Politik

Die Stadt braucht mehr Schattenseiten

Wenn die ganze Stadt unter der Dauer-Hitzewelle stöhnt, kommen Ideen zur Abkühlung gut gelegen. Martina Berthold von den Grünen, die im Herbst vom Landtag für die Bürgerliste in die Stadtpolitik wechseln will, macht sich nun für mehr Grün in der Stadt stark und meint das nicht nur politisch.

Die aktuelle Hitzewelle heizt Asphaltflächen und Betonwände Tag für Tag noch mehr auf. Da könnten begrünte Hausfassaden, Flachdächer und sonstige Grünflächen ganz natürlich für eine gewisse Abkühlung sorgen. "Die beste Klimaanlage ist nämlich die Natur", betont Martina Berthold. Bis zu drei Grad könnten etwa begrünte Dachflächen die Umgebungstemperatur kühlen. Die grüne Landtagsabgeordnete und Klubobfrau will im Herbst in die Stadtpolitik einsteigen und ihre Ideen schon jetzt an den Mann und die Frau bringen. "Wir brauchen Visionen für die Stadt, die so viel Potenzial hat, damit sie uns auch in Zukunft noch das Paradies bietet wie heute", sagt sie und will mit mehr Grün der Hitze in der Stadt entgegenwirken.

Dabei hat die Stadt schon erste Schritte gesetzt. Mit dem wenig bekannten Projekt "Grüne Dächer/Grün statt Grau" wollten schon vor zwei Jahren Baustadträtin Barbara Unterkofler (Neos) und Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) die Salzburger zu einem Um- bzw. Weiterdenken bewegen, vor allem im Hinblick auf die Probleme beim Versickern von Regenwasser - wegen der starken Verdichtung gibt es keinen Platz für unterirdische Einbauten. Derzeit sind Begrünungen bei jeder Gestaltungsbeiratssitzung sowie den Planungsvisiten immer ein Thema, wie Padutsch betont: "Wir können die Bauherren allerdings nur ermuntern, behördlich vorschreiben können wir es ihnen nicht, außer die Abflusswerte stimmen nicht." Als nächsten Schritt will er an Förderungen denken und ein entsprechendes Budget verhandeln.

Grüne Oasen auf Dächern kühlen nicht nur die Umgebung, sondern wirken auch regulierend bei Regenfällen. Sie speichern Wasser und entlasten die Kanäle. Schon ab einer Aufbauhöhe von sechs bis 15 Zentimetern lassen sich Dächer begrünen. Kräuter, Gräser und Moose, die sich weitgehend selbst erhalten und kaum Pflege benötigen, wachsen auf Flachdächern. Aber auch Fassaden können mehr wachsendes Grün vertragen, weil sie die Gebäude beschatten. "Experten können hier beraten, welche Pflanzen gut geeignet sind und das Mauerwerk möglichst intakt halten." Die Stadt Graz hat beispielsweise mit der Begrünung von Bushaltestellen für einen zusätzlichen Wohlfühleffekt gesorgt.

Der Flächenverbrauch ist enorm. Österreichweit werden täglich um die 15 Hektar (= 24 Fußballfelder) Äcker und Wiesen zubetoniert und damit versiegelt. Berthold geht es um eine "Entsiegelung" und sie plädiert für eine Wiederbegrünung von Einfahrten, Ladezonen, Betonflächen entlang von Gleisen und mehr. "Es geht auch darum, möglichst viele Kleinflächen zu verändern. Der Vorteil liegt auf der Hand: Entsiegelte Flächen sind auch gute Zwischenspeicher bei Starkregen."

Diesen Ideen kann Stadtgartenamt-Leiter Christian Stadler viel abgewinnen. Er verweist jedoch auf eine Vielzahl von nötigen kleinen Puzzleteilchen. "Bäume sind nötig für die Beschattung und sie kühlen auch durch die Verdunstung. Aber sie brauchen genügend Raum für den Wurzelstock und vor allem Zeit, bis sie groß sind. Bei Dach- oder Fassadenpflanzungen müssen jeweils die Rahmenbedingungen, z. B. Statik oder Wuchsverhalten, bedacht werden."

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