Politik

GKK will Wahlärzte mit Kassenvertrag ködern

Zur Bekämpfung des Hausärztemangels werden Gruppenpraxen finanziell besser gefördert. Kammer und Kasse fischen aber auch bei den Wahlärzten.

Für die Krankenkasse wird es, auch aufgrund des anstehenden Generationenwechsels, immer schwieriger, genug Anwärter für Kassenstellen zu finden.  SN/APA (Symbolbild)/HELMUT FOHRINGE
Für die Krankenkasse wird es, auch aufgrund des anstehenden Generationenwechsels, immer schwieriger, genug Anwärter für Kassenstellen zu finden.

Immer weniger Mediziner wollen Hausärzte werden, gerade in abgelegenen Gemeinden. Dazu kommt, dass 50 Prozent aller Kassenärzte (aktuell: 242 Allgemein- und 204 Fachärzte) bis 2026 in Pension gehen. Im Schnitt müssen daher pro Jahr 22 neue Mediziner/innen für Kassenstellen gefunden werden.

Die Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) und die hiesige Ärztekammer haben sich diesem Thema seit Jahren gewidmet: Allein in den letzten fünf Jahren wurden 141 Kassenstellen nachbesetzt. Das zeigte Wirkung: Aktuell sind von den 242 Hausarzt-Kassenstellen nur mehr drei unbesetzt - in Mühlbach am Hochkönig, in Werfen-Tenneck sowie in Großarl. Allerdings: "Dieses Tempo bei den Nachbesetzungen werden wir nicht mehr weiter durchhalten können", gibt Ärztekammer-Vizepräsident Walter Arnberger offen zu.

Kammer und Kasse versuchen, flexible Praxismodelle zu fördern

Beim neuen Leistungspaket, das jetzt präsentiert wurde, haben Kasse und Ärztekammer daher versucht, jene Modelle besser zu honorieren, die junge Ärztinnen und Ärzte motivieren, Landarzt-Praxen zu übernehmen.

Gefördert werden künftig neben den schon bewährten "Lehrpraxen" auch Jobsharing-Modelle (zwei Ärzte teilen sich eine Kassenstelle), saisonale Zusammenarbeit, Teilgruppen- und Gruppenpraxen von zwei oder mehreren Ärzten. Denn bisher war es so, dass Hausärzte nur für die ersten 1044 Patienten im Quartal die volle Grundvergütung von 19 Euro erhielten. Darüber gab es einen 75-prozentigen Abschlag, der oft Ärzte in Gruppenpraxen traf. Rückwirkend mit 1. 1. 2016 wird diese Deckelung auf 1100 Patienten erhöht. Auch die Abschläge werden auf ein Drittel (1101. bis 1250. Patient) bzw. zwei Drittel (ab 1251. Patient) gesenkt. Weiters erhöhen sich einige Honorare im Leistungskatalog. So wird das Volumen, das die SGKK an die Hausärzte überweist (aktuell: 39 Millionen Euro/Jahr), 2016 bis 2019 um 6,2 Prozent oder 2,4 Mill. Euro steigen.

Kasse wird offen um die Rückkehr von Wahlärzten

Eine Ärztin, die so ein flexibles Modell schon jetzt lebt, ist Karin Hickmann. Die 34-Jährige ist Hausärztin in Hof und hat zunächst die Praxis gemeinsam mit ihrem Vater geführt ("Übergabepraxis"). Seit 1. Juli 2016 hat sie den Kassenvertrag - und der Vater hilft mit: "Denn ich kann und will nicht rund um die Uhr arbeiten, weil ich zwei Töchter habe, die drei und sechs Jahre alt sind."

SGKK-Obmann Andreas Huss wirbt aber auch offen darum, dass Wahlärzte in den Schoß der Kasse zurückkehren: "Denn darunter gibt es viele, die nur an zwei Tagen pro Woche für wenige Stunden offen halten." Würden sie in eine Kassen-Gruppenpraxis wechseln, hätten sie eine viel höhere Sicherheit bei ihrem Einkommen, argumentiert Huss.

Gynäkologe wechselt von Wahlarzt- in eine Kassenpraxis

Einer von drei Ärzten landesweit, die mit 1. Jänner den Schritt vom Wahl- zum Kassenarzt wagen, ist der Saalfeldener Gynäkologe Siegfried Brugger (50): Er übernimmt die Praxis von Margareta Paulitsch in der Stadt Salzburg. Brugger: "Das Problem war, dass 2013 in meiner Umgebung gleich drei Frauen eine Gyn-Wahlarztpraxis eröffnet haben. Damit ist mein Umsatz stagniert." Das wolle er ändern.


Aufgerufen am 12.12.2017 um 03:39 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/gkk-will-wahlaerzte-mit-kassenvertrag-koedern-571120

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