Mittwochfrüh entdeckten Mitarbeiter des Gartenamtes den aktuellsten Akt der Zerstörung: Die Scheiben das Euthanasie-Mahnmals wurden von unbekannten Tätern eingeschlagen. Das Landesamt Verfassungsschutz ermittelt. Leiter Hermann Rechberger machte sich am Mittwochvormittag am Tatort ein Bild. "Wir haben leider noch keine Hinweise auf die Täter. Sie dürften zwischen Mitternacht und 6.45 Uhr zugeschlagen haben", erzählt er. Als Tatwerkzeug vermuten die Ermittler einen Nothammer.Schaden: "Ich bin tief erschüttert."Als "äußerst abstoßende Schandtat und Anschlag auf die Mitmenschlichkeit" reagierte Bürgermeister Heinz Schaden auf die Tat: "Ich bin tief erschüttert." Nach den Stolperstein-Schändungen und den Nazi-Schmieraktionen in vielen Stadtteilen sei dies ein weiterer unerträglicher Vorgang. "Besonders weh tut mir, dass hier symbolisch nochmal auf eine besonders verletzliche Opfergruppe des NS-Terrors hingehauen wurde. Nämlich auf hunderte Patienten der damaligen Salzburger Nervenheilanstalt, die von NS-Schergen mitleidlos getötet wurden." Die Schäden am Mahnmal werde man umgehend beseitigen, verspricht Schaden. Allerdings könnte das schwierig werden. Im zuständigen Magistrat kann man derzeit noch nicht sagen, ob das Mahnmal überhaupt wieder in Stand gesetzt werden kann oder komplett erneuert werden muss.
Zwischenzeitlich wird es zum Schutz vor der Witterung abgedeckt. Vizebürgermeister Harry Preuner reagiert ebenfalls betroffen: "So etwas ist abscheulich und nicht tolerierbar. Offensichtlich haben manche aus der Geschichte nichts gelernt. Ich hoffe, dass die Täter rasch dingfest gemacht werden können."
Ingeborg Haller, Gemeinderätin der Bürgerliste und Mitglied des Personenkomitees "Stolpersteine", nimmt nun die Polizei in die Pflicht: "Nazischmierereien, zuletzt auch im KZ-Mauthausen, gehören beinahe zur Tagesordnung. Das muss ein Ende haben. Landespolizeidirektor Ruf ist aufgefordert, genügend Personal zur Verfügung zu stellen, dass diese Schandtaten endlich rasch ein Ende haben und der oder die Täter dingfest gemacht werden." Demonstration als Hintergrund? Ein möglicher Hintergrund der Tat: Die Freiheitlichen veranstalteten Mittwochabend im Salzburger Stieglkeller eine "Kundgebung zur EU-Wahl". Parteiobmann Heinz-Christian Strache und EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky waren anwesend. Die "Plattform gegen Rechts" hatte aus diesem Anlass bereits vor einiger Zeit für Mittwochabend zur Kundgebung "Gemeinsam gegen rechte Hetze" aufgerufen. Ausgangspunkt war eben das Euthanasie-Mahnmal.
Die Demonstration fand wie geplant statt. "Das sind keine Einzelpersonen, da steckt ein System dahinter. Das ist nicht nur eine Sachbeschädigung, sondern ein Angriff auf die Demokratie", kommentierte Daniel Winter von der "Plattform gegen Rechts" die Mahnmal-Beschädigung. "Der Vorfall zeigt, wie wichtig unsere Demonstrationen sind. Wir lassen uns nicht einschüchtern, Die Zivilgesellschaft muss ein Zeichen setzen. Es braucht einen gesellschaftlichen Schulterschluss: Wir wollen keine menschenfeindlichen Tendenzen."500 Patienten getötet Das Mahnmal erinnert an die rund 500 Patienten der damaligen "Landesheilanstalt für Geistes- und Gemütskranke". Sie waren im Jahre 1941 im Rahmen der "Aktion T4" nach Schloss Hartheim bei Linz gebracht und dort getötet worden. Der "Arbeitskreis Psychiatrie" initiierte das Mahnmal 1987. Vier Jahre später gewann der junge Linzer Künstler Otto Saxinger einen dazu ausgerufenen Gestaltungswettbewerb. Noch im selben Jahr wurde das Euthanasie-Mahnmal enthüllt. Die rechteckige Stele ist dreifach gegliedert: Sie setzt mit einem Granitsockel an, auf dem ein Glaskörper aufgesetzt ist. Dieser ist mit Asche bis zu einer eingravierten Jahresmarke 1991 gefüllt. Über dieser Markierung bleibt der Glaskörper durchsichtig. Immer wieder Nazi-Schmieraktionen In den vergangenen Monaten war es in der Stadt Salzburg immer wieder zu Nazi-Schmieraktionen und Schändungen von Denkmälern gekommen. Im Zeitraum von Anfang Mai wurden erneut "Stolpersteine" beschmiert worden, bestätigte Hermann Rechberger. Die Täter habe man noch nicht ausgeforscht. Die Pflastersteine erinnern an jüdische Salzburger, die während der NS-Zeit vertrieben wurden und dann umkamen. Seit rund einem Jahr sind die Gedenksteine Ziel von rechtsextremen Attacken. Zwei hauptverdächtige Burschen im Alter von 20 und 21 Jahren wurden im Vorjahr ausgeforscht, gegen sie läuft ein Strafverfahren.
Ebenfalls Anfang Mai wurde auf die Türe der Notschlafstelle der Caritas, wo Bettler untergebracht werden, das Wort "KZ" geschmiert. Auch hier wird noch nach den Tätern ermittelt. Der rechtsextremen Aktion war eine Hetze gegen Roma-Bettler in Salzburg auf Facebook vorangegangen. "Diese Facebook-Seite wurde mittlerweile geschlossen", sagte Rechberger. Standortdiskussion in Goldegg Probleme anderer Art gibt es mit einem geplanten Denkmal zum 70. Jahrestag des Anschlags durch die "SS" auf eine Gruppe Wehrmachtsdeserteure in Goldegg im Salzburger Pongau. Am 2. Juli 1944 wurden die Männer in ihrem Versteck aufgespürt. Mindestens 14 Menschen starben, zahlreiche Gemeindebürger wurden in Konzentrationslager gebracht. Da Uneinigkeiten über den Standort für den Gedenkstein herrschen, wird das privat finanzierte Denkmal vorerst nicht aufgestellt.
Der Bürgermeister des Ortes plädierte für eine Aufstellung beim Böndlsee, wo sich die Deserteure versteckt hielten. Eine Angehörige des damaligen Widerstandkämpfers Karl Rupitsch sprach sich hingegen für einen Standort im Hof des Schlosses Goldegg aus, weil der Böndlsee zu abgelegen sei. Der Grüne LAbg. Cyriak Schwaighofer, Obmann des Kulturvereins Goldegg, schlug einen breiten Dialog-Prozess zur Aufarbeitung der Geschehnisse vor, um dann einen würdigen Gedenk-Platz zu finden.















