Politik

Deutschkurse für Asyl-Berechtigte: Straffer Unterricht als Erfolgsrezept

Hart aber fair: Auf diese Formel lassen sich die Pflicht-Sprachkurse bringen, die die Stadt Salzburg vor gut einem Jahr für Asylberechtigte in Mindestsicherung startete - in Kooperation mit der Volkshochschule.

Am Dienstag zogen die Verantwortlichen um Vize-Bürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) Bilanz: 80 Prozent der 345 Asylberechtigten haben bislang die sechswöchigen Kompaktkurse bestanden.

Die Absolventen der Kurse erhalten das Sprachzertifikat "A1". Dieses ist Voraussetzung für die Unterstützung durch das Arbeitsmarktservice (AMS) und eröffnet somit eine Perspektive aus der Mindestsicherung.

"Unser Model ist ein Vorbild", sagt Hagenauer. Sie fordert, dass es jetzt bundesweit umgesetzt wird. Denn dies sei deutlich kostengünstiger. Während die Stadt nur 180 Euro pro Kursplatz ausgebe, seien es bei den Kursen des Bundes 885 Euro. "Und das Ergebnis ist aufgrund lascherer Rahmenbedingungen völlig ungewiss", zeigt sie sich skeptisch. 43 Menschen seien durch die Kurse bereits aus der Grundsicherung herausgekommen. So erspare die 95.000-Euro-Investition in die Sprachkurse dem Stadtbudget auf ein Jahr gerechnet eine halbe Million Euro. "Das ist ein kleiner Lotto-Jackpot für die Steuerzahler", sagt Hagenauer.

Die Regeln im Kurs sind streng. Wer unentschuldigt fehlt, dem kürzt die Stadt das Geld aus der Mindestsicherung. Bereits eine mehr als zehnminütige Verspätung gilt als unentschuldigtes Fehlen und wird somit finanziell geahndet. 40 Teilnehmer waren bisher von der Sanktion betroffen. "Das ist kein Streichelkurs. Der Druck muss sein, damit es etwas bringt", meint Dagmar Steiner vom Sozialamt.

Es werde unkompliziert und klar kommuniziert, was Sache ist, erzählt auch VHS-Koordinatorin Ulrike Stefflbauer. Dadurch könnten die Kurse sehr effektiv geführt werden. "Die Kooperation war für alle Seiten gewinnbringend", lobt sie zudem die Zusammenarbeit mit dem Sozialamt.

Einer der das Projekt an vorderster Front betreut, ist Lehrer Hans Dylan Schneeweiß. "Man muss eine große Präsenz zeigen", benennt er das Rezept für einen erfolgreichen Unterricht. Bei 30 Leuten im Kurs gelte es vier Stunden lang immer wieder Disziplin einzufordern. Gleichzeitig dürfe die menschliche Seite nicht zu kurz kommen. Die meisten Teilnehmer seien sehr warmherzig, manche äußerst temperamentvoll, viele sehr fleißig. "Mir taugt es und ich mache es mit Herzblut", bringt er den Grund für sein Engagement auf den Punkt.

Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss. Bald starten die letzten beiden Kurse. Ende November sollen auch sie abgeschlossen sein.

Quelle: SN-Svw

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