Politik

Die Stadt Salzburg sucht ihre Pflegekräfte nun in Süditalien und Spanien

"In Salzburg werden wir es nicht schaffen, den Bedarf zu decken", sagt SPÖ-Stadträtin Anja Hagenauer. Sie fordert für die Pflegebranche außerdem eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die Zuständigkeit dafür sieht sie beim Land.

SPÖ-Stadträtin Anja Hagenauer will, dass sich das Land Salzburg zu einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für Pflegekräfte durchringt. SN/STEFANIE SCHENKER
SPÖ-Stadträtin Anja Hagenauer will, dass sich das Land Salzburg zu einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für Pflegekräfte durchringt.

Wer behaupte, Salzburg könne den Bedarf von 1000 zusätzlichen Pflegekräften bis 2024 im eigenen Land decken, der könne das wohl nicht einmal selbst glauben. Das sagt die Salzburger SPÖ-Stadträtin Anja Hagenauer. Die aus dem Pflegegipfel des Landes - in einigen der zehn Arbeitsgruppen hatte sie selbst mitgearbeitet - hervorgegangenen Maßnahmen bezeichnet sie als "Klein-Klein". "Wir brauchen große Schritte, um hier voranzukommen", betont sie.

Einen solchen Schritt startet die Stadt Salzburg nun selbst: Sie begibt sich in Süditalien und in Spanien auf die Suche nach Pflegekräften. Das Ziel: Innerhalb von sechs Monaten sollen zumindest zehn neue Mitarbeiter gewonnen werden, sagt Christoph Baumgärtner, der Leiter der städtischen Senioreneinrichtungen. 40 Plätze in den städtischen Seniorenheimen könnten derzeit nicht belegt werden, weil das Personal fehle. Auf der anderen Seite stünden 239 Senioren auf der Warteliste für einen Platz. Selbst wenn neue Plätze geschaffen würden: "Wer soll dann dort arbeiten und die Pflege verrichten?", fragt Baumgärtner.

40 Plätze in den städtischen Seniorenwohnheimen können derzeit wegen Personalmangels nicht belegt werden. Gleichzeitig stehen 239 Senioren auf der Warteliste für einen freien Platz. SN/Stefanie Schenker
40 Plätze in den städtischen Seniorenwohnheimen können derzeit wegen Personalmangels nicht belegt werden. Gleichzeitig stehen 239 Senioren auf der Warteliste für einen freien Platz.

In Süditalien und Spanien gebe es ausgebildete Pflegefachkräfte, die keinen Job fänden - um sie will man sich bemühen. Vor fehlenden Sprachkenntnissen haben Hagenauer und Baumgärtner keine Angst. "Da sind wir gut aufgestellt. Wir wissen, wie Integration funktioniert", sagt die Stadträtin und betont, dass Deutschkurse Sache des Arbeitgebers seien. Die Stadt würde demnach nicht nur Dienstzimmer oder Dienstwohnungen zur Verfügung stellen, sondern auch bei der Nostrifizierung der Ausbildung helfen und Deutschkurse zur Verfügung stellen. "Innerhalb von vier bis fünf Monaten ist es möglich, soweit Deutsch zu erlernen, dass man das B1-Niveau erreicht und damit auch einen Beruf ausüben kann", sagt Hagenauer.

Hagenauer: "Immer mehr Bewohner kommen zum Sterben. Wir sind aber kein Hospiz"

Die Stadtpolitikerin betonte einmal mehr, dass sich die Stadt zwar in der moralischen Verantwortung für die Pflege ihrer Bürger sehe, politisch sei Pflege jedoch Aufgabe des Landes. Sie sieht deshalb auch das Land in der Pflicht, sich auf die Suche nach Regionen zu machen, aus denen Pflegekräfte rekrutiert werden könnten. Im Fall, dass sich diese außerhalb der EU befänden, solle das Land entsprechende bilaterale Verträge abschließen. Das sei nichts Neues, Wien habe das vor 40 Jahren getan. Damals habe ein Krankenschwestern-Mangel bestanden, die dann von den Philippinen angeworben worden seien.

Zudem fordert Hagenauer für Pflegekräfte eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Hier solle das Land Salzburg mit gutem Beispiel vorangehen und eine solche 35-Stunden-Woche für alle Pflegekräfte in Seniorenwohnhäusern auf freiwilliger Basis ausverhandeln.

„Oft bleiben die Senioren nur zwei bis drei Monate bei uns, bevor sie dann sterben“, sagt Christoph Baumgärtner. SN/Stefanie Schenker
„Oft bleiben die Senioren nur zwei bis drei Monate bei uns, bevor sie dann sterben“, sagt Christoph Baumgärtner.

Denn: Pflegekräfte in Seniorenheimen seien immer stärkeren Belastungen ausgesetzt, die Krankenstandstage überproportional hoch erklärt Christoph Baumgärtner. Die Menschen kämen später, mit höheren Pflegestufen und oft in einem körperlich oder psychisch sehr viel schlechterem Zustand ins Seniorenwohnhaus als früher. Die durchschnittliche Bleibedauer sei in den vergangenen acht Jahren von rund sieben Jahren auf zweieinhalb bis drei Jahre gesunken. "Oft bleiben die Senioren nur zwei bis drei Monate, bevor sie dann sterben", erklärt er. "Viele kommen zum Sterben. Wir sind aber kein Hospiz, unsere Mitarbeiter sind nicht für die Palliativpflege ausgebildet", ergänzt Hagenauer. Für das Personal, das sich ja bewusst für eine Tätigkeit in der Langzeitpflege entschieden habe, sei das eine enorme Belastung.

Neues Gehaltsschema für Pflegekräfte soll diplomierte Pflegekräfte in städtischen Häusern besser entlohnen

Auch bei der Bezahlung der eigenen Pflegekräfte will die Stadträtin Hagenauer Verbesserungen erreichen. Derzeit würden vor allem Pflegefachassistenten überdurchschnittlich gut bezahlt - der Sprung zur diplomierten Pflegekraft mache sich nach dem derzeitig gültigen und stark an der Verwaltung orientiertem Schema am Berufsanfang nur mit 150 Euro brutto mehr am Gehaltszettel bemerkbar. "Hier wollen wir nachbessern und die diplomierte Pflegekräfte besser entlohnen", sagt Baumgärtner. Derzeit prüfe das Personalressort ein neues neues Pflege-Gehaltsschema.

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