Politik

Ex-Kanzler Schröder in Salzburg: "EU braucht Russland und Türkei"

Deutliche Kritik an der deutschen Regierung und der europäischen Politik gab es in Salzburg:

Ex-Kanzler Schröder in Salzburg: "EU braucht Russland und Türkei" SN/APA (epa)/MARKUS SCHREIBER
Der frühere deutsche Kanzler Gerhard Schröder. (Archivbild)

Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder halte die Sanktionen gegenüber Russland für falsch, sagte der ehemalige Politiker bei der traditionellen Frühsommerveranstaltung der Deutschen Handelskammer in der Salzburger Residenz.

Wenn die Regierungschefs aber die Sanktionen aufrechterhalten wollen, sollten sie "nicht zu feig sein, sich selbst hinzustellen und es ihren Bevölkerungen zu erklären", sagte Schröder. Er sprach sich für eine deutliche Entspannungspolitik gegenüber Russland aus und für eine Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, denn "Europa braucht die Türkei und Russland vor allem sicherheitspolitisch". Darin unterscheide es sich von den USA, für die Russland nur ein Faktor auf der globalen Bühne sei.

Es sei deshalb ein schwerwiegender Fehler gewesen und habe die nötige Sensibilität vermissen lassen, wenn ausgerechnet im Jahr des Gedenkens an den deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 Deutschland die Führung von NATO-Verbänden an der russischen Grenze übernommen habe. Schröder sah damit eine Spirale in Gang gesetzt, die die Ostpolitik der Kanzler Helmut Schmidt und Willy Brandt in Mitleidenschaft ziehen könne.

Wenn Europa gegenüber den USA und China nicht absacken wolle, brauche es noch mehr Integration, denn nur als Gemeinschaft habe es Chancen im globalen Wettbewerb zu bestehen, sagte der sozialdemokratische Ex-Kanzler. "Es muss daher eine Europa der zwei Geschwindigkeiten geben, mit der Euro-Zone als Kern."

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