Politik

Geduldsprobe für Flüchtlinge an der Grenze nach Freilassing

Am Grenzübergang nach Freilassing warten viele Flüchtlinge bereits seit einem Tag darauf, dass sie in Deutschland aufgenommen werden. Private Helfer ordnen und vermitteln.

Mounzer Haddad ist es gewöhnt zu warten. Seit Mittwochnachmittag steht er an der Deutschen Grenze von Salzburg nach Freilassing. Jetzt ist es bald Mittag, der Föhnwind bringt heiße Luft mit sich, die Sonne brennt auf den Asphalt. Mounzer steht nicht mit den anderen Hunderten Flüchtlingen auf der Münchner Bundesstraße, sondern hat sich auf der Wiese neben der Straße einen Platz im Schatten gesucht. Er ist mit einer Gruppe von sechs Freunden und Verwandten aus Syrien aufgebrochen.

Seine Reisegesellschaft hat sich angestellt, um irgendwann doch von den deutschen Polizeibeamten in das Erstaufnahmezentrum nach Freilassing gebracht zu werden. "Ich habe ihnen gesagt, dass es nichts bringt da auf der Straße zu stehen. Aber sie wollten nicht mit mir kommen." Mounzer Haddad nimmt die Strapazen hier an der Grenze wie die meisten anderen Flüchtlinge mit Gelassenheit auf sich. "Ich habe schon viel länger gewartet. Das hier ist kein Problem für mich."

>>> Zum Liveticker <<<Immer wieder kommt es zu ReibungenGanz vorne in der Reihe gibt es trotzdem immer wieder Reibungen. Hier ist Samil Latife darum bemüht, dass die Situation nicht aus dem Ruder läuft. Der gebürtige Mazedonier lebt in Freilassing und ist seit der Nacht gemeinsam mit einem Syrer, der ihm als Dolmetscher hilft, laufend im Gespräch mit der deutschen Polizei und den Flüchtlingen. Das Problem: Die deutsche Polizei ist zwar präsent, kann aber auf der österreichischen Seite der Grenze nicht ordnend Einschreiten. Und von den österreichischen Beamten ist lediglich eine Polizeistreife zu sehen, die das Geschehen aus der Distanz beobachtet. Eine deutsche Polizistin sagt, dass eine verstärkte Polizeipräsenz auf österreichischer Seite sehr erwünscht wäre. "Es sind Polizeikräfte vor Ort und beobachten das Ganze, sagt dazu Polizeisprecherin Karin Temel. Die Lage ändere sich ständig.

Samil Latife versucht nun, rund hundert Flüchtlinge dazu zu bewegen, von der Straße aufzustehen und sich bei der langen Schlange der Wartenden hinten anzustellen. Tumultartige Szenen, wie jene in der Nacht auf Donnerstag, als die deutschen Beamten Schichtwechsel hatten und die Flüchtlinge glaubten, die Grenze würde geschlossen, sollen nicht wieder vorkommen. Deutend und rufend geht er mit dem Dolmetscher die Reihen ab. Und tatsächlich setzt sich die Gruppe in Bewegung, binnen Minuten hat sich die Straße beinahe geleert. Nur zwei Frauen kommen nach vorn zu Latife und beginnen aufgeregt mit ihm zu sprechen. Beide haben kleine Kinder dabei. Der Dolmetscher erklärt, dass sie seit gestern um vier Uhr Nachmittags hier sind. Man habe ihnen bereits gestern gesagt, dass Frauen mit Kindern als erstes über die Grenze dürften. Aber immer wieder hätten sich Männer dazwischen gedrängelt. Nun wollten sie sich nicht wieder hinten anstellen.Polizisten ließen niemanden über die GrenzeSeit sieben Uhr morgens hat die deutsche Polizei niemanden mehr über die Grenze gelassen. Die Kapazitäten in Freilassing sind verbraucht. Nun will man erst wieder Platz im Erstaufnahmelager in einer Möbelhalle schaffen, bevor weitere Flüchtlinge über die Grenze gelassen werden. Die Flüchtlinge wissen das freilich nicht. Auch, dass sie deutlich bequemer in dem Notlager des Landes Salzburg in der ehemaligen Autobahnmeisterei warten könnten, das zu Fuß nur 15 Minuten von der Grenze entfernt wären, ist den meisten nicht bewusst. Sie wähnen sich jetzt, direkt an der Grenze, kurz vor dem Ziel ihrer wochenlangen Flucht. Die beiden Frauen mit ihren Kindern wollen noch nicht aufgeben. Wann nur kämen sie über die Grenze, fragen sie und deuten auf die Armbanduhr des Übersetzers. Während die anderen Flüchtlinge die Grenze räumen, bringt Latife die Gruppe zu den Polizisten um eine Lösung zu finden. Dann geht plötzlich ein Ruck durch die Menge. Endlich wird wieder eine Gruppe nach Freilassing gebracht. Jetzt hat es auch Mounzer Haddad plötzlich eilig. Während er gerade mit einem privaten Helfer Facebook-Kontakte austauschte, sind seine Freunde weiter vorne in der Reihe. Schnell stellt er sich an. Denn ewig warten möchte auch er nicht.

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