Politik

Feuerbestattungen: Die Stadt könnte mehr Gewinn machen

Der Trend zu Einäscherungen hält an. Das Kontrollamt empfiehlt der Stadt, das Krematorium künftig selbst zu betreiben. Denn der Tod bringt Geld.

364 Euro. So hoch ist der Tarif für eine Einäscherung im Krematorium der Stadt Salzburg, exklusive Umsatzsteuer. Makaberes Detail: Wer über 160 Kilogramm wiegt, für den wird es teurer. Dann wird nämlich ein Zuschlag von 182 Euro fällig, weil es verstärkte Einfuhrschienen und eine längere Dauer zur Einäscherung braucht. Aber das war 2014 nur fünf Mal der Fall. In Summe zählte man 2014 rund 3500 Einäscherungen.

Stadt erhält 34 Prozent der Einnahmen

Das städtische Kontrollamt hat am Freitag einen Prüfbericht zum Krematorium am Kommunalfriedhof veröffentlicht und dabei errechnet, wie wirtschaftlich das Krematorium geführt wird. Die Stadt Salzburg betreibt das Krematorium zwar, gehören tut es aber dem Wiener Verein (Wiener Verein Bestattungs- und Versicherungsservicegesellschaft mbH). Dieser Verein hat mit der Stadt Salzburg seit 1931 einen (immer wieder verlängerten) Baurechtsvertrag und gleichzeitig einen Betriebsführungsvertrag. Die Stadt hat zuletzt 118.000 Euro Gewinn lukriert. Denn die Stadt erhält für die Führung des Krematoriums 34 Prozent der Einnahmen - zwei Drittel der Erlöse gehen an den Wiener Verein.

Halbe Million Euro mehr wäre möglich

Das Kontrollamt stellt nun fest, dass die Stadt eine halbe Million Euro mehr Gewinn machen würde, würde sie das Krematorium selbst betreiben und Leichen verbrennen. Das kritisiert auch die FPÖ. Klubobmann Andreas Reindl sagt: "Anhand der vorliegenden Zahlen ist Vizebürgermeister Harald Preuner aufgefordert unverzüglich in Verhandlungen mit dem Wiener Verein zu treten. Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, aus dem Vertrag vorzeitig auszutreten. Immerhin kann die Stadt jährlich um 500.000 Euro mehr an Einnahmen lukrieren". Preuner entgegnet, er sei ja nicht "auf der Brennsuppe daher geschwommen". Der Baurechtsvertrag laufe bis 2024, da könne man nicht so einfach aussteigen. Und selbst wenn man Betriebsführungsvertrag kündige, könne man das Gebäude dann nicht nutzen bis 2024. "Die Konsequenz wäre also, dass die Stadt ein zweites Krematorium bauen müsste. Was hätte denn das für einen Sinn?", sagt Preuner. Dass es von Vorteil wäre, das Krematorium selbst zu betreiben, stimme. Das werde man sich in Hinblick auf 2024 auch ansehen.

Österreichweit an dritter Stelle

Mit rund 3700 Einäscherungen pro Jahr liegt das Salzburger Krematorium hinter Wien (ca. 6500) und Graz (ca. 4000) an dritter Stelle. Die Anzahl der Einäscherungen stieg in Salzburg nach der Freigabe der Feuerbestattung für Katholiken durch das Zweite Vatikanische Konzil im Jahr 1965 von rund 500 pro Jahr auf 4000 bis zum Jahr 2000.

Nachdem Krematorien in Innsbruck (1999) und Traunstein (2001) in Betrieb gingen, sanken die Zahlen. Mittelfristig wird aber von rund 3500 Einäscherungen pro Jahr in der Stadt Salzburg ausgegangen. Wobei die Kapazitätsgrenze für die beiden Öfen im Krematorium der Stadt Salzburg bei 4000 Einäscherungen pro Jahr liegt.

Kontrollamt: Abwärme nutzen

Eine weitere Empfehlung spricht das Kontrollamt auch noch aus. Die Abwärme durch den Betrieb des Krematoriums könne man nützen, das sei auch in Deutschland und der Schweiz üblich. Die rund 600.000 kW, die man dadurch jährlich gewinne, würden Gastkosten von 35.000 Euro entsprechen.

Aufgerufen am 20.11.2018 um 09:01 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/feuerbestattungen-die-stadt-koennte-mehr-gewinn-machen-874147

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