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"Friedliche Koexistenz ist eine Illusion": Ministerin ist für den Abschuss des Wolfes

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger forderte in einer Aussendung die "Entnahme", also Tötung, von Wölfen, die immer wieder Schafe und Ziegen reißen. Rechtlich sei dies möglich.

Symbolbild. SN/afp/denis lovrovic
Symbolbild.

Die Wolfsdebatte erreichte auch die Bundeshauptstadt. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) stellte sich am Freitag politisch gegen die Forderungen des grünen Koalitionspartners und hinter jene der Landwirte, die den Abschuss von Problemwölfen fordern. "Wenn jetzt nicht gehandelt und Problemwölfe entnommen werden, können die heimischen Almen bald nicht mehr bewirtschaftet werden", heißt es in einer Aussendung der Ministerin.

Österreichweit hätten Wölfe in den vergangenen Wochen etwa 200 Tiere gerissen. In Salzburg haben drei Wölfe mindestens 75 Schafe getötet - etwa 25 werden noch vermisst. Die Almbauern sehen darin eine "Tierquälerei, wie es sie in den vergangenen hundert Jahren nicht gegeben hätte". Am Donnerstag machten sie ihrem Ärger bei einer Kundgebung in der Salzburger Altstadt Luft. Immer wieder sprechen sie davon, dass der Wolf in einen "Blutrausch" verfalle, wenn er ihre Tiere reiße. Hubert Stock, Wolfsbeauftragter des Landes, bezeichnet dies als ein natürliches Jagdverhalten. "Es scheint zwar irrational, doch solange sich etwas bewegt, jagt der Wolf."

Um ihre Tiere zu schützen, haben viele Bauern ihre Schafe und Ziegen heuer nicht auf die Alm getrieben - oder bereits wieder hinuntergetrieben. Statt in den Höhen seien die Tiere nun auf der umzäunten Winterweidefläche in der Nähe ihrer Höfe untergebracht. ÖVP-Landesrat Josef Schwaiger weist auf die Folgen für den Tourismus hin: Wenn keine Tiere mehr auf den Almen weiden, würden die Wanderwege verbuschen.

Auch Ministerin Köstinger hebt die möglichen Folgen von Wolfsrissen für die touristische Nutzung von Almen und Wanderwegen hervor. "Die friedliche Koexistenz von Wölfen und Almwirtschaft ist eine Illusion. Wölfe sind Raubtiere, die oft wahllos zuschlagen und Almvieh reißen."

Die Landwirtschaftsministerin verweist zudem darauf, dass die "Entnahme" - sprich Tötung - einzelner Problemwölfe rechtlich "durchaus möglich" sei. Auch wenn gemäß der Naturschutz-Richtlinie der EU, der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, der Wolf streng geschützt sei. Darin heißt es, dass alle "absichtlichen Formen des Fangs und der Tötung" in der EU verboten sind. Ausnahmen von dieser Richtlinie sind jedoch möglich, wenn einzelne Wölfe zu "Schäden insbesondere an Kulturen und in der Tierhaltung sowie an Wäldern" führen würden. Landesrat Schwaiger betont, dass es zudem ein neues Gutachten eines Schweizer Rechtsexperten gebe. Dieses sei vom Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs in Auftrag gegeben worden. "Das Gutachten verändert die Lage in Salzburg, weil jetzt genau festgelegt ist, dass eine Entnahme des Wolfes unter ganz bestimmten Bedingungen möglich ist."

Ebendiese Bedingungen und Maßnahmengebiete will der Landesrat nun per Verordnung festlegen. Die nötige Zustimmung der Grünen dürfte er dafür jedoch nicht bekommen. Diese sprachen sich im Vorfeld gegen die Verordnung aus. Auch die Naturschutzorganisation WWF kritisiert die Forderungen von Landwirtschaftsministerin Köstinger. "Der Wolf ist eine streng geschützte Art und wichtiger Bestandteil einer intakten Natur", heißt es vom WWF. Statt über den Abschuss von Problemwölfen zu diskutieren, sollte es bundesweit abgestimmte Herdenschutz-Programme geben sowie "eine Wiederbelebung des Hirtenlebens nach Vorbild der Schweiz".

Und was sagen die Leserinnen und Leser der SN? Auf den digitalen Kanälen gibt es seit Wochen eine hitzige Diskussion. Bei einer Umfrage auf www.sn.at sprechen sich bis Freitagnachmittag 203 Personen gegen den Abschuss des Wolfes und für mehr Herdenschutz aus. 447 Leserinnen und Leser sind anderer Meinung - sie sind für einen Abschuss von Problemwölfen.

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