Politik

Eine Aufwertung für das Mahnmal gegen das Vergessen am Salzburger Hauptbahnhof

Das Antifaschistisches Mahnmal am Südtiroler Platz wurde renoviert. Das Ergebnis: Mehr Information, mehr Licht und eine ansprechendere Umrahmung. Die Kosten für das ressortübergreifendes Projekt betrugen 115.000 Euro. Das

Seit 2002 steht das Antifaschistische Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Westen des Bahnhofsvorplatzes - eingebettet in den Hain. "Die Stadt Salzburg bekennt und betrauert ..." So beginnt die Inschrift an der Decke des Mahnmals. Neben dem Respekt vor allen Opfern wird auch daran erinnert, dass sich Bürgerinnen und Bürger der Stadt an den Verbrechen des Faschismus mitschuldig gemacht haben. Bei einem gemeinsamen feierlichen Gedenkakt am Mittwochabend wurde das renovierte Mahnmal und der neu gestaltete Hain seiner Bestimmung übergeben.

"Wir müssen mehr tun, als vielleicht angenehm ist"

Vizebürgermeister Bernhard Auinger: "Als Stadt sind wir in der Verpflichtung, Zeichen gegen Faschismus und Antisemitismus zu setzen. Dafür müssen wir mehr tun als vielleicht angenehm ist. Denn es darf nicht angenehm sein. Wir müssen erinnern, mahnen, vermitteln, lehren, den Finger in die Wunde legen und für ein ,Nie wieder' Sorge leisten." Stadträtin Martina Berthold: "Mit dem Gedenkakt setzen wir als Salzburger Stadtregierung 75 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs ein klares Zeichen gegen die Gräueltaten des NS-Regimes. Für die bessere Sichtbarkeit des Antifaschismus Mahnmals und die Sanierung des Hains haben alle Ressorts sehr gut zusammengearbeitet. Das Mahnmal am Bahnhofsvorplatz kann damit noch mehr zum demokratischen Treffpunkt werden."

Eine helle Schotterdecke aus Unkener Dachsteinkalk

In wenigen Wochen wurde das von Künstler Heimo Zobernig aus Wien entworfene Mahnmal generalsaniert. Die zuletzt 2012 installierte Beleuchtung wurde verbessert. Zudem hat die Stadt neue Strahler installiert, eine neue helle Schotterdecke aus Unkener Dachsteinkalk am Hain selbst integriert sowie die Rad-Abstellanlagen neu angeordnet. Die neue Infotafel mit deutschem und englischem Text wurde vom Stadtarchiv erarbeitet, um die historischen Hintergründe und künstlerische Intention des Mahnmals zu erläutern und zu informieren. Die Stadtgärten übernahmen die Baumpflege, das Straßen- und Brückenamt die Installations- und Sanierungsarbeiten sowie die Beleuchtung. Die Gesamtkosten für die Arbeiten - inklusive Leitungslegung und Nivellierung sowie Bodenaufbringung - belaufen sich auf rund 115.000 Euro.

Der Bahnhof als Knotenpunkt des Kommens und Gehens

Die Errichtung eines antifaschistischen Denkmals war Mitte der 1980er Jahre Teil des Wettbewerbs für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. 2001 startete ein internationaler Wettbewerb, aus dem Heimo Zobernigs Entwurf als Siegerprojekt hervorging. Das Denkmal symbolisiert den Charakter des Bahnhofs als Knotenpunkt des Kommens und Gehens. Diesen Platz überquerten viele zur Deportation bestimmte Juden, Roma, Sinti politische Gefangene und "Schutzhäftlinge" auf ihrem Weg zu ihren Hinrichtungsstätten.

Der vierte, fehlende Pfeiler ist eine Botschaft

Das Mahnmal ist als Hütte gedacht, als Wartehäuschen vielleicht. Es besteht aus einer Bodenplatte, drei Pfeiler halten die Dachplatte. Der fehlende vierte Pfeiler nimmt dem Mahnmal seine statische Sicherheit, es könnte jederzeit einstürzen. Ein bronzener Kopf am oberen Ende des dritten Pfeilers gibt der Dachplatte den nötigen Halt. In diese ist auch der Widmungstext eingraviert, in dem sich die Stadt Salzburg schuldig bekennt und die Opfergruppen benennt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.09.2020 um 03:57 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/eine-aufwertung-fuer-das-mahnmal-gegen-das-vergessen-am-salzburger-hauptbahnhof-92327245

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