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Die ÖVP sorgt sich um die Pflege daheim

Das schwarze Landtagsteam ist mit dem grünen Sozialchef nicht zufrieden. Die Seniorenbetreuung in den eigenen vier Wänden soll noch verbessert werden. Gemeinden setzen viele kleine Initiativen.

Die ÖVP sorgt sich um die Pflege daheim SN/andreas kolarik

Die ÖVP ist mit der Arbeit des grünen Landesrates Heinrich Schellhorn in der Seniorenbetreuung und Pflege nicht zufrieden. Die (höfliche, aber bestimmte) Kritik am Koalitionspartner stand am Mittwoch am Ende der zweitägigen Klausur des ÖVP-Klubs in Zederhaus.

"Wir sind dem Soziallandesrat ein verlässlicher Partner, aber wir haben den Eindruck, dass er diesen Bereich etwas in den Hintergrund gerückt hat. Da passiert uns zu wenig", meinte Landtagsklubobfrau Daniela Gutschi. "Ich werde darauf pochen, dass das Arbeitsprogramm der Regierung umgesetzt wird." Das "hohe Ziel" der Volkspartei ist, dass Senioren möglichst lang daheim bleiben können. "Das gesamte System der Pflege würde ohne die pflegenden Angehörigen zusammenbrechen", sagt Gutschi.

Sie wünsche sich von Schellhorn mehr Initiativen zur Unterstützung und Entlastung der pflegenden Verwandten. Zum Beispiel mit mehr Seniorentageszentren. "Derzeit gibt es im Lungau ein Zentrum in Mauterndorf, demnächst kommt eines in Tamsweg." Die Kurzzeitpflegebetten müssten ausgebaut werden, damit Pflegende wenigstens kurz auf Erholung gehen können. Außerdem sollten diese Angehörigen sozialrechtlich abgesichert werden, auch im Rechtsschutz und in der Haftpflicht.

Mehr als die Hälfte der Pflegegeldbezieher werde zu Hause gepflegt und betreut. Die sozialen Dienste wie Hauskrankenpflege und Essen auf Rädern gehörten gestärkt. Die freie Wahl des Dienstleisters, die es in manchen anderen Bundesländern nicht gebe, müsse in Salzburg bestehen bleiben. Die Wahlfreiheit diene der Qualitätssicherung.

Wohnungen sollen entsprechend umgebaut, z. B. von Stolperfallen befreit und mit neuer Technik (etwa mit automatischem Licht beim Aufstehen) ausgestattet werden. Oft gehe es um kleine, aber wertvolle Initiativen in den Gemeinden. Der Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Manfred Sampl in St. Michael nennt ein Beispiel: "Wir haben seit zwei Jahren einen Sozialfonds aus Spenden von Vereinen, Privaten und Betrieben, damit wir rasch, unkompliziert und anonym helfen können." Seit drei Jahren hat St. Michael einen kostenlosen Verleih von Pflegebetten (derzeit sechs). "Ein Bauhofmitarbeiter bringt das Bett, baut es auf und wenn kein Pflegebedarf mehr besteht, nimmt er es wieder mit", erklärt Sampl. "So können die Bewohner so lang wie möglich zu Hause leben."

Zederhaus hat einen aus Spenden finanzierten Kleinbus, mit dem 15 Ehrenamtliche Besorgungen für betagte Bürger machen.

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