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Die Salzburger S-Bahn braucht neuen Schwung

Die Schnellbahn ist besonders im Süden ein Renner. Die Fahrgastzahlen sind stark gestiegen. Aber es gibt noch einige große Probleme.

Die Salzburger S-Bahn braucht neuen Schwung SN/robert ratzer
Die S-Bahn im Nadelöhr am Pass Lueg

Zwischen Freilassing und Golling nutzen heute doppelt so viele Fahrgäste die S-Bahn wie vor zehn Jahren. Bereits von 2002 bis 2008 hatte sich die Zahl der Passagiere hier verdoppelt.

Die Schnellbahn ist eine Erfolgsgeschichte. Deshalb will auch der Pinzgau eine S-Bahn. Und zwischen dem Tennengau und Pongau verhindert das alte Nadelöhr am Pass Lueg noch bessere Angebote auf der Schiene. Die ÖBB betreiben die S 2 zwischen Straßwalchen und dem Salzburger Hauptbahnhof sowie die S 3 von Bad Reichenhall über Freilassing nach Schwarzach-St.Veit (im bayerischen Abschnitt mit der Berchtesgadener Land Bahn.) Außerdem führen die Salzburger Lokalbahnen sowie die Berchtesgadener die S 1 nach Lamprechtshausen, S 11 nach Ostermiething/OÖ und S 4 von Freilassing nach Berchtesgaden.

Die starken Steigerungen sind nicht zuletzt auf neue Haltestellen in der Stadt Salzburg sowie im Tennengau zurückzuführen. "Die S-Bahn Salzburg ist eine Erfolgsgeschichte. Ein dichtes Netz an modernen Haltestellen sowie ein Halbstundentakt sind die entscheidenden Faktoren für den Zuspruch der Kunden", sagt Christian Spanner, Regionalmanager für die ÖBB-Personenverkehr AG in Salzburg.

Einen weiteren Grund nennt der Bischofshofener Bürgermeister - und ÖBB-Lokführer - Hansjörg Obinger (SPÖ): moderne Fahrzeuge, die klimatisierten Talent-Triebwagen der S-Bahn. Auch der Austausch der Wagen anderer Züge müsse und werde folgen. "Nicht unbedingt attraktiv" seien hingegen die Fahrzeiten im öffentlichen Nahverkehr, die meist in Konkurrenz zum Auto gesehen würden. Auf der längeren Strecke Salzburg - Wien sei diese Frage klar zugunsten der Bahn beantwortet. Die Fahrzeiten zwischen Bischofshofen und Salzburg betragen zwischen 42 Minuten und einer Stunde. Ein neuer Tunnel zwischen Golling und Stegenwald würde die Fahrzeit um wenigstens zehn Minuten verkürzen. Doch diese Modernisierung der Strecke zwischen Golling und Werfen, die allein schon wegen der Sicherheit (etwa bei Hochwasser-, Steinschlag- und Lawinengefahr) notwendig wäre, wurde vom Bund auf unbestimmte Zeit verschoben. Schon vor einem Jahrzehnt gab es Planungsvarianten, von denen eine relativ realistische zirka 190 Millionen Euro gekostet hätte. Obinger an die Adresse der Bundespolitik: "Wir sind dran. Ich gebe sicher nicht auf."

"In der Landesregierung fehlt einer, der den ÖV lebt"

Er bescheinigt der Landesregierung zwar Bemühen. Aber: Es fehle einer, "der den Öffentlichen Verkehr lebt" und der "mit Herzblut" bei der Sache sei.

Während Experten das Zugangebot im Salzburger Zentralraum sowie nach Bischofshofen und Schwarzach - mit Abstrichen - als gut bezeichnen, hinkt der größte Bezirk des Landes, der Pinzgau, hinterher. Angesichts der täglichen Staus auf den Zeller Ortseinfahrten fordert der Pinzgau vehement die Umsetzung der S-Bahn Pinzgau, das heißt einen Halbstundentakt zwischen Saalfelden und Bruck. Zudem soll im Zeller Ortsteil Schüttdorf, der besonders betroffen ist, eine Haltestelle errichtet werden.

Schon 2007 hatten die Grünen die S-Bahn-Idee präsentiert. Die aktuelle Landesregierung nahm das Projekt in ihr Programm auf. Aber Ende 2015 verkündete Verkehrslandesrat Hans Mayr, die S-Bahn habe keinen Sinn. Laut einer Umfrage würden nur drei Fahrgäste zusätzlich pro Zuggarnitur mitfahren. Mayr plädiert stattdessen für schnelle Zugverbindungen vom Pinzgau nach Salzburg und weiter nach Wien.

Pinzgauer fordern geschlossen die S-Bahn

Der grüne Bezirkssprecher Ferdinand Salzmann sagt, man dürfe Nah- und Fernverkehr nicht gegeneinander ausspielen. Die S-Bahn würde dazu beitragen, einen Teil des Verkehrs auf die Schiene zu verlagern und die Situation in Schüttdorf zu verbessern. "Vorplanungen für die S-Bahn liegen seit 2011 in den Schubladen." Er rechnet mit jährlichen Kosten von einer Million Euro. "Davon können Mehreinnahmen durch Fahrgaststeigerungen abgezogen werden. Eine S-Bahn ist positiv besetzt und hat überall zu Steigerungen geführt."

Der Zeller Bürgermeister Peter Padourek (ÖVP) sagt, es müsse gelingen, die S-Bahn umzusetzen. Am vernünftigsten wäre es, sie bis Schwarzach zu führen. Zudem brauche man gute Busanschlüsse bei den Bahnhöfen. Notwendig sei ein klares Bekenntnis zum öffentlichen Verkehr. Wo die Haltestelle Schüttdorf errichtet wird, sei offen. "Man kann mit der S-Bahn aber auch starten, bevor die Haltestelle fertig ist." Der Pinzgauer SPÖ-Chef Walter Bacher zweifelt die von Mayr zitierte Umfrage ebenso wie Salzmann und Padourek an. Er sagt: "Man kann nicht eine Umfrage zu einem Angebot machen, das es noch nicht gibt. Wenn man ein Gesamtkonzept mit schnellen Bussen, die die Bahnhöfe bedienen, macht, kann es funktionieren." Auch Bacher fordert eine Verlängerung bis Schwarzach.

Markus Steiner (FPS) sagt, Mayr habe den Bezirk im Stich gelassen. "Die S-Bahn steht im Regierungsprogramm." Die Verkehrssituation in Schüttdorf sei ein Fiasko. "Der Pinzgau steht geschlossen hinter der S-Bahn."

Die Fahrgastzahl hat sich verdoppelt

Das Projekt S-Bahn Salzburg wurde zur Jahrtausendwende gestartet. Heute fahren S-Bahn-Garnituren vom Salzburger Hauptbahnhof u. a. nach Freilassing, Golling und Straßwalchen. Die Vorzeige-Verbindungen sind der West- und der Südast: 4,2 Millionen Fahrgäste ("Einsteiger") benutzten laut ÖBB im Jahr 2015 die S 3 auf der Strecke Freilassing - Golling mit ihrem 30-Minuten-Takt.
Vor einem Jahrzehnt, im Jahr 2006, waren es rund 2,1 Millionen Passagiere. Seither hat sich die Zahl also verdoppelt.

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