Politik

Ein halbes Jahr Corona in Salzburg: Das Land zieht Bilanz

Am 29. Februar wurde die erste Corona-Infektion in Salzburg bestätigt. Seitdem ist die Kurve steiler geworden und wieder abgeflacht. Derzeit halten sich 172 Infizierte im Bundesland auf. Diesen Wert gab es zuletzt Ende April.

Es gab in den vergangenen sechse Monaten Tage, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben, zum Beispiel das vorzeitige Ende der Wintersaison, als am 15. März die Seilbahnen zusperrten. Oder das Osterwochenende Mitte April, das so ganz anders war als sonst. Auch der 25. März bleibt in Erinnerung, als in Salzburg der erste Patient an Covid-19 verstarb. Der Tag mit den meisten Neuinfektionen war der 26. März, am 2. April wurde die Höchstzahl der aktiv Infizierten mit 833 erreicht. Die meisten behördlich angeordneten Tests gab es mit 1.443 am 29. April, am 10. April gab es mit 78 die meisten an einem Tag Genesenen.


Virus traf anfangs vor allem den Pinzgau und Pongau

Waren im Frühling noch der Pinzgau und Pongau am meisten betroffen, ist das Corona-Virus mittlerweile in den Zentralraum "gewandert". Derzeit gibt es im Land Salzburg 30,8 Infizierte pro 100.000 Einwohner, die Stadt Salzburg liegt mit 41,3 und der Flachgau mit 53,4 deutlich über diesem Wert. Geändert hat sich auch das Alter der Infizierten, sie werden immer jünger. Die größte Gruppe ist derzeit die 15- bis 34-Jährigen, vor ein paar Monaten waren es noch die 35- bis 54-Jährigen.

Stöckl: "Ein langes, intensives halbes Jahr"

"Auch nach einem halben Jahr, das uns vielleicht auch durch die Intensität länger vorkommt, wissen wir eines gewiss: Das Virus ist immer noch unter uns, und wir müssen damit leben", so Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl, und er macht einen Ausblick auf den Herbst: "Ich denke, wir sind gut gerüstet, weil wir viel gelernt haben und schnell reagieren können. Die Spitäler sind gut aufgestellt, auch die Lager mit den Schutzausrüstungen sind ausreichend gefüllt und werden noch aufgestockt." Salzburg wird laut Stöckl die so genannte "Corona-Ampel" des Bundes umsetzen, um dann bezirksweise und situationsgerecht reagieren zu können.

Juhasz: "Die Strategie hat sich bewährt"

Petra Juhasz ist die Landessanitätsdirektorin von Salzburg. SN/APA/BARBARA GINDL
Petra Juhasz ist die Landessanitätsdirektorin von Salzburg.

Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz hat die Gesundheit der Bevölkerung vom ersten Tag an im Fokus, die Strategie dafür hat sich nicht grundlegend geändert. "Nach wie vor gilt es, die Ausbreitung der Krankheit bestmöglich einzudämmen. Dazu gehört, dass wir Infizierte und deren nahe Kontaktpersonen isolieren. So bekommen wir auch die Cluster in den Griff. Aber alles, was wir als Behörden und als Mediziner tun, ist obsolet, wenn der Einzelne nicht mithilft", appelliert Juhasz und wiederholt noch einmal die Grundregeln für jedermann: "Hände waschen, Abstand halten, auch im privaten Bereich. Das würde uns gerade im Herbst enorm helfen, weil dadurch auch andere Krankheiten, die durch Tröpfchen übertragen werden, verhindert werden und das Gesundheitssystem nicht überlastet wird."

Filipp: "Zahlen sind nicht alles"

Gernot Filipp ist Leiter der Landesstatistik.  SN/lmz/wild
Gernot Filipp ist Leiter der Landesstatistik.

Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik, versucht vom Beginn der Pandemie das Geschehen in Salzburg in Zahlen auszudrücken. Seine Grafiken und Statistiken helfen, das teils Unfassbare verständlich zu machen, einzuordnen. "Es gibt hier ein ,Aber'. Zahlen und Fakten sind eine wichtige Entscheidungsgrundlage und geben uns die Möglichkeit zu vergleichen, aber: Sie können nicht ausdrücken, wie es uns menschlich mit dem Virus geht, wie es uns verändert hat", so Filipp.

Reproduktionszahl wieder bei 0,95

Wie viele Menschen infiziert ein Erkrankter? Das war und ist die Gretchenfrage, wenn es um die Ausbreitung der Infektionen geht. Alles unter dem Wert 1 war und ist laut Politik dabei erstrebenswert, sprich eine Person steckt weniger als eine weitere an, die Zahl der aktiv Infizierten geht zurück. "Derzeit liegen wir in Salzburg bei einer Reproduktionszahl von 0,95 und damit erstmals seit Anfang August wieder unter 1", sagt Gernot Filipp.

Quelle: SN

Aufgerufen am 28.01.2021 um 01:25 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/ein-halbes-jahr-corona-in-salzburg-das-land-zieht-bilanz-92116993

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