"Gemeinsinn helfe mit daran" - Was Hallein jetzt braucht

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Standpunkt Hermann Fröschl

Die gute Nachricht ist: Halleins Finanzen sind stabilisiert. Die Zeiten, in denen die Keltenstadt durch einen rigorosen Sparkurs fast drangsaliert wurde, sind Gott sei Dank vorbei.

Die schlechte ist: Salzburgs zweitgrößte Stadt hat jeden Offensivgeist verloren. Die Stadtpolitik ist heillos zerstritten, und der abtretende ÖVP-Bürgermeister Gerhard Anzengruber hat es nie geschafft, die Stadt politisch zu einen und Schlagkraft im Sinn der Stadt und ihrer Bürger zu entwickeln. Mehr noch: Anzengruber legte sich persönlich auch mit wichtigen Vereinen und Organisationen der Stadt an. Unvergessen der Konflikt zwischen Politik und Touristikern, der die Stadt spaltete - und viel unnötiges Porzellan zerschlug.

Traurig, aber wahr: "Was hier geschieht, jeden geht's an, Gemeinsinn helfe mit daran": Die Inschrift am Halleiner Rathaus, eigentlich als Hinweis an die Bürger gedacht, am Gemeinwohl mitzuwirken, geriet unter Anzengruber zum Mahnmal an die Regierenden selbst.

Mit seinem Abgang hat die Stadt die Chance zum Neubeginn. Die einstige Industriehochburg leidet unter dem rasanten Strukturwandel - leer stehende Häuser und Geschäftslokale in der wunderschönen Altstadt sind beredtes Zeugnis dafür. Noch schlimmer: Hallein weiß auch nicht so recht, was es werden will - Kulturstadt, Einkaufszentrum, Bio-Hochburg oder Touristenmagnet? Ideen gibt es viele, aber kein klares Ziel, hinter dem alle stehen.

Deshalb muss Halleins Elite jetzt zusammenrücken und gemeinsame Antworten formulieren. Gefordert ist nicht nur die neue ÖVP-Riege, sondern auch Anzengrubers einstige Gegnerschaft. Sich zurücklehnen und über die Stadtführung zu schimpfen, das gilt nicht mehr. Hallein braucht einen gemeinsamen Aufbruch.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 05:25 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/gemeinsinn-helfe-mit-daran-was-hallein-jetzt-braucht-53338210

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