschutzgebiet. Es gelte ein absolutes Verschlechterungsverbot. Das Gebiet müsste also für die neue Leitung tabu sein. Die vom Projektbetreiber, der Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG), beim Land eingereichte 380-kV-Salzburg-Leitung (die von Elixhausen unter anderem über Eugendorf und Koppl bis nach Kaprun führen soll) sei nicht genehmigungsfähig. Das Land hätte schon längst ein Schutzgebiet ausweisen müssen. Landmann sagt, er kenne trotz seiner 40-jährigen Berufserfahrung "kein anderes Gebiet, in dem es auf so kleinem Raum eine so große Vielfalt an Pflanzen und Tieren gibt. In nur zwei Tagen haben wir beispielsweise 13 Fledermausarten nachgewiesen."

Die Gemeinden Koppl und Eugendorf, die Landesumweltanwaltschaft, der Naturschutzbund Salzburg und die Bürgerinitiativen Nockstein-Koppl und Hochkreuz-Eugendorf haben am 6. Juli eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingebracht und diese mit einer 800 Seiten starken fachlichen Dokumentation untermauert. Die Beschwerde trägt den Titel "Verstöße des Landes Salzburg gegen unions-rechtliche Verpflichtungen".

Die Beschwerdeführer berufen sich auf die Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-HabitatRichtlinie (FFH) auf europäischer Ebene. Sie werfen dem Land, also in erster Linie der Landesregierung, vor, diese Richtlinien zu ignorieren und säumig zu sein. Untersuchung liefert Aufschluss über Schätze Umweltanwalt Wolfgang Wiener weiß in der Osterhorngruppe auch von mehreren laufenden Anträgen für kleinere Naturschutzgebiete, die leider endlos hinausgezögert würden, wie die Wiestalau in Ebenau, die alten Eisteiche am Nockstein und der mehr als 250 Jahre alte Sillingbergwald in Strobl. Im vollen Umfang sei die tatsächliche Bedeutung des Gebiets als Rückzugsraum für eine gewaltige Anzahl an streng geschützten Tier- und Pflanzenarten erst durch die jüngsten Untersuchungen bekannt geworden.

Naturschutzbund-Vorsitzender Hans Kutil ist "guten Mutes", dass die Beschwerde Erfolg haben werde. "Das Schutzgebiet muss ausgewiesen werden." Die zwei Gemeinden hätten in der Umweltverträglichkeitsprüfung sehr viel Geld für Gutachten aufgewendet, die eigentlich Aufgabe der früheren Naturschutzabteilung des Landes gewesen wären. Für den Koppler Bürgermeister Rupert Reischl (ÖVP) steht fest: "Für die Bürger unserer Gemeinde ist diese geplante Freileitung undenkbar. Wir werden sie mit allen legalen Mitteln bekämpfen. Das war schon bisher eine Mammutaufgabe, eine finanzielle und organisatorische Herausforderung. Wir haben mächtige Gegner und den Eindruck, dass man über die Bürger drüberfahren will und die Entscheidung hinter den Kulissen längst gefallen ist." Aber die Zeiten des Drüberfahrens seien vorbei. Sein Eugendorfer Amtskollege Hans Strasser (ÖVP) ist überzeugt, "dass wir ganz sicher ein Erdkabel bekommen". Es werde die erste Teilverkabelung in Österreich in einem sensiblen Gebiet. "In Deutschland haben die Spitzenpolitiker erkannt, dass die Zeit der Freileitung in sensiblen Gebieten endgültig vorbei ist. Diese Entwicklung hat Österreich bisher leider verschlafen. Wir werden die Verantwortlichen im Land und im Bund wachrütteln."

Es sei schon die zweite Beschwerde der beiden Nachbargemeinden bei der EU, erläutert ihr Rechtsanwalt Adolf Concin. Die erste wurde im Mai 2014 eingebracht, weil für das 380-kV-Projekt - entgegen dem EU-Recht - keine strategische Umweltprüfung (SUP) durchgeführt worden sei. Das ist eine Vorstufe für die Umweltprüfung. In der SUP könnten zum Beispiel Trassenvarianten ausgelotet werden.

Aufgerufen am 25.05.2019 um 03:28 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/der-nockstein-soll-die-380-kv-leitung-stoppen-2321104

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25. Mai 2019
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