Politik

Gratis-Fahrt mit Öffis für Touristen? Kritik an grüner Forderung

Die Bürgerliste will Urlauber verstärkt auf den öffentlichen Verkehr umlenken. Nach Gemeinderat Lukas Uitz sollen das Angebot die Gäste selbst finanzieren. Es gibt dazu aber auch negative Stimmen.

Symbolbild SN/sn
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Die Städte Salzburg und Innsbruck haben vieles gemeinsam. Beide Städte sind wahre Touristenmagnete und beide leiden nicht zuletzt deshalb unter einer massiven Verkehrsbelastung. Dass der überwiegende Teil der Besucherinnen und Besucher immer noch am liebsten mit dem privaten Pkw anreist, bekommen auch die Salzburgerinnen und Salzburger immer stärker zu spüren, meint die grüne Bürgerliste . Mit der Staukolonne wachse auch der Unmut in der Bevölkerung stetig.

Geht es nach Bürgerlisten-Gemeinderat und Verkehrssprecher Lukas Uitz, soll sich Salzburg ein Beispiel an Innsbruck nehmen. Dort dürfen Urlauber ab Mai 2020 kostenlos die städtischen Öffis nutzen. Uitz: "Wir möchten eine Stadt der Mobilität und nicht des Verkehrsstillstands sein. Dazu benötigen wir auch im Tourismus Lenkungsmaßnahmen, die unsere Gäste auf den öffentlichen Verkehr bringen. Es ist einfach zu wenig, die Gäste um eine umweltfreundliche Anreise zu bitten, wenn wir das Pkw-Aufkommen ernsthaft reduzieren wollen", so Uitz. Seiner Meinung nach gäbe es beim Tourismus einen Hebel, der bisher zu wenig bedient wurde. Der Mandatar macht sich für eine Gratis-Nutzung der Öffis für Touristen ab einer Nächtigungsdauer von zwei Nächten stark. Damit wäre gesichert, dass ein solches Angebot auch nur jenen Gästen zugute kommen würde, die für den Großteil der Wertschöpfung sorgen. Die Frage der Finanzierung ist für ihn einfach beantwortet: "Klar muss sein, dass nicht die Salzburgerinnen und Salzburg die Rechnung dafür tragen dürfen. Bei drei Millionen Nächtigungen allein in der Stadt ließen sich die Kosten über die Kurtaxe refinanzieren", so der grüne Verkehrssprecher.

In dasselbe Horn bläst auch der grüne Landtagsabgeordnete Josef Scheinast: "Viele Regionen sind bereits dazu übergegangen, den Touristen im Urlaub Mobilität und Kultur in Einem zur Verfügung zu stellen. Dazu ist es notwendig, entsprechende Pakete zu schnüren und zu bewerben." Die umweltfreundliche Anreise sei dabei genauso wichtig wie eine ökologische Mobilität am Urlaubsort. "Wenn unsere Verkehrsinfrastruktur nicht mehr solche Urlauberlawinen zu bewältigen hat, dann verbessert sich auch die Akzeptanz des Tourismus in der Stadt wieder", so Scheinast.

KPÖ fordert Gratis-Fahrt für Stadt-Salzburger mit Hauptwohnsitz

Den Vorstoß der Stadt-Grünen, für Touristen die Gratis-Fahrt in Öffis einzuführen, hält KPÖ-PLUS-Gemeinderat Kay-Michael Dankl für "einwohnerfeindlich". Die Touristenflut in Salzburg belaste die Bevölkerung durch mehr Stau und indem die steigenden Immobilienpreise die Wohnungsnot verschärfen. "Der grüne Vorschlag ist ein Jackpot für Immobilienhaie und Tourismusunternehmen", sagt Dankl: "Die Salzburger gehören entlastet, weil sie die Hauptlast des Tourismus tragen." Er fordert Gratis-Öffis für Bewohner mit Hauptwohnsitz in der Stadt Salzburg.
Gratis Öffis seien zwar kein Allheilmittel gegen das Stau-Chaos, aber eine wichtige soziale Maßnahme und ein Anreiz zum Umsteigen. Zur Finanzierung könnten, wie von den Stadt-Neos vorgeschlagen, 500 Euro pro Reisebus von Reisebustouristen, sowie drei Euro pro Nächtigung eingehoben werden. Bei ca. 40.000 Reisebussen jährlich und 3,1 Millionen Nächtigungen (2018) würde das rund 30 Millionen Euro in die Stadtkasse spülen, um die Öffi-Freifahrt zu ermöglichen. Denkbar sei auch eine Nahverkehrsabgabe für Unternehmen nach Wiener Vorbild in der Höhe von 10 Euro monatlich pro Beschäftigten. Bei rund 97.000 unselbstständig Beschäftigten in der Stadt (2017) würde das weitere 11,6 Millionen Euro jährlich für Öffis einbringen.

FPÖ findet die Gratis-Nutzung der Öffis unsinnig

"Das Modell der Gratis-Nutzung des öffentlichen Verkehrs ist nicht nur
volkswirtschaftlicher Unsinn, sondern in höchstem Maße ungerecht", warnt Salzburgs
FPÖ-Verkehrssprecher LAbg. Hermann Stöllner vor der Idee, auch in der Stadt
Salzburg Touristen ab einem Aufenthalt von drei Nächten die öffentlichen
Verkehrsmittel kostenlos zur Verfügung zu stellen. "Die Erträge aus dem Tourismus werden dringend benötigt, um notwendige Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren", so Stöllner. "In erster Linie muss dafür Sorge getragen
werden, dass in Land und Stadt das Angebot verbessert wird."


Quelle: SN

Aufgerufen am 10.12.2019 um 02:26 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/gratis-fahrt-mit-oeffis-fuer-touristen-kritik-an-gruener-forderung-80093812

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