Politik

Energiewende in Salzburg: Neue Heizwerke allein werden nicht reichen

Mittlerweile gibt es 151 Nahwärme-Heizwerke. Am Ausstieg aus Öl und Gas und dem Bau von Windkraftwerken führt trotzdem kein Weg vorbei. Denn 41 Prozent der Energie stammen aus Öl.

Das jüngste Biomasse-Heizwerk ging kürzlich in Hof in Betrieb. Im Bild von links: Landesrat Josef Schwaiger, Heizwerk-Vizeobmann Sebastian Enzinger, Bgm. Thomas Ließ. Rechts im Kran: Heizwerk-Obmann Thomas Höfner.  SN/lmz/neumayr
Das jüngste Biomasse-Heizwerk ging kürzlich in Hof in Betrieb. Im Bild von links: Landesrat Josef Schwaiger, Heizwerk-Vizeobmann Sebastian Enzinger, Bgm. Thomas Ließ. Rechts im Kran: Heizwerk-Obmann Thomas Höfner.

Viele der damals rund 140 Biomasse-Heizwerke in Salzburg hatten 2011/12 massive wirtschaftliche Probleme: Hintergrund war, dass viele Anlagen mit zu niedrigen Wärmepreisen und mangelhaften Indexbindungen kalkuliert hatten, wie Energielandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) erläutert. Daher mussten manche Heizwerke neue Betreiber finden und oft freiwillige Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent durchsetzen. Außerdem wurde kräftig investiert, um die jeweiligen Nahwärmenetze auszubauen und damit die Effizienz der Anlagen zu erhöhen. So wurden seit 2013 in Summe 20,5 Mill. Euro von Land, Gemeinden, Banken und bäuerlichen Genossenschaften in die Hand genommen, um die mittlerweile 151 Heizwerke, die in 90 Gemeinden stehen, technisch zu optimieren.

Die jüngste Anlage, die im Herbst 2017 ans Netz ging, steht in Hof: Sie kostete rund 2,3 Mill. Euro, kann mittels Handy gesteuert werden und wurde im Vergleich zur 1990 errichteten Vorgängeranlage optimiert. Das neue Werk hat seine jährliche Wärmemenge auf 3700 Megawattstunden mehr als verdoppelt und beliefert 45 Haushalte, Betriebe und Gemeindeeinrichtungen - und soll sich binnen 15 Jahren amortisieren. Geführt wird das Werk von einer Genossenschaft aus zehn Waldbauern. Obmann Thomas Höfner: "Pro Jahr sparen wir mit der Anlage 800 Tonnen CO2 ein." Landesweit werden durch die Biomasse-Nahwärmeanlagen, die mittlerweile 10.000 Objekte in Salzburg beheizen, sogar 300.000 Tonnen CO2 eingespart, sagt Schwaiger.

Sorgenkind in der Landesenergiebilanz ist aber weiter das Erdöl - das mit 41 Prozent immer noch Hauptenergielieferant ist. Schwaiger: "In Salzburg werden 700 Millionen Euro jährlich für den Import von Öl und Gas ausgegeben. Wir haben immer noch rund 50.000 Ölheizungen." Allein 36 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs macht der Verkehr aus - dominiert von Diesel und Benzin.

Ist also angesichts dieser Zahlen das Potenzial der Biomasse-Heizwerke schon ausgereizt? Höfner ortet als Obmann der Anlage in Hof hier immer noch Überzeugungsbedarf: "Ich finde es erschütternd, wie begeistert viele Leute immer noch von ihrer Ölheizung sind. Viele glauben, ihr alter Kessel läuft ewig."

Schwaiger betont, dass 2017 bereits 48,5 Prozent des Gesamtenergiebedarfs aus erneuerbaren Quellen - also Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik - kam. Den Ausstieg aus den Ölheizungen will er defensiv angehen: "Ein Verbot würde nichts bringen. 2017 wurden nur mehr drei neue Ölheizungen in Neubauten eingebaut. Wir wollen hier aber soziale Härten vermeiden." Denn nicht jeder könne sich auch eine neue Heizung leisten. Schwaiger setzt hingegen auf den Ausbau der Windkraft: Da gebe es neben dem Projekt in Weißpriach (acht Rotoren) "auch noch ein zweites Projekt mit fünf Windrädern, das nicht im Lungau liegt, das in den Startlöchern steht." Denn jeder Rotor liefere Strom für rund 2000 Haushalte. Außerdem räumt er ein, dass das Land bei der thermischen Sanierung das jährliche Ziel von drei Prozent des Wohnungsbestandes nur zur Hälfte erreicht.

LH-Stv. Astrid Rössler (Grüne) will speziell beim Verkehr ansetzen: "Wir brauchen einen Qualitätssprung bei den Öffis: Landesweite Tickets; bessere Fahrpläne und eine Stadtregionalbahn. Da müssen wir schnell eine Planungsgesellschaft gründen und in Wien Geld lukrieren." Außerdem müsse neben dem Öl auch früh genug der Ausstieg aus dem Erdgas geplant werden - und die Abwärmenutzung forciert werden. Denn für den neuen Eigentümer von Schweighofer Fiber in Hallein habe der Bau einer zweiten Wärmeschiene nach Salzburg keine große Priorität. Rössler: "Und die Salzburg AG muss sich auch einmal entscheidet, ob sie sich dem Masterplan Energie des Landes verpflichtet fühlt. Denn es gibt da Ausbau-Szenarien für die Erdgas-Versorgung. Ich wünsche mir, dass die sich aber auch Gedanken machen, wie sie aus den fossilen Energieträgern aussteigen. Denn die Fernwärme der Salzburg AG wird zu 60 bis 70 Prozent aus Erdgas erzeugt."

Gesamtenergieverbrauch: Öl ist weiterhin der wichtigste Energielieferant

Die Statistik des Landes (Stand 2016) zeigt: Erdöl ist mit 29.889 Terrajoule (TJ) oder rund 41 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs weiterhin Energielieferant Nummer eins im Bundesland - nicht zuletzt wegen des Verkehrs. Dahinter folgt die Biomasse mit 18.990 Terrajoule bzw. 26,5 Prozent. Sie hat seit 2005 die Wasserkraft (13.511 TJ bzw.18,5 Prozent) auf Platz drei verdrängt. Auf Platz vier liegt das Erdgas mit 9810 TJ bzw. 13,5 Prozent. Weit abgeschlagen sind die sonstigen erneuerbaren Energieträger (Photovoltaik, Windkraft) mit 1,6 Prozent und Energie aus Kohle (0,7 Prozent). Allerdings: In puncto Stromhandel ist Salzburg mittlerweile vom Netto-Importeur zum Netto-Exporteur (2016: 952 TJ) geworden.



Aufgerufen am 14.10.2019 um 02:38 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/energiewende-in-salzburg-neue-heizwerke-allein-werden-nicht-reichen-24484096

Kommentare

Schlagzeilen