Politik

Bayern-Wahl: "Wir bräuchten so einen wie euren Kanzler Kurz"

Die Bayern wählen in vier Tagen eine neue Staatsregierung. Die CSU steckt im Umfragetief. Das zeigt sich auch bei einem Rundgang in Salzburgs Nachbarstadt Freilassing.

„Bayern steht so gut da wie noch nie“, sagt Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher (CSU). Dennoch ist seine Partei bei der Landtagswahl am Sonntag in der Wählergunst deutlich abgestürzt.  SN/haimerl
„Bayern steht so gut da wie noch nie“, sagt Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher (CSU). Dennoch ist seine Partei bei der Landtagswahl am Sonntag in der Wählergunst deutlich abgestürzt.

Seit 60 Jahren ist Anton Huber aus Freilassing Anhänger der CSU. "Alleine werden die Christsozialen nach der Landtagswahl am Sonntag nicht mehr regieren können, das ist vorbei", sagt der Pensionist und verhehlt seinen Ärger über den drohenden Verlust der absoluten Mehrheit nicht. Nur 33 Prozent der Stimmen werden der CSU nach den jüngsten Umfragen prognostiziert. Das wäre ein desaströses Ergebnis. Auf Platz zwei liegen derzeit die Grünen mit 18 Prozent, vor der rechtsgerichteten Alternative für Deutschland (AfD) mit 14 Prozent.

Ein Bayern ohne starke CSU ist für Huber unvorstellbar. "Saublöd" sei das Hickhack zwischen Ministerpräsident Markus Söder und seinem Parteichef, Bundesinnenminister Horst Seehofer. "Der Seehofer gehört weg", meint der Freilassinger. Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Söder imponiert ihm - vor allem seit der CSU-Spitzenkandidat ihm beim Neujahrsempfang in Freilassing im Jänner die Hand geschüttelt hat.

Noch einer imponiert Huber: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). "Mit ihm habt ihr den Besseren als wir mit Kanzlerin Angela Merkel."

Floristin Gabriele Fries hält von der gesamten Staatsregierung nichts. "Die CSU wird bei der Wahl richtig einfahren." Ob sie überhaupt wählen geht, weiß die Blumenhändlerin noch nicht. "Ich glaube keiner Partei mehr, die Politiker sollten eigentlich für die Menschen da sein, sie sind aber nur mit sich selbst beschäftigt." Bei der Bundestagswahl 2017 hat Fries die AfD gewählt. "Ich bin Alleinerzieherin und rackere den ganzen Tag, damit ich die Miete und meinen Lebensunterhalt bezahlen kann." Und viele Alte, die Deutschland nach dem Krieg aufgebaut hätten, müssten in Sozialmärkten einkaufen.

Die 89-jährige Hanna Heine wird die CSU wählen. „Ich werde für die neue Regierung in Bayern beten.“   SN/haimerl
Die 89-jährige Hanna Heine wird die CSU wählen. „Ich werde für die neue Regierung in Bayern beten.“
Christine Günther vermisst in der Politik christliche Werte. „Die Menschen müssen zählen.“   SN/haimerl
Christine Günther vermisst in der Politik christliche Werte. „Die Menschen müssen zählen.“
Vor 18 Jahren ist der Kurde Samad Kader Aziz aus dem Nordirak geflohen. Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft, wird aber nicht zur Wahl gehen. Die AfD habe mit Vielem recht.   SN/haimerl
Vor 18 Jahren ist der Kurde Samad Kader Aziz aus dem Nordirak geflohen. Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft, wird aber nicht zur Wahl gehen. Die AfD habe mit Vielem recht.

Offen bekennt sich beim SN-Rundgang in Freilassing kaum jemand zur AfD. Die Partei hat dort aber offenbar viele Anhänger. Bei der Bundestagswahl 2017 schnitt die AfD in Freilassing mit 16,6 Prozent so gut ab wie sonst nirgendwo im Wahlkreis Traunstein/Berchtesgadener Land .

In vielen Punkten liege die AfD richtig, meint eine ehemalige Mitarbeiterin der Drogeriekette Müller in Freilassing. Sie wird wohl die Grünen wählen. "Die AfD ist mir dann doch zu krass." Ihr mache diese Partei Angst, meint ihre Begleiterin. Sie wird wahrscheinlich der SPD die Stimme geben.

Die CSU kommt auch für die Dritte im Bunde der Damenrunde nicht infrage. "Der Söder ist als Nachbar sicher ein netter Kerl, aber als Politiker ist er arrogant." In einem Punkt ist das Frauentrio einig: An der Spitze Bayerns müssen neue Gesichter her. "Wir bräuchten so einen wie euren Kanzler Kurz, er ist fesch, sympathisch und jung."

Floristin Gabriele Fries ist sauer auf die Regierung im Freistaat Bayern. „Die denken nur an sich, nicht an die Menschen.“  SN/haimerl
Floristin Gabriele Fries ist sauer auf die Regierung im Freistaat Bayern. „Die denken nur an sich, nicht an die Menschen.“
Das Trio ist noch unschlüssig: Katharina Hranz, Hedwig Niedermeier und Elke Schwangler.   SN/haimerl
Das Trio ist noch unschlüssig: Katharina Hranz, Hedwig Niedermeier und Elke Schwangler.
Anton Huber ist überzeugter CSU-Wähler. „Ministerpräsident Markus Söder hat mir im Jänner die Hand geschüttelt und Grüß Gott gesagt.“   SN/haimerl
Anton Huber ist überzeugter CSU-Wähler. „Ministerpräsident Markus Söder hat mir im Jänner die Hand geschüttelt und Grüß Gott gesagt.“

Dass die Absolute für die CSU nicht mehr drin ist, weiß auch Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher (CSU). "Ich hoffe, dass der Denkzettel nicht zu drastisch ausfällt." Verstehen könne er die Skepsis nicht. "Bayern steht so gut da wie noch nie. Aber wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis." Söder mache seine Sache gut. "Seit er Ministerpräsident ist, hat er aus meiner Sicht gewonnen."

Mit wem auch immer die CSU eine Koalition eingehen werde, für Bürgermeister Flatscher steht jetzt schon fest: "Für die Kommunen bedeutet das langwierigere Entscheidungen. Als Bürgermeister braucht man an den Schaltzentralen in München Leute, die man kennt und schnell erreicht. "

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